Ein internationales Forschungsteam aus China, Italien und Neuseeland hat im Indischen Ozean einen riesigen Walfriedhof entdeckt. Wie die Wissenschaftler laut BBC im Fachjournal Nature berichten, erstreckt sich die Fundstätte in der Diamantina-Bruchzone über rund 1200 Kilometer und liegt bis zu sieben Kilometer unter der Meeresoberfläche.
Mit dem chinesischen Tauchboot Fendouzhe unternahm das Team laut dem Fachportal Science 33 Tauchgänge in der Diamantina-Bruchzone, einem tiefen Riss in der ozeanischen Kruste, der entstand, als sich Australien von der Antarktis trennte. Dabei kartierten die Forscher 485 Fundstellen mit Walskeletten. Darunter seien Schädel von Schnabel- und Bartenwalen sowie der Kadaver eines fünf Meter langen antarktischen Zwergwals (Balaenoptera bonaerensis).
Forscher: Größe der Entdeckung „völlig unerwartet“
Außerdem hätten die Forscher eine neue Schnabelwalart beschrieben, die sie nach dem Fundort „Pterocetus diamantinae“ tauften. Eines der Knochenstücke stamme von der ausgestorbenen Art Pterocetus benguelae und sei 5,3 Millionen Jahre alt, wie BBC berichtet.
Einen Friedhof dieser Größenordnung zu entdecken, „war völlig unerwartet“, sagte Studienautor Xiaotong Peng von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften laut BBC. „Das Ausmaß der Verbreitung, die Tiefe und die Altersspanne übertrafen alles, was wir uns vorgestellt hatten.“ Laut AP ist der Walfriedhof der größte, tiefste und älteste, der bisher gefunden wurde.
Vielfältiges Leben auf dem Walfriedhof
Walfriedhöfe entstehen laut AP, wenn Walkadaver auf den Meeresboden sinken, wo sie zu einer Nahrungsquelle für Tiere werden. An den Walkadavern lebten demnach zahlreiche Tiere wie Seegurken, Springkrebse und Muscheln. Viele davon seien vermutlich noch nicht wissenschaftlich beschrieben.
Der an der Studie beteiligte Biologe Xikun Song vom Institut für Tiefseewissenschaft und -technik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften erklärte per E-Mail an AP, die Größe der Wale und die besondere Chemie ihrer Knochen seien entscheidend für die Entstehung dieser Lebensgemeinschaften. Zugleich seien solche Stellen in der Tiefsee für die Forschung schwer zu finden.
Warum sich an dieser Stelle so viele Walkadaver sammelten, ist nach Angaben der Autoren nicht abschließend geklärt, berichtet AP. Möglich seien etwa natürliche Todesfälle, Erschöpfung oder Krankheiten durch Tieftauchgänge. Auch die V-förmige Geographie des Gebiets könne die Überreste dorthin geleitet haben.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]