Präsidentschaftswahl

Kolumbien-Wahl: Ecuadors Zoll-Geschenk an Oppositionskandidaten sorgt für Eklat

Ecuador streicht die Zölle gegen Kolumbien – nach Absprache mit einem Oppositionskandidaten und einen Tag vor der Wahl. Bogotá wirft Präsident Noboa Einmischung vor.

Lea Brüggemann
Lea Brüggemann
3 Min
Die Regierung in Kolumbien wirft dem ecuadorianischen Präsidenten Daniel Noboa Einmischung in den Wahlkampf des Landes vor.

Die Regierung in Kolumbien wirft dem ecuadorianischen Präsidenten Daniel Noboa Einmischung in den Wahlkampf des Landes vor.

© Lenin Nolly/imago

Einen Tag vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Kolumbien am Sonntag hat die Regierung in Bogotá Ecuadors Staatschef Daniel Noboa eine „bewusste Einmischung“ in den Wahlkampf vorgeworfen. Auslöser ist die Ankündigung Noboas vom Freitag, ab dem 1. Juni die bilateralen Zölle auf kolumbianische Importe abzuschaffen. Zuvor hatte er ein Gespräch mit dem rechtsgerichteten Präsidentschaftskandidaten Abelardo de la Espriella geführt. Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters und die Tageszeitung La Tercera übereinstimmend.

Noboa erklärte auf X, der Schritt erfolge, nachdem De la Espriella seine Bereitschaft zu einem „echten und gemeinsamen Kampf gegen den Narkoterrorismus“ bestätigt habe. Zudem habe man sich auf die Auslieferung ecuadorianischer Krimineller geeinigt, die sich in Kolumbien aufhalten.

Das kolumbianische Außenministerium wies die „irreführende Darstellung“ der Zollaufhebung als Geste guten Willens zurück. Tatsächlich gehe der Schritt, wie die chilenische Tageszeitung La Tercera berichtet, auf eine Anordnung der Andengemeinschaft (CAN) zurück, die beiden Ländern die Abschaffung der gegenseitigen Abgaben wegen Verstoßes gegen den freien Regionalhandel auferlegt habe. Noboas Äußerungen verletzten das Prinzip der Nichteinmischung und die Souveränität Kolumbiens, hieß es in der Mitteilung. Bogotá kündigte gleichzeitig an, die als Reaktion auf die ecuadorianischen Zölle ergriffenen Maßnahmen ebenfalls zurückzunehmen.

Handelskonflikt und Sicherheitslage belasten Wahlkampf

Der Handelsstreit schwelt seit Januar. Noboa hatte damals eine Sicherheitsabgabe auf kolumbianische Importe verhängt und mangelnde Grenzkontrollen sowie ein Handelsdefizit von rund einer Milliarde US-Dollar als Begründung angeführt. Die Abgabe stieg laut La Tercera schrittweise von 30 auf 100 Prozent. Die Regierung von Präsident Gustavo Petro reagierte mit Zöllen von bis zu 75 Prozent auf ecuadorianische Waren und einem Stopp der Stromlieferungen. Hintergrund ist der Vorwurf Ecuadors, Kolumbien gehe an der 586 Kilometer langen gemeinsamen Grenze zu wenig gegen Drogenhandel vor – was Petro zurückweist.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Bei der Wahl am Sonntag tritt De la Espriella unter anderem gegen den Petro-Verbündeten Iván Cepeda und die rechte Senatorin Paloma Valencia an. Laut der Nachrichtenagentur AFP gilt der linke Senator Cepeda als aussichtsreichster Kandidat; Meinungsforscher rechnen mit einer Stichwahl in drei Wochen. Eine Entscheidung im ersten Wahlgang erfordert mehr als die Hälfte der Stimmen. Ob Noboa die Zollaufhebung auch bei einem Sieg Cepedas aufrechterhält, ließ er offen.

Überschattet wird die Abstimmung von zunehmender Gewalt. Während Petros vierjähriger Amtszeit sank zwar die Arbeitslosigkeit und der Mindestlohn stieg um 75 Prozent, doch trotz Verhandlungen mit Guerilla- und paramilitärischen Gruppen verschlechterte sich die Sicherheitslage. Das Büro Noboas äußerte sich laut Reuters zunächst nicht zu den Vorwürfen aus Bogotá.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner