Neulich wollte ich wieder einmal nach Teupitz. Das bedeutet, mit der Regionalbahn von Berlin Ostkreuz entweder bis Bestensee oder Groß Köris zu fahren und dann in einen Bus der Regionalen Verkehrsgesellschaft Spreewald (RVS) umzusteigen. Umsteigezeit drei Minuten. Da die Bahn eigentlich immer Verspätung hat, klappt das nur noch in Ausnahmefällen und man muss eine Stunde auf den nächsten Bus warten. Oder auch zwei.
Neulich in der Staatsoper: Was tut man, wenn jemand mit so einer Frisur vor einem sitzt?
Melanie Amann verhört Harald Martenstein: „Wie oft haben Sie schon AfD gewählt?“
Ich klagte mein Leid dem Busfahrer, fragte ihn, ob es nicht möglich wäre, dass die Buslinie den Fahrplan umstellt, da sie doch inzwischen auch wissen müssten, dass es mit dem Anschluss nicht klappt. Er schüttelte den Kopf. Sie wären pünktlich. Als ich nicht lockerließ, verwies er mich an Friedrich Merz. Ich glaubte, mich verhört zu haben. Was der Bundeskanzler mit den Fahrplänen der RSV zu tun habe, fragte ich. Doch, doch, das habe schon seine Richtigkeit, der sei auch für diesen Missstand verantwortlich.
Ich bin nicht sicher, was er meint. Verantwortlich sind doch eher die vielen Radfahrer, die an jeder Station in der Sommerzeit trotz Überfüllung ein- und aussteigen und damit für Verspätung sorgen. Ein Problem, das immer wieder diskutiert wird, für das es aber offenbar keine Lösung gibt. Es wurde sogar schon gefordert, die Fahrradmitnahme ganz zu verbieten. Was genau hat der Kanzler damit zu tun? Aber für manche ist er offenbar einfach an allem schuld.
Hitler, Ulbricht und jetzt ...
Ein paar Stunden später traf ich da draußen in Brandenburg zufällig einen alten Mann, er ist über 90, und kam mit ihm ins Gespräch. Auch er hatte allerlei zu beklagen und verblüffte mich dann mit dem Satz, er habe Hitler überlebt und Ulbricht, aber das jetzt … Er ließ den Satz unvollendet in der Luft hängen, aber es war klar, er sprach von denen, die jetzt am Ruder sind. Im Grunde ging es also wieder um Friedrich Merz. Ich war sprachlos und verzichtete darauf, das Gespräch zu vertiefen.
Nur in meinen Gedanken beschäftigte es mich weiter. Im Land steht es ja wirklich nicht zum Besten, im Gegenteil, es hat turmhohe Probleme, die hier aufzuzählen den Rahmen sprengen würde. Und ja, es geht auch um die Infrastruktur und die Bundesregierung kommt nicht in die Gänge. Aber gehört der Fahrplan vom Bus 726 im Landkreis Dahme-Spreewald auf oberster Ebene adressiert? Vom Hitler-Vergleich gar nicht zu reden. Leute, so wie ihr übertreibt, kann man euch nicht ernst nehmen.
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