Internationale Hotelketten beenden ihre Zusammenarbeit mit dem kubanischen Militärkonzern Grupo de Administración Empresarial S.A. (Gaesa), nachdem die US-Regierung neue Sanktionen angedroht hat. Laut der Nachrichtenagentur dpa stuft die sozialistische Regierung Kubas die Maßnahmen aus Washington als die bisher „größte, übermäßigste und gefährlichste Eskalation“ der Spannungen mit den Vereinigten Staaten ein.
Die spanische Iberostar Group hat nach Angaben von Bloomberg und der kubanischen Online-Zeitung 14ymedio zum 1. Juni die Verwaltung von zwölf Hotels aufgegeben, die zur Gaesa-Tochter Gaviota gehören. Betroffen sind unter anderem das Hotel Grand Packard in Havanna und der jüngst eröffnete Wolkenkratzer Torre K mit 42 Stockwerken, der als höchstes Gebäude Kubas gilt. Iberostar selbst bestätigte den Schritt laut dpa zwar, sprach jedoch lediglich von einer „kritischen und komplexen“ Lage.
Bekannt gemacht wurde der Rückzug über den argentinischen Reiseveranstalter Sudaméria, der in seinem Unternehmensblog von einer „Anpassung an das internationale regulatorische Umfeld“ sprach.
USA fordern Ende aller Gaesa-Geschäfte bis 5. Juni
Bereits am vergangenen Samstag hatte die kanadische Royalton Hotels & Resorts Ltd., zuvor unter dem Namen Blue Diamond Resorts bekannt, ihre Aktivitäten auf der Insel eingestellt. Das Unternehmen betrieb laut Bloomberg 62 Hotels unter zehn Marken in Kuba, ohne selbst Eigentümer der Immobilien zu sein. Die Montrealer PR-Agentur Duval Communication führte die Schließung auf reduzierte Flugverbindungen, betriebliche Schwierigkeiten und sich verschlechternde Bedingungen zurück.
Hintergrund ist eine von US-Präsident Donald Trump am 1. Mai 2026 unterzeichnete Anordnung. Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) setzte ausländischen Unternehmen eine Frist bis zum 5. Juni, um ihre Geschäfte mit Gaesa zu beenden, andernfalls drohen Sanktionen. Direkt belegt wurden laut Havana Times auch Gaesa-Präsidentin Ania Guillermina Lastres sowie das Unternehmen Moa Nickel S.A.
Der Konzern Gaesa kontrolliert nach Schätzungen laut dpa mindestens 40 Prozent der kubanischen Wirtschaft. El País berichtet, dass die Holding über ihre Hoteltochter Gaviota mindestens 120 Hotels besitzt, von denen 62 von spanischen Ketten geführt werden – allen voran Meliá mit 33 und Iberostar mit 18 Häusern. Meliá habe derzeit etwa die Hälfte seiner Hotels wegen fehlender Nachfrage geschlossen.
Havanna kritisiert US-Sanktionen scharf
Havanna kritisierte die US-Maßnahmen laut dpa scharf. Ziel sei es, das Land „diplomatisch, wirtschaftlich, finanziell und im Energiebereich zu isolieren“. Gaesa habe seit den 1990er-Jahren angesichts des „Wirtschaftskriegs“ der USA mit Investitionen in Infrastruktur und Sozialprojekte zum Wohl der Bevölkerung beigetragen.
Die Tourismusbranche, die laut El País im vergangenen Jahr rund 50 Prozent des kubanischen Bruttoinlandsprodukts ausmachte, hat sich seit der Corona-Pandemie nicht erholt. Verschärft wird die Lage durch US-Sanktionen gegen Öllieferungen, Stromausfälle und den Rückzug zahlreicher Fluggesellschaften wegen Treibstoffmangels, wie dpa berichtet.
Emilio Morales vom Havana Consulting Group in Miami sagte gegenüber El País, Gaesa habe sich „von einem sozialistischen Staat in einen Mafia-Staat“ verwandelt. Geschäftsquellen mit Nähe zur kubanischen Regierung vermuten laut El País, Washington wolle die spanischen Betreiber verdrängen, um US-Ketten wie Marriott, Hilton oder Hyatt den Markteintritt zu ermöglichen.
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