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China kontrolliert den Rohstoff für Trumps Iran-Krieg: USA suchen fieberhaft nach Alternativen

Tomahawks, Patriot-Raketen, bunkerbrechende Bomben: Der Iran-Krieg verschlingt US-Waffen in großen Mengen. Den Rohstoff für den Nachschub kontrolliert ausgerechnet China.

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Ein US-Zerstörer feuert einen Tomahawk-Marschflugkörper ab.

Ein US-Zerstörer feuert einen Tomahawk-Marschflugkörper ab.

© US Navi/dpa

Die USA stehen vor einem strategischen Rohstoffproblem. Während des Krieges gegen den Iran setzen die Streitkräfte fortgeschrittene Waffensysteme wie Tomahawk-Marschflugkörper, Patriot-Abwehrraketen und Precision-Strike-Raketen in großem Umfang ein. Für die Produktion von Ersatz wird Wolfram benötigt – ein Metall, dessen Förderung und Verarbeitung weltweit von China dominiert wird. Das berichtet NBC News.

Wolfram kommt in Kampfjets, bunkerbrechenden Bomben, panzerbrechender Munition und Raketensystemen zum Einsatz. Eine kommerzielle Wolfram-Mine auf US-Boden gibt es seit 2015 nicht mehr. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump versucht deshalb mit Hochdruck, die Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen zu verringern.

USA brauchen Jahre zum Auffüllen ihrer Waffenlager

Laut einem Bericht von Mark Cancian, Senior Adviser am Center for Strategic and International Studies, könnte es bis zu vier Jahre dauern, die amerikanischen Munitionsbestände wieder auf das Niveau vor dem Iran-Krieg zu bringen. Besonders brisant wäre das im Fall einer weiteren Eskalation mit China.

Auch Verbündete der USA sind betroffen. Japan setzt auf Tomahawk-Raketen, Südkorea beherbergt das THAAD-Raketenabwehrsystem. Ein amerikanisches Waffenpaket für Taiwan im Wert von rund 14 Milliarden US-Dollar wurde nach Angaben der Trump-Regierung vergangene Woche wegen des Iran-Krieges vorerst gestoppt.

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Südkoreanische Mine als Hoffnungsträger

In den Bergen Südkoreas hat das amerikanische Unternehmen Almonty Industries im März die Sangdong-Mine wieder eröffnet – mehr als 30 Jahre nach ihrer Schließung infolge billiger Konkurrenz aus China. „Es gibt sehr wenige große Wolfram-Minen auf dem Planeten“, sagte Firmenchef Lewis Black NBC News bei einem Besuch der Anlage. Wolfram sei lange ein klassisches „Kriegsmetall“ gewesen, erklärte Black. In den vergangenen Jahrzehnten habe es sich zugleich zu einem zentralen Rohstoff der Technologiebranche entwickelt und werde unter anderem in Halbleitern, Batterien und Smartphones eingesetzt.

„Die Nachfrage nach Wolfram wird nur steigen“, sagte Almonty-Manager Steve Allen. Eine stabile Lieferkette werde in den kommenden Jahren „extrem wichtig“.

Bei voller Auslastung soll die Mine jährlich rund 1,2 Millionen Tonnen Wolfram-Erz verarbeiten. Nach Unternehmensangaben könnten die Vorkommen noch etwa 100 Jahre genutzt werden.

Almonty verlegte seinen Hauptsitz zuletzt von Toronto in den US-Bundesstaat Montana, um sich nach eigenen Angaben strategisch stärker an amerikanischen Verteidigungsinteressen auszurichten. Parallel arbeitet das Unternehmen daran, auch eine stillgelegte Wolfram-Mine in Montana wieder zu eröffnen.

China dominiert den Weltmarkt

China hat seine Vormachtstellung über Jahrzehnte mit staatlichen Subventionen, niedrigen Produktionskosten und weniger strengen Umweltauflagen aufgebaut. Das Land produziert heute mehr als 80 Prozent des weltweiten Wolframs und verbraucht selbst mehr als die Hälfte davon. Die USA decken ihren Bedarf vor allem durch Recycling und Importe von jährlich mehr als 6000 Tonnen verarbeitetem Wolfram, wie aus Daten des U.S. Geological Survey hervorgeht.

Im vergangenen Jahr hatte China im Handelskonflikt mit den USA Exportkontrollen für mehrere kritische Mineralien verhängt, darunter auch Wolfram. Die Preise stiegen daraufhin zeitweise auf Rekordniveau. Eine zwischen Washington und Peking vereinbarte vorläufige Entspannung im Handelsstreit läuft im November aus.

Dass westliche Staaten ihre Abhängigkeit bislang kaum verringern konnten, liegt auch an der aufwendigen Förderung des Metalls. Wolfram gilt als extrem hitzebeständig und widerstandsfähig, der Abbau und die Verarbeitung sind jedoch technisch kompliziert und belasten die Umwelt erheblich.

„Die Menschen in Amerika wollen das nicht tun“, sagte der frühere Pentagon-Sprecher Steve Warren NBC News mit Blick auf die Umweltfolgen und Produktionskosten. „Die Chinesen sind sehr bereit, das zu tun – und zu niedrigen Kosten.“

USA müssen Industrie praktisch neu aufbauen

Nach Jahren des Niedergangs beginnt die amerikanische Wolfram-Industrie laut Almonty-Chef Black praktisch bei Null. „Es gibt kein Wissen. Es gibt keine Berater, an die man sich wenden kann“, sagte er. China habe nicht nur Marktanteile übernommen, sondern über Jahrzehnte auch entscheidendes Fachwissen aufgebaut.

Die Trump-Regierung hat im Februar einen Vorrat kritischer Mineralien im Wert von 12 Milliarden US-Dollar angelegt und unterstützt neue Bergbauprojekte sowie Rohstoffpartnerschaften mit Verbündeten.

Zudem unterstützt Washington laut NBC News ein Projekt der New Yorker Investmentgruppe Cove Capital, die in Kasachstan eine Wolfram-Mine samt Verarbeitungsanlage für rund 1,1 Milliarden US-Dollar errichten will. Zu den Investoren zählen dem Bericht zufolge auch Donald Trump Jr. und Eric Trump, die Söhne des US-Präsidenten.

Wie lange der Westen brauchen wird, um Chinas Dominanz aufzuholen, beantwortete Black nüchtern: „In einem Jahrzehnt wird man eine ordentliche Delle hinbekommen.“ Vollständig unabhängig werde man allerdings wohl selbst in 20 Jahren noch nicht sein.

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