Der abgesetzte CHP-Vorsitzende Özgür Özel hat am Samstag in Ankara nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Ankar Zehntausende Anhänger mobilisiert. Nach einer Rede vor seinen Unterstützern zog Özel in einem Marsch durch die türkische Hauptstadt. Die Demonstration richtete sich gegen ein Gerichtsurteil, das ihn vergangene Woche an der Spitze der Republikanischen Volkspartei (CHP) abgelöst hatte.
Das Berufungsgericht in Ankara hatte laut der Nachrichtenagentur Reuters am 21. Mai den Parteikongress der CHP aus dem Jahr 2023 für ungültig erklärt. Damit wurde der frühere Vorsitzende Kemal Kılıçdaroğlu wieder eingesetzt – jener Politiker, der im selben Jahr die Präsidentschaftswahl gegen Recep Tayyip Erdoğan verloren hatte. Kritiker sehen in dem Urteil laut Berichten der Nachrichtenagentur AP einen politisch motivierten Versuch, die Opposition zu schwächen.
Özel sprach laut AP im Güven-Park im Zentrum Ankaras und führte die Menge anschließend zum Mausoleum von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk. „Das ist keine interne Angelegenheit der CHP. Das ist eine Angelegenheit zwischen Erdoğan und der Nation“, zitiert AP den 51-Jährigen. Die private Nachrichtenagentur Anka sowie oppositionsnahe Medien bezifferten die Teilnehmerzahl auf mehrere Zehntausend.
Rivalisierende Versammlungen in Ankara
Parallel hielt Kılıçdaroğlu nach Angaben der türkischen Zeitung Hürriyet Daily News eine eigene Veranstaltung in der CHP-Zentrale ab – jenem Gebäude, das die Polizei am vergangenen Sonntag gestürmt hatte, um Özel und dessen Anhänger zu entfernen. Kılıçdaroğlu kündigte laut Reuters an, die Partei von Korruption zu reinigen, und verwies auf Ermittlungen in CHP-geführten Kommunen. Einen baldigen Parteitag stellte er in Aussicht, ohne ein Datum zu nennen.
Özel forderte laut Hürriyet Daily News eine Urabstimmung unter den rund zwei Millionen Parteimitgliedern. Die abgesetzte Führung weist die Korruptionsvorwürfe als politisch motiviert zurück, was die Regierung laut Reuters bestreitet.
An dem Protest nahm auch Ankaras Bürgermeister Mansur Yavaş teil, der als möglicher Präsidentschaftskandidat gilt, wie Reuters berichtet. Der inhaftierte Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu, seit März 2025 in Haft, wird laut AP weiterhin als aussichtsreichster Erdoğan-Herausforderer gehandelt. Bei den Kommunalwahlen 2024 hatte die CHP unter Özel der Regierungspartei AKP eine schwere Niederlage zugefügt. Die nächste reguläre Wahl steht 2028 an, vorgezogene Neuwahlen gelten laut AP als möglich.
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