Findigen Fans entgeht kaum etwas. Und so wird in Rammstein-Fan-Communitys schon über einen Film parliert, der eigentlich noch gar nicht angekündigt wurde – zumindest nicht durch die Berliner Band rund um Till Lindemann. Auch auf gängigen Verkaufsportalen findet man den Film noch nicht. Trotzdem lässt sich zweifelsfrei sagen, dass „Rammstein Live in Mexico City“ existiert und dass er bald erscheinen wird. Wie das?
Grund ist ein offizieller, öffentlich einsehbarer Eintrag bei der Wiesbadener Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, die die bekannten FSK-Einordnungen vergibt, von FSK 0 bis FSK 18. In diesem Eintrag mit der amtlichen FSK-Nummer 282090 (Freigabedatum: 20. Mai 2026) lassen sich noch mehr Informationen zu jenem Film gewinnen.
Beispielsweise der Alternativtitel „World Stadium Tour 2019–2024“. Daraus lässt sich kombinieren, dass der Konzertfilm bei einem (oder mehreren) der drei Auftritte in Mexiko-Stadt auf eben jener Tour entstanden sein muss: am 1., 2. und 4. Oktober 2022 im Foro Sol, einem Stadion, das Platz für 65.000 Konzertbesucher bietet.
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Es waren Shows, bei denen Rammstein ein Schockrock-Feuerwerk aus „Links 2 3 4“ über „Ausländer“ und „Pussy“ und vielen Liedern mehr bis hin zum (wir sind in Mexiko!) spanischsprachigen Rammstein-Canción „Te Quiero Puta!“ zündeten, das von Begehren „zwischen deinen Beinen“ ohne Liebe sinniert, ein typisches Rammstein-Thema eben.
Kurioses in der Fußgängerzone mit Richard Kruspe
Damals gab es übrigens ein besonderes Vorkommnis rund um die Konzerte in Mexiko-Stadt: Rammstein-Gitarrist Richard Kruspe spielte nach den Konzerten jeweils „spontan“ in der Fußgängerzone der Innenstadt. Er stellte sich samt Bühnenoutfit auf die Straße und performte zur Überraschung der Passanten das Riff von „Du hast“, während jeweils eine große Menschentraube mitsang. Ob sich das wohl auch im Film dokumentiert findet?
148 Minuten und 33 Sekunden ist der neue Rammstein-Film jedenfalls bei 24 Bildern pro Sekunde lang. Und in der (für Homevideo mittlerweile üblichen) Version von 25 frames per second entsprechend etwas kürzer: 142 Minuten und 37 Sekunden. Für Rammstein-Hater und -Skeptiker sicher eine qualvolle Länge. Für Fans wahrscheinlich das reinste Vergnügen.
„Rammstein: Paris“ wird wohl der Referenzpunkt
Messen lassen müssen wird sich „Rammstein Live in Mexico City“ sicherlich mit dem bei Fans hoch im Kurs stehenden Rammstein-Videoalbum „Rammstein: Paris“, erschienen im Jahr 2017. Die Aufnahmen dazu entstanden bereits am 6. und 7. März 2012 während zwei Rammstein-Auftritten und einer Generalprobe im damaligen Palais Omnisports de Paris-Bercy. Regie führte der Schwede Jonas Akerlund, demzufolge pro Konzert 30 (!) Kameras im Einsatz gewesen sein sollen.
Regie für „Rammstein Live in Mexico City“ geführt hat nicht Akerlund, sondern Paul Dugdale. Ausgebildet am Central Saint Martins College of Art and Design in London, hat er sich bislang vor allem mit Werbefilmen (Red Bull, Adidas, Guinness) hervorgetan, aber auch mit Musikvideos und Konzertfilmen.
Das ist die Verbindung zu Taylor Swift und Ed Sheeran
Paul Dugdales Musikfilm „Coldplay – Live 2012“ war 2014 sogar für einen Grammy nominiert. Andere große Auftraggeber Dugdales waren beispielsweise Taylor Swift, Ed Sheeran und Shawn Mendes. Allerdings hat er auch schon für andere deutschsprachige Artists gearbeitet: Helene Fischer und Die Toten Hosen.
Überraschen kann die FSK-12-Freigabe für Dugdales „Rammstein Live in Mexico City“ durchaus. Nicht nur wegen der expliziten Texte im Rammstein-Oeuvre und teils drastischer visueller Elemente in den Bühnenshows. Frühere Rammstein-Veröffentlichungen erhielten nicht selten FSK 16 oder FSK 18. Das Rammstein-Album „Liebe ist für alle da“ (2009) stand zwischenzeitlich sogar auf dem Index, bevor diese Entscheidung per Gericht gekippt wurde.
Und noch ein anderer Punkt wird in Fankreisen angesprochen: Offenbar erhielt „Rammstein Live in Mexico City“ von der FSK-Prüfstelle keine Feiertagsfreigabe, was bedeutet, dass er an sogenannten stillen Feiertagen (beispielsweise Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag) nicht öffentlich aufgeführt werden dürfte.
„Die Feiertagsfreigabe wurde bei dem genannten Konzert nicht beantragt“, sagt eine Sprecherin der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH zur entsprechenden Anfrage dieser Zeitung. „Demnach wurde darüber nicht abgestimmt.“ Sie fügt jedoch hinzu, dass das Konzert für Home Entertainment ausgewertet wurde, also das Schauen des Films zu Hause. Keine öffentlichen Vorführungen. Somit sei eine Feiertagsfreigabe auch nicht weiter relevant.
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