Sonntag, 26. Mai 2026, und der Himmel macht ernst: knapp 30 Grad, kaum eine Wolke, dazu dieser sanfte Wind, der einem schon morgens verrät, dass heute kein Tag für die Wohnung ist. Wer jetzt noch grübelt, ob sich ein Ausflug lohnt – die Antwort lautet ganz klar: ja. Und wer ohnehin schon halb in den Badelatschen steht, für den haben wir die schönsten Spontanziele zusammengestellt. Mit klarem Fokus auf den Osten Berlins und Brandenburgs, denn dort liegen die Seen, die nicht jeder kennt, die Wälder, in denen man noch atmen kann, und die Bahnverbindungen, die einen entspannt ans Wasser bringen.
Erstmal das Ticket klären
Bevor es losgeht, lohnt sich ein kurzer Blick auf die günstigste Variante der Anreise. Das Brandenburg-Berlin-Ticket kostet 36,50 Euro und gilt für bis zu fünf Personen in der 2. Klasse. An Wochenenden ist es bereits ab Mitternacht gültig, sonst ab 9 Uhr morgens, und bringt einen mit allen Regionalzügen, S- und U-Bahnen, Trams, Bussen und sogar Fähren durch ganz Berlin und Brandenburg. Bis zu drei Kinder zwischen 6 und 14 Jahren fahren kostenlos mit, jüngere sowieso. Für Familien und Gruppen ist das die mit Abstand entspannteste Variante – zumal das Auto an einem solchen Tag eh im Stau Richtung Süden steht.
Müggelsee: Berlins blaues Wohnzimmer
Wer im Osten vom Baden redet, kommt am Müggelsee nicht vorbei. Der größte See Berlins liegt am Rand von Köpenick und hat etwas, das viele andere Stadtseen längst verloren haben: Weite. Vom Südufer aus blickt man auf die bewaldeten Müggelberge, das Wasser ist erstaunlich klar, und entlang des Ufers reihen sich kleine wilde Badestellen aneinander.
Mit der S3 fährt man bis Friedrichshagen, schlendert durch die Bölschestraße – die Eisdielen dort sind Pflicht – und ist nach wenigen Minuten am Wasser. Wer es ruhiger mag, läuft Richtung Kleiner Müggelsee, der mit seiner Naturkulisse fast wie ein abgelegener Brandenburger Waldsee wirkt, obwohl man technisch gesehen noch in Berlin steht.
Wetter im Osten: Bis zu 31 Grad von Brandenburg bis Sachsen – dann kommen die Sommergewitter
Dämeritzsee: ein Schritt über die Stadtgrenze
Eine S‑Bahn‑Station weiter Richtung Osten endet die S3 in Erkner – und von dort sind es nur wenige Geh‑ oder Radminuten zum Dämeritzsee. Der See liegt genau auf der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg: Etwa zur Hälfte gehört er zum Berliner Bezirk Treptow‑Köpenick (Ortsteil Hessenwinkel), die andere Hälfte liegt im brandenburgischen Erkner.
Hier ist es insgesamt ruhiger und kleinteiliger als am Müggelsee. Am Nordufer in Erkner gibt es einen Badestrand mit Liegewiesen, Strandbar und Verleih für Kajaks und SUP‑Boards (Adresse: Am Dämeritzsee 2, 15537 Erkner); viele Stellen am Ufer sind flach abfallend, was den See besonders familienfreundlich macht.
Wer mag, kann den Dämeritzsee umrunden: Es gibt mehrere Wander‑ und Radwege um den See, unter anderem einen etwa 6,4 km langen Rundweg, der bei gemächlichem Tempo grob zwei Stunden dauert und immer wieder schöne Ausblicke aufs Wasser bietet. Aufgrund von Bebauung und sumpfigen Bereichen führen nicht alle Wege direkt am Wasser entlang, so dass manche Varianten etwas länger werden.
Die S3 endet in Erkner, dem nächstgelegenen Bahnhof; von dort ist der See in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen – aus praktischer Sicht kann man sagen: „Einfacher geht’s kaum.“
Flakensee und Woltersdorf: Bimmelbahn inklusive
Etwas südöstlich davon liegt der Flakensee, eingebettet zwischen Wald und kleinen Ortschaften. Das Wasser ist ruhig, die Stimmung familiär, und das eigentliche Highlight ist die Anreise: Von der S-Bahn-Station Rahnsdorf aus bringt einen die historische Woltersdorfer Straßenbahn quietschend und klingelnd in wenigen Minuten direkt an die Schleuse zwischen Flaken- und Kalksee.
Allein diese kurze Fahrt mit der nostalgischen Tram hat etwas von Zeitreise. Wer Lust auf einen längeren Spaziergang hat, läuft am Ufer entlang weiter Richtung Kranichsberge – dort gibt es einen kleinen Aussichtsturm mit Blick über die Seenlandschaft.
Straussee: Klares Wasser und eine historische Fähre
Eine Station weiter mit der S5, und man ist in Strausberg, einer der letzten Haltestellen der Berliner S‑Bahn. Der Straussee zählt zu den klareren Seen im Berliner Umland, und das spürt man beim ersten Sprung ins Wasser sofort.
Eine Besonderheit ist die Strausseefähre, eine kleine, elektrisch betriebene Personen‑Seilfähre, die seit 1894 zwischen der Strausberger Altstadt und dem Waldrand „Jenseits des Sees“ über den See pendelt. Sie gilt als technisches Denkmal und ist in Europa einzigartig, weil sie ihren Fahrstrom über eine über den See gespannte Oberleitung bezieht.
