Ausbeutung

Fahndung nach den Sklavenhaltern des 21. Jahrhunderts: Unterwegs mit Polizei und Zoll

In etlichen Berliner Wirtschaftsbranchen werden Arbeitnehmer extrem ausgebeutet. Wir begleiteten eine Spezialeinheit gegen Arbeitsausbeutung.

11 Min
Beamte des Hauptzollamtes Berlin und der Berliner Polizei überprüfen in Kreuzberg Angestellte einer Küche, die Restaurants mit indischen Gerichten beliefert.

Beamte des Hauptzollamtes Berlin und der Berliner Polizei überprüfen in Kreuzberg Angestellte einer Küche, die Restaurants mit indischen Gerichten beliefert.

© zVg

Die Stadt schläft noch und erwacht erst langsam. Es ist 5.30 Uhr, als sich 20 Angehörige des Hauptzollamtes Berlin und der Berliner Polizei auf einem Parkplatz in Kreuzberg treffen. Sie werden gegen Arbeitgeber, die ihre Leute unter sklavenähnlichen Verhältnissen beschäftigen, vorgehen. Denn es gibt sie noch, die Sklavenhalter. Im 21. Jahrhundert. Mitten in Berlin.

Vorher eine kurze Besprechung: in welcher Reihenfolge die Teams reingehen, welches Team den Hinterausgang bewacht, damit niemand fliehen kann. Auf Eigensicherung achten! Dann setzt sich die Kolonne mit Blaulicht in Bewegung.

Die Spezialeinheit, die das Landeskriminalamt und das Hauptzollamt im Juni 2023 bildeten, hat den sperrigen Namen „Gemeinsame Ermittlungsgruppe Arbeitsausbeutung“. Deren Ermittler nehmen sich an diesem Morgen eine Großküche in Kreuzberg vor. Sie beliefert fünf bis acht Restaurants, die zum Teil an exquisiten Hauptstadtadressen liegen. Die Küche ist mutmaßlich Teil der Aktivitäten einer Bande aus acht Männern im Alter von 36 bis 66 Jahren. Schon seit 2023 läuft gegen sie ein Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der Arbeitsausbeutung.

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