Eine 100-Milliliter-Flasche Sake, die unter simulierten Mondschwerkraftbedingungen auf der Internationalen Raumstation ISS gebraut wurde, ist für 110 Millionen Yen verkauft worden, umgerechnet rund 638.000 Euro. Hinter dem Projekt stehen die japanische Sake-Brauerei Dassai und der Industriekonzern Mitsubishi Heavy Industries.
Nach Angaben der beiden Unternehmen handelt es sich um den ersten Sake, der unter Bedingungen hergestellt wurde, die etwa einem Sechstel der Erdanziehungskraft entsprechen – also der Schwerkraft auf dem Mond. Die Erlöse aus dem Verkauf sollen vollständig an die japanische Raumfahrtentwicklung gespendet werden. Zur Identität des Käufers machten die Beteiligten keine Angaben.
Brauanlage flog mit H3-Rakete zur ISS
Die Grundidee für das sogenannte „Dassai Moon Project“ entstand laut Mitsubishi Heavy Industries bereits 2021, gestartet wurde das Vorhaben 2024. Ziel ist es, zu untersuchen, ob sich Sake künftig auch für menschliche Siedlungen auf dem Mond produzieren lässt.
Die eigens entwickelte Brauanlage wurde im Oktober 2025 zusammen mit den Rohstoffen an Bord der siebten H3-Rakete und des Versorgungsraumschiffs HTV-X zur ISS transportiert. Der Brauversuch selbst fand zwischen November und Dezember 2025 im japanischen Experimentmodul „Kibo“ statt. Verantwortlich war der japanische Astronaut Kimiya Yui. Die Anlage mischte die Zutaten automatisch und überwachte während der rund zweiwöchigen Gärung Temperatur und Alkoholgehalt per Sensoren.
Das dabei entstandene Moromi – die ungefilterte Maische für die Sake-Herstellung – wurde im März 2026 zur Erde zurückgebracht. Aus etwa 260 Gramm Moromi gewannen die Projektpartner insgesamt 116 Milliliter Sake, von denen 100 Milliliter in eine Titanflasche abgefüllt wurden. Genau diese Flasche wechselte nun für 110 Millionen Yen den Besitzer.
Gärung verlief unter Mondschwerkraft langsamer
Die nach der Rückkehr durchgeführte Analyse ergab einen Alkoholgehalt von zwölf Prozent. Sake lasse sich auch unter Mondschwerkraft mit einem ähnlichen Verfahren herstellen wie auf der Erde, teilen die Unternehmen mit. Allerdings verlief die Gärung langsamer als unter normalen Bedingungen, was nach Einschätzung der Beteiligten darauf hindeutet, dass die Schwerkraft den Fermentationsprozess beeinflussen kann.
Der Transport diente zugleich als Praxistest für neue japanische Raumfahrttechnik: HTV-X ist Japans neues Versorgungsraumschiff für die ISS und soll die bisherigen HTV-Frachter ablösen, die H3-Rakete zählt zu den wichtigsten neuen Trägersystemen des Landes.
Mit dem Verkauf der Flasche ist das Projekt nicht abgeschlossen. Dassai und Mitsubishi Heavy Industries wollen die bei der Herstellung angefallenen Sakereste gemeinsam mit der Tohoku University weiter untersuchen. Im Fokus steht dabei die Frage, wie sich Hefe während eines Aufenthalts im Weltraum verändert. Die gewonnenen Daten könnten auch für andere Fermentationsprozesse genutzt werden und Erkenntnisse für die Lebensmittelherstellung bei künftigen Weltraummissionen liefern.
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