Ein Linienflug der Air France von Paris nach Detroit ist nach Angaben der US-Grenzbehörde CBP wegen der neuen Einreisebeschränkungen im Zusammenhang mit Ebola nach Kanada umgeleitet worden. Wie der Sender ClickOnDetroit berichtet, hatte die Fluggesellschaft einen Passagier befördert, der nach den geltenden US-Regeln nicht in die Vereinigten Staaten einreisen darf.
Die Boeing 777-200 mit der Flugnummer AF378 war vom Pariser Flughafen Charles de Gaulle gestartet und sollte auf dem Flughafen Detroit Metropolitan landen. Stattdessen wurde sie zum Flughafen Montréal-Trudeau umgeleitet, wo sie am Mittwochabend (Ortszeit) eintraf. Ein Passagier sagte dem Sender, die Piloten hätten an Bord mitgeteilt, dass US-Behörden eine Landung in Detroit nicht zuließen.
In einer von ClickOnDetroit zitierten Stellungnahme erklärte die CBP, die Airline habe versehentlich einen Reisenden befördert, der unter die Einreisebeschränkungen wegen eines möglichen Kontakts mit dem Ebolavirus unter die Einreisebeschränkungen falle. Die Behörde habe das Flugzeug deshalb nicht in Detroit landen lassen und in Abstimmung mit der CDC nach Montréal umgeleitet.
Verschärfte Einreisebestimmungen
Grundlage der Umleitung ist eine Anordnung der CDC vom 18. Mai. Danach gelten für zunächst 30 Tage verschärfte Einreiseregeln und Gesundheitskontrollen. Den meisten Nicht-US-Staatsbürgern wird die Einreise untersagt, wenn sie sich in den vorausgegangenen 21 Tagen in der Demokratischen Republik Kongo, in Uganda oder im Südsudan aufgehalten haben. US-Staatsbürger und Personen mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung dürfen weiter einreisen.
Die CDC stützt die Anordnung auf zwei Paragrafen des Public Health Service Act, eines US-Gesundheitsgesetzes, und begründet sie mit laufenden Ausbrüchen des Bundibugyo-Stamms des Ebolavirus in Ost- und Zentralafrika. Für diesen Virusstamm gibt es laut der Weltgesundheitsorganisation WHO derzeit weder zugelassene Impfstoffe noch spezifische Behandlungen. Das unmittelbare Risiko für die US-Bevölkerung stuft die CDC nach eigenen Angaben als gering ein.
Air France bedient Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo. Welche Staatsangehörigkeit der betroffene Passagier hatte und welche genaue Reiseroute er genommen hatte, geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor.
Folgen für die Fußball-WM
Die Reisebeschränkungen wirken sich auch auf die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko aus. Wie Reuters berichtet, sagte die Nationalmannschaft der Demokratischen Republik Kongo ein offenes Training und eine Verabschiedung durch Staatschef Félix Tshisekedi in Kinshasa ab und verlegt ihre Vorbereitung nach Belgien. Teammanager Dodo Landu sagte dem Sender RFI, die Änderung sei „nicht sehr groß“, da nur drei Tage in Kinshasa geplant gewesen seien.
Alle in der Demokratischen Republik Kongo ansässigen Mitarbeiter des Teams müssten bis Donnerstag das Land verlassen haben, um ohne Einschränkungen in die USA einreisen zu können, berichtet Reuters. Die Ankunft sei für den 10. oder 11. Juni geplant, Standort während des Turniers sei Houston. Das Gesundheitsministerium des US-Bundesstaats Texas erklärte dem Bericht zufolge, es arbeite eng mit der CDC, dem Fußball-Weltverband FIFA und örtlichen Gesundheitsbehörden zusammen.
Ebola ist eine seltene, schwere Infektionskrankheit. Ausgelöst wird sie durch verschiedene Ebolaviren. Die Krankheit tritt vor allem in Ländern südlich der Sahara auf. Sie wird nicht über die Luft übertragen, sondern durch direkten Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten, verunreinigten Gegenständen oder Leichen infizierter Menschen. Auch Wildtiere können das Virus auf Menschen übertragen. Nach Angaben der WHO stirbt im Schnitt etwa jeder zweite Erkrankte; je nach Ausbruch lag die Sterblichkeit zwischen 25 und 90 Prozent. Impfstoffe und gezielte Medikamente sind bisher nur gegen die Zaire-Variante zugelassen.
Bei dem derzeitigen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo wurden nach Angaben von Reuters bis Mittwoch 600 Verdachtsfälle und 139 mutmaßliche Todesfälle gezählt.
Ebola-Patient an der Charité: Das sollten Sie jetzt über das Virus wissen?
Wegen Trump-Kritik: US-Einreiseverbot für französischen Wissenschaftler
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]