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Ukraine-Krieg

Vor russischem Wirtschaftsforum: Angriff der Ukraine auf Sankt Petersburg – Rauch über der Stadt

Zum Auftakt des russischen Wirtschaftsforums greift die Ukraine Ziele bis nach Sankt Petersburg an. Russland macht Kiew zugleich für einen Busangriff mit sieben Toten verantwortlich.

6 Min
Rauch steigt am Mittwoch nach einem Drohnenangriff über St. Petersburg auf.

Rauch steigt am Mittwoch nach einem Drohnenangriff über St. Petersburg auf.

© Ali Cura/imago

Rauch über Sankt Petersburg, Flugausfälle am Flughafen Pulkowo und Angriffe auf Energie- und Rüstungsanlagen: Die Ukraine hat in der Nacht zum Mittwoch mehrere Ziele tief im russischen Hinterland attackiert. Die Angriffe fielen mit dem Beginn des Internationalen Wirtschaftsforums von Sankt Petersburg (SPIEF) zusammen, Russlands wichtigster Wirtschafts- und Investorenkonferenz. Der Kreml kündigte „Reaktionen“ auf die Angriffe an.

Gleichzeitig meldeten russische Behörden sieben Tote bei einem Angriff auf einen Reisebus in der von Russland kontrollierten Region Donezk. Der Drohnenangriff auf den Bus ereignete sich nach Angaben von Denis Puschilin, dem von Moskau eingesetzten Verwaltungschef der Region Donezk, nahe der Stadt Jenakijewo. Das Fahrzeug war demnach auf der Strecke zwischen Moskau und Simferopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim unterwegs. Sieben Menschen seien getötet und elf weitere verletzt worden. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben lag zunächst nicht vor.

Auch auf ukrainischer Seite wurden erneut zivile Opfer gemeldet. Der Chef der Militärverwaltung von Cherson, Jaroslaw Schanko, erklärte, eine 86 Jahre alte Frau sei bei einem russischen Drohnenangriff getötet worden.

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Rauch über Sankt Petersburg

Besondere Aufmerksamkeit erregten die Angriffe auf die Region um Sankt Petersburg. Der Gouverneur der Stadt, Alexander Beglow, bestätigte später einen Angriff auf Infrastrukturanlagen. „Es sind einige Objekte beschädigt worden. Momentan läuft die Beseitigung der Folgen“, schrieb er bei Telegram. Mehrere Menschen seien verletzt worden, Todesopfer habe es jedoch nicht gegeben.

Der Gouverneur des Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, erklärte, die Luftabwehr habe in der Nacht mehr als 50 Drohnen abgefangen. Dennoch gab es an mehreren Orten Einschläge. Der Flughafen Pulkowo schränkte den Betrieb zeitweise ein. Russische Medien berichteten über zahlreiche Verspätungen und Umleitungen. Reporter der Berliner Zeitung meldeten immer wieder Probleme mit dem Internet.

In weiten Teilen der Millionenstadt waren Rauchschwaden zu sehen. In sozialen Netzwerken verbreiteten sich Aufnahmen von einfliegenden Drohnen, Explosionen im Hafenbereich und einer schwarzen Rauchsäule über der Stadt. Das ukrainische Nachrichtenportal Kyiv Independent berichtete unter Berufung auf Augenzeugen und ausgewertete Videoaufnahmen von Explosionen und Bränden am Ölterminal von Sankt Petersburg. Auch der russische Telegram-Kanal Astra kam nach der Auswertung von Bildmaterial zu dem Schluss, dass die Anlage getroffen worden sei.

Der Kreml kündigte an, auf den Drohnenangriff von St. Petersburg zu reagieren. „Unsere Reaktionen werden systemischer Natur sein“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Er verteidigte zudem die Fortsetzung des russischen Krieges gegen die Ukraine. „Allgemein kann ich sagen, dass wir die militärische Spezialoperation auch deswegen fortführen, damit es solche Schläge nicht gibt“, sagte Peskow russischen Nachrichtenagenturen zufolge. Auf die Frage nach einem möglichen Vergeltungsschlag verwies Peskow auf das Verteidigungsministerium.

Schwarzer Rauch steigt über Sankt Petersburg auf. Die Ukraine soll zum Auftakt von Putins Wirtschaftsforum Ziele in der Stadt angegriffen haben.

Schwarzer Rauch steigt über Sankt Petersburg auf. Die Ukraine soll zum Auftakt von Putins Wirtschaftsforum Ziele in der Stadt angegriffen haben.

© Ali Cura/imago

Ölterminal, Kronstadt und Waffenfabrik als Ziele

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Angriffe später auf der Plattform X. Getroffen worden seien „wichtige Einrichtungen auf russischem Territorium“. Genannt wurden ein Ölterminal in Sankt Petersburg, militärische Ziele auf dem Marinestützpunkt Kronstadt sowie ein Betrieb der russischen Rüstungsindustrie in der Region Tambow.

