Erstmals beteiligt sich die Unimedizin Greifswald an einer Mission im Weltraum. An Bord der ersten kommerziell betriebenen Raumstation HAVEN-1 sollen 2027 Experimente zur Knochenbildung in der Schwerelosigkeit stattfinden.
Wie die Universität Greifswald mitteilte, untersucht ein Forschungsteam der Unimedizin gemeinsam mit der Hochschule Stralsund, wie sich die Kommunikation von Knochenzellen unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit verändert. „Das ist Hightech!“, sagte Karlhans Endlich, wissenschaftlicher Vorstand der Unimedizin Greifswald. „Ohne jede Übertreibung ist dies ein Meilenstein für die Unimedizin und für Vorpommern. Mit der Teilnahme an der ersten Mission auf der HAVEN-1 sind wir nun echte Weltraumpioniere.“
Astronauten verlieren während längerer Aufenthalte im All erhebliche Mengen an Knochenmasse. Hintergrund ist das sogenannte Mechanostat-Prinzip: Knochenzellen bauen bei Belastung neue Masse auf, bei fehlender Belastung setzt ein Abbau ein. Untersucht werden zwei Zelltypen – Osteozyten als Sensoren für Belastung und Osteoblasten, die neuen Knochen bilden.
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Parallel finden Tests am DZLR statt
„Unser Ziel ist es, zu entschlüsseln, wie in der Schwerelosigkeit Störungen der zellulären Kommunikation entstehen, welche dann trotz intensiver Trainingsprogramme im All in Knochenabbau enden“, sagte Projektkoordinator Frank Schulze von der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin. „Dazu erstellen wir durch die Kombination von 3D-Bioprinting und künstlicher Gewebezüchtung biologische Modelle. So schlagen wir die Brücke zwischen innovativer Raumfahrtforschung und klinischer Anwendung.“ Im Endeffekt gehe es darum, neue Erkenntnisse für Astronauten sowie für Menschen mit Osteoporose zu gewinnen.
Verwendet wird Material der Cells+ Tissuebank Austria sowie Zellen von Patienten der Unimedizin Greifswald, die einer Forschungsnutzung zugestimmt haben. „Unsere Patienten machen die Forschung im Weltraum also erst möglich“, sagte Georgi Wassilew, Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin.
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Parallel zu den Versuchen im All sollen Vergleichstests im Micro Gravity Research Lab des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln laufen, in dem es möglich ist, Zellkulturen und Organismen unter veränderten Schwerkraftbedingungen zu halten und zu untersuchen. Die Hochschule Stralsund steuert ingenieurwissenschaftliche Expertise bei. „Ingenieurwissenschaftliches Know-how wird im Gesundheitssektor immer relevanter, deswegen gehen wir bewusst und sehr gern in solche interdisziplinären Projekte“, sagte Sven Klimaschewski, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Maschinenbau der Hochschule Stralsund.
Das Greifswalder Projekt setzte sich nach Angaben der Universität in einem zweistufigen Auswahlverfahren der European Space Agency (ESA) und der deutschen Firma YURI GmbH gegen 18 weitere Bewerber durch. Qualifiziert hat sich zudem ein Projekt der Technischen Universität Dresden. YURI ist ein deutsches Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, Experimente im Weltall als Dienstleistung anzubieten und die benötigte Infrastruktur sowie die Logistik eines solchen Experiments zur Verfügung zu stellen. Dazu zählt zum Beispiel ein Inkubator im Erdorbit.
„Wir ziehen nun alle an einem Strang“, sagte Schulze. „Der Weltraum ist die lebensfeindlichste Umgebung, die es gibt. Es geht nur miteinander, und ich bin froh, dass alle Projektpartner so gut und professionell miteinander arbeiten.“
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