Die Ölpreise sind am Montag im frühen Handel um mehr als zwei Prozent gestiegen, nachdem Israel seine Bodenoperation gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah im Libanon ausgeweitet hat. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Die US-Sorte WTI legte demnach um 2,37 Dollar oder 2,71 Prozent auf 89,73 Dollar je Barrel zu, die Nordseesorte Brent stieg um 2,16 Dollar oder 2,37 Prozent auf 93,28 Dollar je Barrel. Stand der Notierungen war 00:28 Uhr UTC.
Neben der Lage im Libanon nannte der Analyst Tony Sycamore in einer von Reuters zitierten Notiz auch Sorgen über Seeminen in der Straße von Hormus. Eine Wiederöffnung der wichtigen Route für Öl- und Gastransporte könne sich dadurch verzögern, und eine Entlastung des Ölmarkts könnte langsamer kommen.
Vorstoß in den Südlibanon
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ordnete laut Reuters am Sonntag an, die Truppen tiefer in den Libanon vorrücken zu lassen, obwohl Mitte April eine Waffenruhe vereinbart worden war. Die israelische Armee nahm nach eigenen Angaben die rund 900 Jahre alte Beaufort-Festung sowie einen strategischen Höhenzug im Süden des Landes ein. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte laut Reuters, die Soldaten würden den Standort als Teil einer israelischen Sicherheitszone halten.
Während des Libanonkriegs 1982 hatten israelische Eliteeinheiten die Festung nach heftigen Kämpfen gegen Kämpfer der Palästinensischen Befreiungsorganisation erobert. Bis zum Rückzug aus dem Südlibanon im Jahr 2000 nutzte Israel den Standort als Militärstützpunkt.
Reuters zufolge dämpfte die Ausweitung der Kämpfe Erwartungen, dass die USA und der Iran ihre im April vereinbarte Waffenruhe zeitnah verlängern könnten. Diese Erwartung hatte Brent und WTI am Freitag um 1,8 beziehungsweise 1,7 Prozent fallen lassen. Die verschärften Kampfhandlungen folgten unmittelbar auf Gespräche in Washington, bei denen das US-Militär am Freitag Vertreter Israels und des Libanon zu einem von den USA vermittelten Plan zur Befriedung und zur Entwaffnung der Hisbollah empfangen hatte.
US-Vorschlag für schrittweise Entspannung
Parallel dazu legte US-Außenminister Marco Rubio nach Angaben eines US-Regierungsvertreters gegenüber Reuters einen Vorschlag für eine schrittweise Entspannung vor. In einem ersten Schritt solle die Hisbollah alle Angriffe auf Israel einstellen, im Gegenzug solle Israel auf eine Eskalation in Beirut verzichten.
Reuters zufolge habe der libanesische Präsident Joseph Aoun versucht, den US-Vorschlag voranzubringen. Parlamentspräsident Nabih Berri sehe hingegen Israel in der Verantwortung für eine Waffenruhe. Ein Vertreter der US-Regierung erklärte laut Reuters, Washington erwarte nicht, dass Israel anhaltende Angriffe der Hisbollah auf Zivilisten hinnehme.
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