Landespokal

Keine Sensation: Hansa Rostock schlägt Sechstligisten Pastow im Landespokalfinale

Der SV Pastow verliert das Landespokalfinale gegen die drei Ligen höher spielende Hansa, fährt nach einem harten Kampf aber zufrieden nach Hause.

6 Min
Pokalsieger: Durch den Sieg gegen den SV Pastow ist Hansa Rostock in der kommenden Saison für den DFB-Pokal qualifiziert.

Pokalsieger: Durch den Sieg gegen den SV Pastow ist Hansa Rostock in der kommenden Saison für den DFB-Pokal qualifiziert.

© IMAGO/Andy Buenning

Erstmal zu den Fans. Während sich die Spieler vom FC Hansa Rostock schon für die Siegerehrung bereitmachten und ein Spalier für die Spieler vom SV Pastow bildeten, liefen diese geradewegs zu ihren Fans, um sich für deren Unterstützung zu bedanken. Sie hatten 90 Minuten lang ihre Fahnen geschwenkt und mit ihren Gesängen versucht, den klaren Außenseiter anzufeuern. Die Spieler dankten ihnen und ließen sich nochmal für die eigene Leistung feiern. Für den ganzen großen Wurf hatte es zwar nicht gereicht. Der SV Pastow, der als einziger Sechstligist überhaupt im Landespokalfinale stand, musste sich in diesem 0:3 (0:1) gegen den FC Hansa Rostock geschlagen geben, der den Mecklenburg-Vorpommern-Pokal zum neunten Mal gewann. Trotzdem schlugen sich die unterklassigen Gegner in einem Duell zwischen Amateurfußballern und Profis wacker.

2813 Fußballfans waren am Sonnabend ins Greifswalder Volksstadion gekommen, um das Pokalfinale zu sehen. Die Sitzschalen reichten für so viele Fans nicht aus und so nahmen viele an den Seiten der Haupttribüne auf zwei Rasenflächen Platz. So war auf der einen Seite die „Rostock-Wiese“ und auf der anderen die „Pastow-Wiese“ entstanden.

Der Glaube an die Sensation

Und die Fans des Amateurklubs waren zahlreich erschienen. Viele trugen dunkelblaue T-Shirts, deren Aufschrift daran erinnerte, dass der Sechstligist schon zum zweiten Mal in Folge im Landespokalfinale stand. Im Vorjahr ging Pastow gegen Rostock mit 0:7 baden. Trotzdem hatte Trainer Christopher Kaminski gegenüber der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung schon in der Vorwoche erklärt, dass der Glaube an einen Erfolg in diesem Jahr einen Ticken größer sei.

Kurz vor dem Beginn des Spiels ergänzte Pastows sportlicher Leiter Tom Kleiminger diesen Optimismus. „Ein 2:1 für uns wäre schon schön“, sagte er und hatte auch den Grund parat, warum es in diesem Spiel anders laufen könnte: „Letztes Jahr waren wir zu offensiv, da haben sie uns schnell überspielt. Technisch sind sie eben besser.“ Klar, denn Rostock ist die fünftbeste Mannschaft der abgelaufenen Saison in der 3. Liga.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Die Fans des SV Pastow waren zahlreich und stimmgewaltig in Greifswald erschienen.

Die Fans des SV Pastow waren zahlreich und stimmgewaltig in Greifswald erschienen.

© IMAGO/Andy Buenning

Leider für Pastow hatte es zu Platz vier nicht gereicht, denn dann wäre Rostock automatisch für den DFB-Pokal qualifiziert gewesen – und Pastow als Finalist im Landespokal auch. So geschehen in Brandenburg, wo der VfB Krieschow dann sogar im Finale gegen den FC Energie Cottbus gewann. „Für Cottbus geht es um nichts mehr, das hätten wir uns natürlich auch gewünscht“, sagte Kleiminger.

Wenn Amateure gegen Profis spielen

Um gegen Rostocker, die das Spiel nun gewinnen mussten, mitzuhalten, setzte Kaminski also auf ein defensives System und viel Körpereinsatz. Stürmer Guido Kocer ging bei diesem Ansatz vorweg: „Unsere Jungs arbeiten alle, die spielen dritte Liga. Die sind körperlich besser und spielerisch besser. Die machen das jeden Tag. Ich kenne das selbst und da muss man einfach über das Körperliche kommen und eklig sein, sie immer wieder stören, immer wieder ärgern.“ Er selbst hatte in der Saison 2008/2009 noch viermal für Hansa Rostock in der 2. Bundesliga gespielt.

