Rohstoffe

Nervöser Handel: Ölmarkt wartet auf Bewegung bei Gesprächen mit Iran

Rohöl bleibt teuer, solange die Passage durch Hormus unsicher ist. Jede neue Äußerung aus Washington oder Teheran kann die Preise bewegen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Energieintensive Industrie: Höhere Rohstoff- und Energiekosten schlagen sich in steigenden Verkaufspreisen nieder.

Energieintensive Industrie: Höhere Rohstoff- und Energiekosten schlagen sich in steigenden Verkaufspreisen nieder.

© imago stock&people

Die Ölpreise haben am Dienstag den Großteil ihrer kräftigen Gewinne vom Vortag behauptet. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent im frühen Handel 95,04 US-Dollar und damit sechs Cent mehr als zum Vortagesschluss. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) gab dagegen um 17 Cent auf 91,99 Dollar nach. Beide Referenzsorten waren am Vortag um mehr als fünf Prozent gestiegen.

Hintergrund der Bewegung sind nach Reuters-Angaben widersprüchliche Aussagen zu den indirekten Gesprächen zwischen den USA und dem Iran sowie die Frage, ob die für den weltweiten Ölhandel zentrale Straße von Hormus wieder für die Schifffahrt geöffnet wird.

Trump und Teheran senden gegenläufige Signale

US-Präsident Donald Trump erklärte am Montag laut Reuters, die Gespräche mit dem Iran liefen weiter. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldete dagegen, Teheran habe die indirekten Verhandlungen mit Washington ausgesetzt. Trump sagte demnach, er sei über eine solche Aussetzung nicht informiert worden. In einem Interview mit dem Sender CNBC äußerte er zudem, es störe ihn nicht, falls die Gespräche beendet seien.

Kurz darauf verbreitete Trump nach Reuters-Angaben über soziale Medien, die Gespräche mit dem Iran würden fortgesetzt. Gegenüber dem Sender ABC News sagte er, er erwarte im Lauf der kommenden Woche eine Vereinbarung, die die Waffenruhe verlängere und die Straße von Hormus wieder öffne.

Markt reagiert auf jede Schlagzeile

Tim Waterer, Chef-Marktanalyst beim Brokerhaus KCM Trade, sagte Reuters, der Markt achte derzeit vor allem auf konkrete Fortschritte oder Rückschläge in den Verhandlungen, auf den Ton beider Seiten – insbesondere auf iranische Drohungen mit Blick auf die Straße von Hormus – sowie auf die tatsächlichen Tankerbewegungen durch die Meerenge. Der Stand der Gespräche werde letztlich darüber entscheiden, ob der Risikoaufschlag bei den Ölpreisen bestehen bleibe oder sich auflöse.

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Tony Sycamore, Analyst beim Brokerhaus IG, sagte Reuters, die Preise dürften so lange schwankungsanfällig bleiben, bis es klare Belege für Fortschritte bei einem Friedensabkommen gebe. Der Libanon kündigte am Montag laut Reuters eine teilweise Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel an.

Der Krieg begann am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran. Der Iran reagierte mit Attacken auf Israel, US-Stützpunkte und Golfstaaten. Zugleich wurde eine neue Front im Libanon eröffnet. Der Konflikt hat bereits Tausende Todesopfer gefordert. Seit dem 8. April gilt zwischen den USA und dem Iran eine brüchige Waffenruhe.

US-Exporte auf Rekordhoch

Die US-Rohölausfuhren stiegen im Mai laut Schiffsverfolgungsdaten auf einen Höchststand von 5,6 Millionen Barrel pro Tag, weil asiatische und europäische Raffinerien verstärkt US-Öl nachfragten. Eine vorläufige Reuters-Umfrage geht zudem davon aus, dass die US-Rohölbestände in der Woche zum 29. Mai um rund 3,6 Millionen Barrel gesunken sind.

Reedereivertreter forderten bei einem Treffen in Athen laut Reuters klare Regeln, damit Schiffe nach einem möglichen Abkommen zwischen den USA und dem Iran wieder regulär durch die Straße von Hormus fahren könnten.

Der Iran hat seit Kriegsbeginn nahezu die gesamte nicht-iranische Schifffahrt in und aus dem Persischen Golf zum Erliegen gebracht. Rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgas-Ströme ist damit unterbrochen.

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