Jugendprotest

„Kakerlaken“-Bewegung führt erste Straßenproteste gegen Modi-Regierung in Indien an

Indiens Gen-Z rebelliert gegen Narendra Modi. Die Online-Bewegung „Cockroach Janta Party“ zieht in Neu-Delhi erstmals vom digitalen Raum auf die Straße.

3 Min
Neu-Delhi: Die Kakerlaken-Partei protestierte erstmals außerhalb der digitalen Welt gegen die indische Regierung.

Neu-Delhi: Die Kakerlaken-Partei protestierte erstmals außerhalb der digitalen Welt gegen die indische Regierung.

© ANI/imago

Mit Pappmasken in Kakerlakenform und Forderungen nach dem Rücktritt des Bildungsministers haben in Neu-Delhi am Samstag Hunderte junge Inderinnen und Inder gegen die Regierung von Premierminister Narendra Modi demonstriert. Es war der erste Straßenprotest der viralen Online-Bewegung „Cockroach Janta Party“ (CJP).

Angeführt wurde die Kundgebung am Samstag am Jantar Mantar im Zentrum der Hauptstadt von CJP-Gründer Abhijeet Dipke. Der 30-Jährige war zuvor erstmals seit Gründung der Bewegung aus den USA nach Indien eingereist, wie die indische Tageszeitung The Hindu berichtete. Er war vor zwei Jahren nach Amerika gezogen. Hunderte Anhänger empfingen ihn am Flughafen.

Die Polizei nahm nach Angaben der örtlichen Behörden sechs Personen vorsorglich fest, um Zusammenstöße zwischen rivalisierenden Gruppen zu verhindern. Mehr als 1000 Polizisten waren in der Stadt im Einsatz.

Fehlerhafte Bewertungen bei landesweiten Prüfungen

Die Demonstranten forderten den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan. Hintergrund sind wiederholte Pannen bei landesweiten Prüfungen, darunter durchgesickerte Aufgaben und fehlerhafte Bewertungen. Im Mai war die größte medizinische Aufnahmeprüfung des Landes mit mehr als 2,27 Millionen Teilnehmern annulliert worden, nachdem Ermittler Hinweise auf einen Verrat der Fragen gefunden hatten.

„Die Cockroach Janta Party ist keine geplante Partei. Sie ist die Stimme der Studierenden, die wütend auf die Regierung sind“, sagte Dipke laut der Nachrichtenagentur Reuters am Protestort. Er warf der Regierung vor, sich auf die Sperrung von Social-Media-Konten der Bewegung zu konzentrieren, statt auf die Forderungen einzugehen. „Ihr könnt unsere Beiträge löschen, aber ihr könnt uns aus diesem Raum nicht entfernen“, sagte er der indischen Nachrichtenagentur PTI zufolge.

Entstanden aus einer Gerichtsbemerkung

Die Bewegung war Mitte Mai entstanden, nachdem Indiens oberster Richter Surya Kant arbeitslose Jugendliche bei einer Verhandlung Berichten zufolge als „Parasiten“ und „Kakerlaken“ bezeichnet hatte. Kant erklärte später, er sei falsch zitiert worden. Dipke, der zu diesem Zeitpunkt sein Studium in den USA abschloss, gründete daraufhin eine Parodie-Website für die „Lazy, Unemployed and Forgotten“ (auf Deutsch: „die Faulen, Arbeitslosen und Vergessenen“) Indiens. Seither sammelte die CJP nach Angaben von Reuters mehr als 22 Millionen Follower auf Instagram – mehr als doppelt so viele wie Modis Hindu-nationalistische Bharatiya Janata Party (BJP).

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Unterstützung erhielt der Protest vom Aktivisten Sonam Wangchuk, der eine sechswöchige Hungeraktion ankündigte, sollte Dipke verhaftet werden. Auch Oppositionspolitiker wie Uddhav Thackeray von der Shiv Sena (UBT) stellten sich hinter die Bewegung. Der ranghohe BJP-Kabinettsminister Kiren Rijiju warf der Gruppe laut Reuters dagegen vor, Anhänger im verfeindeten Pakistan und in einer „anti-indischen Bande“ zu suchen.

Hohe Jugendarbeitslosigkeit in Indien seit Jahren

Die Bewegung speist sich vor allem aus der Frustration über hohe Jugendarbeitslosigkeit. Bereits im Jahr 2023 waren nach Angaben der Azim Premji University knapp 40 Prozent der Hochschulabsolventen im Alter von 15 bis 25 Jahren arbeitslos.

Der aktuelle Bericht State of Working India 2026 bestätigt, dass sich die Lage bis 2026 kaum verbessert hat. Die Arbeitslosenquote dieser Gruppe liegt weiterhin bei rund 40 Prozent, bei den 25- bis 29-Jährigen bei etwa 20 Prozent. Indien hat derzeit rund 367 Millionen Einwohner im Alter von 15 bis 29 Jahren.

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