Sein Ex-Verein dominierte natürlich das Spiel und ging in der 17. Minute durch Lukas Kunze in Führung. Der Unterschied zwischen Amateur- und Profifußball machte sich nicht nur anhand der besseren Technik am Ball und der größeren Körperspannung bemerkbar, sondern auch am Schuhwerk: „Hat einer ne 42?“, rief Tony-Glen Siegmund in Richtung der Pastow-Bank, nachdem sein rechter Schuh nach einem Zweikampf den Geist aufgegeben hatte.

Pastows Hoffnung vor der Halbzeit

Als sich die Halbzeitpause jedoch näherte, kam der Außenseiter besser ins Spiel. Kurz vor der Halbzeit ließ Kocer das Netz seines Ex-Klubs zappeln, die Fans ein klatschendes „Jaa“ schreien, das sich jedoch in dem Moment, als der Ball vom Außennetz ins Aus sprang, eher zu einem enttäuschten „Ahhh“ veränderte. „Das wäre cool gewesen, ne?“, sagte Kocer zu dem möglichen Tor gegen seinen ehemaligen Verein. „Ich wollte ins kurze Eck treffen, aber dann habe ich ein bisschen verzogen.“

Die Vorlage dazu hatte Tim Fürstenau gegeben, der sich auf den Außenbahnen immer wieder durchsetzen konnte, seine höherklassigen Gegner stehen ließ und an fast jedem Angriff des Außenseiters beteiligt war. „Er hat das schon toll gemacht“, lobte Trainer Kaminski. „Ich glaube, er weiß selbst gar nicht, wie gut er ist. Heute hat er es unter Beweis gestellt, wahrscheinlich wird es auch schwer, ihn zu halten“. Fürstenau selbst sagte über sein Spiel – und die Zukunft: „Es hat super viel Spaß gemacht und wir freuen uns schon auf nächstes Jahr.“

SV Pastows Trainer Christopher Kaminski (mitte) war sehr zufrieden mit der Leistung seinen Flügelspielers Tim Fürstenau (l.).

SV Pastows Trainer Christopher Kaminski (mitte) war sehr zufrieden mit der Leistung seinen Flügelspielers Tim Fürstenau (l.).

© Andre Gschweng

Trotz des guten Gefühls und des knappen Rückstands, mit dem Pastow in die Halbzeit gegangen war, dauerte es nach Wiederanpfiff keine drei Minuten, da erhöhte Emil Holten auf 2:0 für Hansa. „Das ist dann natürlich ein Nackenschlag und es hat auch was gemacht mit den Jungs. Das ist ein bisschen ärgerlich, aber trotzdem: Wir haben uns nicht aufgegeben, unsere Jungs haben sich nicht aufgegeben und das war das Wichtigste heute“, analysierte Kaminski.

Das Bier ist zu warm

Maximilian Krauß, der während des Spiels am meisten unter der harten Gangart der Amateure gelitten hatte, traf in der 57. Minute zum 3:0 für die Profis, was den Endstand bedeutete. Kaminski ärgerte sich zwar über die Art der Gegentore, war aber in Summe zufrieden mit seiner Mannschaft: „Man kann nur den Hut davor ziehen. Wir spielen hier bei 26 Grad gegen einen Drittligisten mit dem Rucksack, dass wir gewinnen müssen, um DFB-Pokal zu spielen.  Dafür haben sie das sehr, sehr gut umgesetzt. Sie haben ihr Herz auf dem Platz gelassen.“

Platz zwei ist auch ein Erfolg: Die Spieler vom SV Pastow hatten sich ihr Kaltgetränk nach dem Spiel jedenfalls verdient.

Platz zwei ist auch ein Erfolg: Die Spieler vom SV Pastow hatten sich ihr Kaltgetränk nach dem Spiel jedenfalls verdient.

© IMAGO/Andy Buenning

Zur Belohnung gab es Applaus der Gegner, als Pastow den Spalier doch erreichte, und neben Medaillen auch ein großes Glas Bier, von dem einige Spieler schon mal nippten, während der Stadionsprecher lobende Worte sprach. „Ich bin ja immer für einen Spaß zu haben“, sagte Kocer. „Das tat nach so einem Spiel bei 90 Minuten Hitze auch sehr gut. Es hätte nur kälter sein können!“

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner