Israel soll während des Krieges gegen den Iran geheime Militär- und Geheimdienstkräfte in Aserbaidschan stationiert haben. Das berichtet der US-Sender CNN unter Berufung auf vier mit den Vorgängen vertraute Personen. Demnach operierten israelische Eliteeinheiten und Mitarbeiter des Auslandsgeheimdienstes Mossad von mehreren Standorten nahe der iranischen Grenze aus.
Die Kräfte sollen sich demnach im Süden Aserbaidschans aufgehalten haben, nur rund 100 Kilometer von der nordiranischen Millionenstadt Tabris entfernt. Von dort aus hätten sie Aufklärungsmissionen durchgeführt, Drohnen eingesetzt und Informationen über iranische Truppenbewegungen gesammelt. CNN zufolge waren auch Angehörige israelischer Spezialkommandos sowie der Elite-Rettungseinheit der Streitkräfte beteiligt.
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Nach Darstellung der CNN-Quellen waren die Standorte in Aserbaidschan Teil eines größeren Netzes geheimer israelischer Positionen im Nahen Osten. Weitere Einrichtungen soll Israel dem Bericht zufolge im Irak, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Somaliland unterhalten haben. Ursprünglich seien die Truppen als mögliche Rettungsteams für abgeschossene Piloten vorgesehen gewesen. Im Verlauf des Krieges hätten sich die Aufgaben jedoch ausgeweitet. Die Stützpunkte hätten Israel ermöglicht, den Iran von Norden, Westen und Süden aus zu überwachen und militärische Operationen tief im Landesinneren zu unterstützen.
CNN berichtet zudem, dass Vorbereitungen für die Operationen bereits Monate vor Kriegsbeginn begonnen hätten. Demnach sollen israelische Kräfte entlang der aserbaidschanisch-iranischen Grenze Abhörtechnik und weitere Aufklärungssysteme installiert haben.
Aserbaidschan weist Bericht zurück
Die Regierung in Baku reagierte umgehend auf den Bericht. Ein Sprecher der aserbaidschanischen Botschaft in Washington erklärte gegenüber CNN, man weise „unbegründete Behauptungen“ über die Nutzung aserbaidschanischen Territoriums für Operationen gegen Drittstaaten entschieden zurück.
Eine Stellungnahme der israelischen Regierung lag zunächst nicht vor. CNN zufolge reagierten weder das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch die israelischen Streitkräfte auf entsprechende Anfragen.
Warum die Vorwürfe für Baku heikel sind
Sollten sich die Angaben bestätigen, wäre dies für Aserbaidschan politisch äußerst sensibel. Das Land teilt eine lange Grenze mit dem Iran und versucht seit Jahren, ein Gleichgewicht zwischen seiner strategischen Partnerschaft mit Israel und dem schwierigen Verhältnis zu Teheran zu halten.
Israel und Aserbaidschan arbeiten seit Langem eng zusammen. Baku liefert einen erheblichen Teil des in Israel verbrauchten Erdöls. Im Gegenzug zählt Aserbaidschan zu den wichtigsten Abnehmern israelischer Waffen- und Sicherheitstechnologie. Bereits in den Konflikten um Bergkarabach spielten israelische Drohnen und Präzisionswaffen eine wichtige Rolle für die aserbaidschanischen Streitkräfte.
Für den Iran gelten die Beziehungen zwischen Baku und Jerusalem seit Jahren als Sicherheitsrisiko. Teheran hat Aserbaidschan wiederholt vorgeworfen, israelischen Geheimdiensten Zugang zur Nordgrenze des Iran zu verschaffen.
Gefahr neuer Spannungen mit Teheran
Besonders brisant ist die Frage, ob die aserbaidschanische Führung von den angeblichen Operationen wusste. CNN macht hierzu keine Angaben. Sollte Baku die Aktivitäten gebilligt haben, könnte der Bericht die Spannungen mit dem Iran weiter verschärfen. Sollte die Regierung nichts davon gewusst haben, würde dies Fragen nach der Kontrolle über das eigene Staatsgebiet aufwerfen.
Bislang stützen sich die Angaben ausschließlich auf die von CNN zitierten Quellen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Vorwürfe derzeit nicht.
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