Wer dort badet, kombiniert Erfrischung, einen Hauch Technikgeschichte und einen Spaziergang durch die hübsche Strausberger Altstadt zu einem kompletten Tagesausflug.
Rangsdorfer See: Sommerfrische mit DDR-Charme
Etwas weiter südlich, gut mit dem RE7 in einer knappen halben Stunde ab Berlin Hauptbahnhof erreichbar, liegt der Rangsdorfer See. Das Strandbad hier hat einen ganz eigenen Charme: Ein bisschen aus der Zeit gefallen, mit großer Liegewiese, altem Sprungturm und einem Hauch von Ostsommer-Nostalgie.
Wer abseits der Berliner Hotspots baden möchte, ohne stundenlang anzureisen, findet hier sein Ziel. Direkt am Bahnhof gibt es einen kleinen Imbiss, und die Fischbrötchen am Ufer sind ihren Ruf wert.
Wendenschloss: Sand, Bootsverleih, Berliner Sommergefühl
Zurück in der Stadt, aber wieder im Osten: Das Strandbad Wendenschloss in Köpenick liegt am Langen See, einer Ausbuchtung der Dahme, und ist eines der traditionsreichsten Strandbäder Berlins. Sand unter den Füßen, Liegestühle, Bootsverleih, kleine Strandbar – das volle Sommerprogramm. Von der S-Bahn Köpenick fährt die Tram 62 direkt bis vors Tor. Wer Lust hat, kann sich ein Tretboot mieten und gemächlich Richtung Müggelsee schippern.
Lehnitzsee: Eiszeit-Erbe im Norden
Wer es im Norden Brandenburgs ruhiger mag, fährt mit der S1 bis Lehnitz, und steht nach einem zehnminütigen Spaziergang am Lehnitzsee. Der See ist ein Überbleibsel der Eiszeit, glasklar, von Kiefern gesäumt und deutlich weniger frequentiert als die Klassiker im Süden und Osten. Hier lässt sich ein Sonntag bestens mit einem Buch unter dem Baum verbringen, ohne dass man permanent von Frisbees und Bluetooth-Boxen aus der Ruhe gerissen wird.
Wer's lieber trocken mag: Märkische Schweiz
Nicht jeder will baden, manche wollen einfach raus, durchatmen, wandern. Dafür ist die Märkische Schweiz rund um Buckow ideal. Die Landschaft hier ist überraschend hügelig, fast schon alpin-anmutend, mit kleinen Schluchten, alten Buchenwäldern und einer ganzen Reihe von Seen, die zwischen den Hängen liegen. Mit der RB26 fährt man bis Müncheberg, von dort weiter mit dem Bus 928 nach Buckow. Das Besuchszentrum im Schweizerhaus bietet viele Infos zum Ort und der Region.
Kloster Chorin und Schiffshebewerk Niederfinow
Etwas weiter nördlich liegt eine der schönsten Kombinationen, die Brandenburg zu bieten hat: das Kloster Chorin und das Schiffshebewerk Niederfinow. Das Kloster ist ein Backsteinjuwel der norddeutschen Gotik, mitten im Wald, mit einem Klostersee gleich nebenan. Wer ein Fahrrad dabei hat, radelt von Chorin aus die rund 15 Kilometer hinüber nach Niederfinow, wo sich Schiffe in einem gewaltigen Trog 36 Meter den Berg hinauf und hinunter heben lassen. Eine der eindrucksvollsten Ingenieursleistungen der Region, und ein Ausflug, der auch Kinder noch staunen lässt. Anreise mit dem RE3 bis Chorin.
Spreewald: Kahnfahrt und Gurkengeschmack
Ein Klassiker, der trotzdem immer wieder begeistert: der Spreewald. Eine Stunde mit dem RE2 ab Berlin Hauptbahnhof, und man steht in Lübben oder Lübbenau zwischen kleinen Wasserläufen, Erlenwäldern und Spreewaldhäusern. Eine Kahnfahrt gehört dazu, dauert je nach Tour zwei bis drei Stunden und ist auch bei Hitze angenehm, weil das Wasser kühlt und die Bäume Schatten spenden. Wer es aktiver mag, leiht sich ein Paddelboot. Und abends gibt's frische Gurken vom Bauern – die Spreewälder Variante ist berühmt und schmeckt direkt vor Ort am besten.
Rheinsberg: Wasser, Schloss, weniger Trubel
Wer Potsdam zu touristisch findet, dem sei Rheinsberg empfohlen. Das Schloss spiegelt sich im Grienericksee, der Park ist weitläufig und ruhig, die Altstadt entspannt. Mit dem RE5 bis Löwenberg, dann weiter mit der RB54 – die Anreise dauert, ist aber Teil des Erlebnisses, denn die Strecke führt durch typisch märkische Landschaft. In Rheinsberg selbst lohnt sich neben dem Schloss ein Besuch im Tucholsky-Literaturmuseum, und wer mag, mietet ein Hausboot oder Tretboot und erkundet die Seenlandschaft vom Wasser aus.
Was unbedingt in die Tasche gehört
Bei dieser Hitze ist die Ausrüstung entscheidend. Sonnencreme mit mindestens Lichtschutzfaktor 30 ist Pflicht, denn die Maisonne ist heimtückischer, als viele denken. Mindestens zwei Liter Wasser pro Person sollten dabei sein, gerade wer länger unterwegs ist. Mückenspray lohnt sich besonders im Spreewald und in den Abendstunden am Müggelsee. Und ein kleiner Tipp aus der Praxis: An vielen Seekiosken wird immer noch nur Bargeld genommen, ein paar Scheine in der Tasche ersparen einem das Hungerleiden an der Bratwurstbude.
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