Rüstung

Langstreckenwaffen: Frankreich will in deutsch-britisches Raketenprojekt einsteigen

Deutschland und Großbritannien entwickeln Präzisionswaffen mit mehr als 2000 Kilometern Reichweite. Das Vorhaben geht auf das Trinity-House-Abkommen zurück.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Ein US-Zerstörer beim Start eines Tomahawk-Marschflugkörpers: Vergleichbare Langstreckenfähigkeiten stehen im Zentrum der deutsch-britischen Rüstungspläne.

Ein US-Zerstörer beim Start eines Tomahawk-Marschflugkörpers: Vergleichbare Langstreckenfähigkeiten stehen im Zentrum der deutsch-britischen Rüstungspläne.

© ABACA/imago

Frankreich will sich dem deutsch-britischen Vorhaben zur Entwicklung bodengestützter Langstreckenraketen anschließen. Das berichtete die Financial Times am Sonnabend. Damit würden Frankreich, Großbritannien und Deutschland gemeinsam an weitreichenden Präzisionswaffen arbeiten. Grundlage ist das sogenannte Trinity-House-Abkommen, das Großbritannien und Deutschland im Oktober 2024 geschlossen hatten.

Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums geht es um mehrere Typen künftiger Tarnkappen-Marschflugkörper und Hyperschallwaffen mit einer Reichweite von mehr als 2000 Kilometern. Zunächst stehen bodengestützte Systeme im Vordergrund, später sollen auch luft- und seegestützte Varianten geprüft werden. Einsatzbereit sollen die Waffen in den 2030er Jahren sein. Das Programm steht laut London ausdrücklich weiteren Partnern offen.

Die französische Beteiligungsabsicht hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bereits angedeutet. Nach einer Bundeswehr-Übung am 4. Mai in Munster sagte er laut dem auf Militär- und Rüstungsfragen spezialisierten US-Portal Defense News, dass man 2023 gemeinsam mit den Briten begonnen habe, eigene Präzisionswaffen zu entwickeln. Nun wollten auch die Franzosen einsteigen.

Reaktion auf US-Kursänderung

Hintergrund der beschleunigten europäischen Pläne ist nach Darstellung von Defense News eine Lücke in den Fähigkeiten der Bundeswehr für Angriffe auf weit entfernte Ziele. Die unter US-Präsident Joe Biden zugesagte zeitweilige Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern und SM-6-Flugkörpern auf dem Typhon-System der US-Armee in Deutschland sei durch die Trump-Regierung faktisch gestoppt worden. Zugleich solle ein Teil der US-Truppen aus Deutschland abgezogen werden. Pistorius sprach laut Defense News von einer Fähigkeitslücke, die sich nun wieder auftue.

Die Bundesregierung verweist zur Begründung auf russische Iskander-Raketen in der Exklave Kaliningrad. Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte, es dürfe keine Lücke entstehen; gearbeitet werde an einem Abschreckungspaket auf nationaler und europäischer Ebene sowie mit den Nato-Verbündeten. Bundeskanzler Friedrich Merz rechnet nach eigenen Worten nicht mehr sicher mit der von Joe Biden zugesagten US-Stationierung, hält sie aber nicht für endgültig erledigt.

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Das Verteidigungsministerium nannte laut Defense News drei deutsche Handlungsstränge: die Modernisierung des Marschflugkörpers Taurus und die Entwicklung des Nachfolgers Taurus Neo, den Kauf bereits verfügbarer Waffensysteme sowie die Beteiligung am europäischen ELSA-Ansatz. Daran beteiligt sind Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Schweden und Großbritannien. Davon zu unterscheiden ist das deutsch-britische Programm.

Welche Rüstungsunternehmen daran beteiligt werden, ist noch offen. Nach Angaben der Financial Times sind der europäische Lenkflugkörperhersteller MBDA und das deutsch-britische Start-up Hypersonica im Gespräch. Frankreich schlägt demnach auch ArianeGroup als Partner vor. Das Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und Safran könnte Antriebsstufen für Hyperschallwaffen liefern.

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