„Das Petersburger Ölterminal“ liege rund 1100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, schrieb Selenskyj. Zudem seien „rein militärische Ziele“ auf dem Stützpunkt Kronstadt getroffen worden. Er sprach von einem „guten Resultat“ gemeinsamer Operationen von Drohneneinheiten, Spezialkräften und Geheimdiensten.

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs wurden in Kronstadt möglicherweise Schiffe und Infrastruktur des Marinestützpunkts getroffen. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor. Der Chef der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, behauptete zudem, die Korvette „Bojki“ der russischen Ostseeflotte sei in Brand geraten. Auf seinem Telegram-Kanal veröffentlichte er laut eigenen Aussagen ein Video vom Anflug der Drohne. Auch diese Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Kronstadt liegt auf einer Insel westlich von Sankt Petersburg und beherbergt wichtige Einrichtungen der russischen Ostseeflotte.

Das mutmaßlich getroffene Ölterminal befindet sich nur wenige Kilometer vom Gelände des Internationalen Wirtschaftsforums entfernt. Die Anlage gilt als einer der wichtigsten Umschlagplätze für Ölprodukte im Nordwesten Russlands. Nach Angaben ukrainischer Streitkräfte verfügt sie über eine Jahreskapazität von rund 12,5 Millionen Tonnen.

Ausgebrannter Reisebus in Jenakijewo. Russische Behörden machen einen ukrainischen Drohnenangriff für den Tod von sieben Menschen verantwortlich.

Ausgebrannter Reisebus in Jenakijewo. Russische Behörden machen einen ukrainischen Drohnenangriff für den Tod von sieben Menschen verantwortlich.

© Dmitry Yagodkin/imago

Die Angriffe erfolgten wenige Stunden vor Beginn des Internationalen Wirtschaftsforums von Sankt Petersburg. Die dreitägige Veranstaltung gilt als wichtigste Wirtschafts- und Investorenkonferenz Russlands. Nach Angaben der Organisatoren werden Teilnehmer aus mehr als 130 Staaten und Territorien erwartet.

Präsident Wladimir Putin nutzt das Forum regelmäßig, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Russlands trotz westlicher Sanktionen zu demonstrieren und internationale Partner zu präsentieren. Erwartet werden unter anderem Vertreter aus Asien, Afrika, dem Nahen Osten und Lateinamerika.

Der Angriff auf die Region sorgte auch in den Nachbarstaaten für erhöhte Aufmerksamkeit. Medienberichten zufolge wurde in Finnland sowie in den Nato-Staaten Estland und Lettland zeitweise Luftalarm ausgelöst. Finnlands Verteidigungsminister Antti Häkkänen erklärte der Zeitung Iltalehti, die finnische Luftwaffe habe Kampfjets zur Überwachung des Luftraums aufsteigen lassen. Ukrainische Drohnen seien jedoch nicht in den finnischen Luftraum eingedrungen.

Russland und Ukraine überziehen sich mit Luftangriffen

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht seien insgesamt 354 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und der annektierten Krim abgefangen worden. Betroffen gewesen seien unter anderem die Regionen Belgorod, Kursk, Smolensk und Leningrad sowie das Gebiet um Moskau.

Trotz der Luftabwehr wurden aus mehreren Regionen Schäden gemeldet. In der westrussischen Region Smolensk kamen nach Angaben von Gouverneur Wassili Anochin zwei Mitarbeiter des Katastrophenschutzes ums Leben, als sie einen durch Drohnentrümmer ausgelösten Brand bekämpften. Zwei weitere Einsatzkräfte sowie ein Zivilist seien verletzt worden.

Die ukrainischen Angriffe folgten auf einen der schwersten russischen Luftangriffe der vergangenen Monate. Nach ukrainischen Angaben setzte Russland in der Nacht zum Dienstag mehr als 700 Drohnen und Raketen gegen Ziele im ganzen Land ein. Dabei wurden mindestens 23 Menschen getötet und mehr als 100 weitere verletzt. Besonders betroffen waren Kiew und die Großstadt Dnipro.

Moskau bezeichnete die Angriffe als Reaktion auf frühere ukrainische Attacken. Kremlsprecher Dmitri Peskow kündigte laut russischen Medien an, die „systematischen Schläge“ würden fortgesetzt.

Die Gespräche über eine mögliche Waffenruhe liegen derweil weiterhin auf Eis. Während Russland seine Luftangriffe auf ukrainische Städte ausweitet, nimmt die Ukraine zunehmend Energieanlagen, Militärstützpunkte und Rüstungsbetriebe tief im russischen Hinterland ins Visier.

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