Eine Drohne mutmaßlich russischer Herkunft ist nach Angaben des rumänischen Verteidigungsministeriums in der Nacht zum Freitag auf das Dach eines zehnstöckigen Wohnhauses in der Stadt Galați im Südosten Rumäniens gestürzt. Beim Aufprall sei es zu einer Explosion und einem Brand gekommen, teilte das Ministerium mit. Zwei Menschen seien leicht verletzt worden, das Gebäude mit rund 70 Bewohnern musste den Angaben zufolge evakuiert werden.
Bei dem Flugkörper habe es sich nach ersten Erkenntnissen um eine Drohne vom Typ Geran-2 gehandelt, deren Sprengladung beim Einschlag vollständig detoniert sei, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums. Die Drohne sei um 1.54 Uhr Ortszeit in den nationalen Luftraum eingedrungen, sagte Ministeriumssprecher Cristian Popovici dem Sender Antena 3 CNN. Südlich von Galați sei der Kontakt auf dem Radar verloren gegangen.
Nato will „jeden Zentimeter“ des Territoriums verteidigen
Rumäniens Außenministerin Oana Toiu bestellte aufgrund des Vorfalls den russischen Botschafter in das Außenministerium ein. Auf der Plattform X schrieb sie, das Verteidigungsministerium habe bestätigt, dass die in Galați eingeschlagene Drohne russischen Ursprungs sei. Die Sicherheit Rumäniens habe „absolute Priorität“. Über die Konsequenzen für die diplomatischen Beziehungen zu Russland sowie über weitere Schritte auf europäischer Ebene mit Blick auf Sanktionspakete werde offiziell informiert.
Staatspräsident Nicușor Dan habe zudem für den Morgen den Obersten Rat der Landesverteidigung einberufen, so Toiu.
Auch die Nato meldete sich zu dem Vorfall zu Wort. Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte am Freitag, er habe dem rumänischen Präsidenten Nicosur Dan die „uneingeschränkte Solidarität“ der Nato ausgesprochen. Die Nato sei bereit, „jeden Zentimeter des Bündnisgebiets zu verteidigen“. Die letzte Nacht habe erneut gezeigt, dass die Auswirkungen des „illegalen Angriffskriegs“ Russlands „nicht an der Grenze Halt machen“.
Rumänien lässt Kampfjets aufsteigen
Die rumänische Luftwaffe ließ nach eigenen Angaben zwei F-16-Kampfflugzeuge vom Stützpunkt Fetești sowie einen Hubschrauber vom Typ IAR-330 aufsteigen. Die Piloten seien zum Abschuss von Zielen berechtigt gewesen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Auf die Frage, warum die Drohne nicht abgeschossen wurde, sagte Popovici laut dem rumänischen Nachrichtenportal Digi24. Rumänien könne nicht riskieren, mehr Gefahren zu schaffen als zu verhindern.
Das rumänische Außenministerium bezeichnete den Vorfall Digi24 als „schwere und verantwortungslose Eskalation“ durch Russland. Bukarest bat das Verteidigungsbündnis Nato nach Angaben der Nachrichtenagentur AP um eine schnellere Bereitstellung von Fähigkeiten zur Drohnenabwehr.
Rumänien inzwischen regelmäßig von Drohnen getroffen
Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums hatte Russland in der Nacht erneut Angriffe auf zivile und infrastrukturelle Ziele in der Ukraine nahe der Grenze zu Rumänien geflogen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Donau liegt der ukrainische Hafen Ismajil, der nach Angaben des US-Senders CNN regelmäßig Ziel russischer Angriffe ist.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wurden laut rumänischen Behörden in 47 Fällen Drohnentrümmer auf dem Staatsgebiet entdeckt, davon zwölf in diesem Jahr. Der rumänische Luftraum wurde nach Ministeriumsangaben seit Kriegsbeginn 28-mal von russischen Drohnen verletzt.
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