Bei einer zweiten Nacht der Unruhen in Nordirland hat die Polizei am Mittwoch erstmals einen Wasserwerfer gegen Randalierer eingesetzt. Rund 300 Menschen hätten sich am Sandyknowes-Kreisverkehr nahe Newtownabbey nordwestlich von Belfast versammelt, einen Lastwagen in Brand gesetzt sowie Ziegelsteine und Brandsätze geworfen, berichteten die BBC und der Guardian. Die Gruppe habe offenbar versucht, ein Hotel zu erreichen, in dem Asylsuchende untergebracht sind.
Auslöser der Krawalle war ein Messerangriff am Montagabend im Norden Belfasts, bei dem ein Mann in den Vierzigern schwer verletzt wurde. Das Opfer Stephen Ogilvie verlor sein linkes Auge und erlitt weitere Verletzungen, wie seine Familie laut BBC mitteilte. Ein 30-jähriger Asylsuchender aus dem Sudan, Hadi Alodid, wurde am Mittwoch wegen versuchten Mordes vor Gericht gestellt.
Die Familie des Opfers rief laut Guardian zu friedlichen Protesten auf und distanzierte sich von der Gewalt. „Wir haben sehr viele Falschinformationen in den sozialen Medien beobachtet“, erklärten die Angehörigen über die Polizei. Migranten leisteten einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft.
Ein Polizeibeamter inspiziert im Stadtteil Templemore ausgebrannte Fahrzeuge und Gebäude.
© Lab Mo/imago
Proteste eskalieren erneut
Vermummte in dunkler Kleidung rissen nach Angaben beider Medien am Mittwoch Gartenzäune heraus, um daraus Barrikaden zu bauen, und zündeten Reifen, Möbel und Mülltonnen an. Ein weißer Lieferwagen sei in die Flammen gefahren worden. Ein Polizist und ein Passant seien durch Steinwürfe verletzt worden, berichtete der Guardian. Nach mehrstündigem Patt habe sich die Menge gegen 23.30 Uhr zerstreut.
Auch in Derry, Coleraine und am Regierungssitz Stormont kam es laut BBC zu Versammlungen, die jedoch weitgehend friedlich verliefen. Die nordirische Regierung verurteilte in einer Erklärung die Ausschreitungen. Diese hätten Angst verbreitet und unschuldige Leben gefährdet, hieß es darin.
Der britische Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Gewalt als „völlig ungerechtfertigt“, wie die BBC berichtete. Nach Angaben eines britischen Ministers wurden 27 Menschen obdachlos, weil gezielt Türen ausländischer Staatsbürger aufgesucht worden seien. Der Chef der nordirischen Polizei Jon Boutcher warnte davor, sich von Stimmen in sozialen Medien mitreißen zu lassen, die nichts über Nordirland wüssten.
Belfast in Flammen: Nach Messerangriff eskaliert die Jagd auf Migranten
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