Trotz der Bemühungen der brasilianischen Regierung gegen illegalen Goldabbau wird im Amazonas-Regenwald weiterhin Gold im Milliardenwert geschürft. Das geht aus einer Untersuchung der Umweltorganisation Greenpeace hervor, über die die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hatte bei seinem Amtsantritt 2023 angekündigt, den Goldabbau auf indigenen Gebieten und in Schutzzonen zu beenden, nachdem dieser unter seinem rechten Vorgänger Jair Bolsonaro ausgeweitet worden war.
Laut Reuters untersuchte Greenpeace 187 Waldflächen mit Schürfgenehmigungen der brasilianischen Bergbaubehörde ANM in der Nähe indigener Gebiete. Auf 98 dieser Flächen fanden sich keinerlei Spuren von Abbau. Dennoch wurden über diese sogenannten „Geister-Genehmigungen“ zwischen 2018 und März 2026 insgesamt 26,8 Tonnen Gold im Wert von rund 3,88 Milliarden Dollar verkauft. Reuters-Reporter überflogen zwei dieser Areale und bestätigten, dass trotz hoher angemeldeter Fördermengen keine Aktivität sichtbar war – sechs Flugminuten entfernt entdeckten sie hingegen eine große illegale Mine in einem Schutzgebiet.
„Neuer Goldrausch“ treibt Abbau voran
Die Nachrichtenagentur AFP berichtete zugleich von wachsenden Spannungen im Indigenen-Territorium Bau im Bundesstaat Para. Häuptling Bepdjo Mekragnotire vom Volk der Kayapo schilderte, dass im Februar bei einem Zusammentreffen mit Goldsuchern kurzzeitig Waffen gezogen worden seien; 24 Eindringlinge habe man vertrieben. Eine Koalition indigener Organisationen warnte Behörden wie die Umweltagentur IBAMA laut AFP in einem Schreiben vor „der drohenden Gefahr eines bewaffneten Großkonflikts“.
Gegenüber AFP erklärte Nilton Tubino, von Präsident Lula mit dem Schutz indigener Gebiete betraut, ein „neuer Goldrausch“ treibe den illegalen Abbau voran. IBAMA habe in den vergangenen drei Jahren mehr als 690 Bagger, 1300 Lastkähne und 80 Flugzeuge im Wert von fast 800 Millionen Dollar zerstört. IBAMA-Chef Jair Schmitt nannte gegenüber AFP die Bekämpfung des organisierten Verbrechens als größte Herausforderung; die Banden Primeiro Comando da Capital und Comando Vermelho hätten sich im Amazonas ausgebreitet.
Die ANM teilte laut Reuters mit, die von Greenpeace beanstandeten Genehmigungen würden überprüft, verwies aber auf „logistische Herausforderungen“ angesichts tausender Lizenzen. Laut dem Escolhas-Institut, zitiert von AFP, förderte Brasilien 2025 rund 71 Tonnen Gold, vor allem für Kanada, die Schweiz und Großbritannien. Larissa Rodrigues vom Institut sagte AFP, Gold werde nun verstärkt über Guyana oder Venezuela geschmuggelt. Greenpeace-Sprecher Danicley Aguiar warnte laut Reuters: „Solange Gold mit Bergbaugenehmigungen gewaschen werden kann, wird sich die Aktivität im Amazonas ausweiten.“
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