Sperrmauer

Westjordanland: Palästinenser an Sperranlage bei Jerusalem durch Schüsse getötet

Ein 26-jähriger Palästinenser ist beim Versuch, die Sperranlage Richtung Israel zu überqueren, getötet worden. Die Wirtschaftskrise treibt viele zu riskanten Übertritten.

Lea Brüggemann
Lea Brüggemann
3 Min
Die Sperranlage trennt das Westjordanland von Ost-Jerusalem.

Die Sperranlage trennt das Westjordanland von Ost-Jerusalem.

© Ohad Zwigenberg/dpa

Israelische Sicherheitskräfte haben am Sonntag einen 26-jährigen Palästinenser erschossen, der die Sperranlage zwischen dem besetzten Westjordanland und Jerusalem Richtung Israel überqueren wollte. Wie das palästinensische Gesundheitsministerium laut Nachrichtenagentur AP mitteilte, wurde der Mann aus dem Dorf Salem östlich von Nablus in der Ortschaft Al-Ram in den Oberschenkel getroffen. Im Palästinensischen Medizinischen Komplex in Ramallah erlag er seinen Verletzungen.

Nach Angaben palästinensischer Behörden, zitiert vom Nachrichtenportal Palestine Chronicle, durchschlug die scharfe Munition eine Hauptschlagader. Im Internet kursierende Aufnahmen sollen den Moment der Schüsse sowie die Bergung des Verletzten zeigen, der über eine an die Mauer gelehnte Leiter heruntergetragen wurde. Die israelische Polizei reagierte laut AP zunächst nicht auf Anfragen.

Sein Verwandter Nasser Ishtayeh schilderte gegenüber AP, der Getötete habe zuvor in seinem Heimatdorf einen Geflügelschlachtbetrieb geführt und seinen kranken Vater finanziell unterstützt. Aufgrund der Wirtschaftskrise im Westjordanland habe er sich entschlossen, in Israel nach Arbeit zu suchen. Ein erster Versuch am Samstag sei wegen verschärfter Kontrollen gescheitert. Nach einer Nacht mit anderen wartenden Palästinensern habe er am Sonntagmorgen erneut versucht, die Anlage zu überqueren, und sei dabei erschossen worden.

Wirtschaftskrise treibt Palästinenser an die Mauer

Laut dem Allgemeinen Verband Palästinensischer Gewerkschaften, auf den sich sowohl AP als auch Palestine Chronicle berufen, wurden seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 rund 50 palästinensische Arbeiter von israelischen Kräften getötet und mehr als 38.000 festgenommen. Etwa 250.000 Beschäftigte hätten den Zugang zu ihren Arbeitsstätten verloren, nachdem die zuvor erteilten Arbeitsgenehmigungen nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 stark eingeschränkt worden seien.

Bereits am 13. Mai war laut AP ein 44-jährige vierfache Vater aus Deir Qadis an derselben Stelle in Al-Ram beim Überklettern der Mauer erschossen worden. Sein Bruder Khalid sagte AP, Qatusa habe in Israel arbeiten wollen, weil es keine andere Möglichkeit gegeben habe, seine Familie zu versorgen.

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Die rund 202 Kilometer lange Sperranlage rund um Jerusalem besteht überwiegend aus Beton, Zäunen und Stacheldraht. Israel begründet sie mit Sicherheitsinteressen. Der Internationale Gerichtshof erklärte sie 2004 in einem Rechtsgutachten für völkerrechtswidrig, da sie auf besetztem palästinensischem Gebiet errichtet wurde. Laut UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) wurden bis zum 11. Mai dieses Jahres mindestens 47 Palästinenser im Westjordanland durch israelische Kräfte oder Siedler getötet.

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