Die US-Streitkräfte haben in der Nacht zum Donnerstag erneut „mehrere Ziele“ im Iran angegriffen. Das teilte das US-Regionalkommando Centcom über die Plattform X mit. Es handle sich um „zusätzliche Selbstverteidigungsschläge“ als Reaktion auf eine „ungerechtfertigte und anhaltende Aggression“ Teherans.
Nach Angaben von Centcom waren Überwachungssysteme, Luftabwehrstellungen und Kommunikationsnetze Ziel der Angriffe. US-Präsident Donald Trump sagte dem Sender Fox News, es seien 49 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk eingesetzt worden. Einige Ziele hätten nur rund 60 Kilometer von Teheran entfernt gelegen.
Trump hatte dem Iran mit weiteren Angriffen gedroht, falls Teheran kein Abkommen unterzeichne. Im Weißen Haus erklärte er nach Angaben mehrerer Medien: „Wir standen kurz vor einem Abkommen, aber sie halten uns hin.“ Gegenüber Fox News kündigte er an, die USA würden den Iran erneut bombardieren, sollte die Führung in Teheran nicht einlenken.
Streit über Status der Straße von Hormus
Die iranischen Revolutionsgarden teilten derweil laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna mit, in zwei Angriffswellen seien 18 US-Ziele auf Stützpunkten in Bahrain und Kuwait beschossen worden. Beide Länder aktivierten nach Armeeangaben ihre Luftabwehr. Kuwait schloss vorübergehend seinen Luftraum, wie die zuständige Luftfahrtbehörde mitteilte. Später meldeten die Revolutionsgarden zudem einen Raketenangriff auf ein US-Kommandozentrum in Jordanien.
Das Oberkommando der iranischen Streitkräfte erklärte laut dem iranischen Staatsfernsehen zudem, die Straße von Hormus sei nun „komplett und für alle Schiffstypen geschlossen“. Jedes Schiff, das die Meerenge durchqueren wolle, werde beschossen, hieß es laut iranischen Medienberichten. Zwei Schiffe seien bereits angegriffen worden.
Centcom wies die Darstellung auf X als „falsch“ zurück: „Handelsschiffe fahren heute Nacht weiter in die Straße von Hormus hinein und aus ihr heraus.“ Durch die Meerenge wird normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls und Flüssigerdgases transportiert.
Ölpreis zieht deutlich an
An den Rohstoffmärkten reagierten die Preise mit Aufschlägen. Die Nordseesorte Brent stieg laut Reuters um 1,59 Prozent auf 94,58 US-Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI legte um 1,90 Prozent auf 91,74 Dollar zu. Im frühen Handel hatte der US-Kontrakt zeitweise mehr als drei Dollar zugelegt. Die New York Times berichtete von einem Brent-Preis nahe 95 Dollar. Analysten des Geldhauses ING erklärten laut Reuters, die jüngste Eskalation lege nahe, „dass ein Abkommen noch in weiter Ferne liegt und die Energieströme aus dem Persischen Golf stark eingeschränkt bleiben werden“.
Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA fielen die US-Rohöllagerbestände in der Woche bis zum 5. Juni um 7,2 Millionen Barrel auf 426,5 Millionen Barrel. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar seien die US-Bestände einschließlich der strategischen Reserve um 79 Millionen Barrel gesunken.
An den Aktienmärkten gab der MSCI All Country World Index laut Bloomberg um bis zu 0,3 Prozent auf den tiefsten Stand seit Anfang Mai nach.
Seit dem 8. April gilt offiziell eine Waffenruhe zwischen den USA, Israel und dem Iran. Diplomatische Bemühungen um eine dauerhafte Beilegung des am 28. Februar begonnenen Krieges blieben bislang ohne Ergebnis.
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