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Diplomatie

Durchbruch: USA und Iran erzielen Einigung – Ölpreis fällt deutlich

Nach monatelangem Krieg haben die USA und der Iran eine Grundsatzeinigung erzielt. Die Aussicht auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus ließ die Ölpreise deutlich sinken.

6 Min
Schiffe in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas im Süden Irans.

Schiffe in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas im Süden Irans.

© -/kyodo/dpa

Im Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran zeichnet sich eine diplomatische Wende ab. Washington und Teheran haben nach eigenen Angaben eine Grundsatzeinigung zur Beendigung des Konflikts erzielt. Das Abkommen soll am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden. Die Ankündigung sorgte an den Finanzmärkten für Erleichterung: Der Ölpreis fiel deutlich, asiatische Börsen legten kräftig zu.

US-Präsident Donald Trump erklärte auf seiner Plattform Truth Social, die Vereinbarung mit der Islamischen Republik sei „nun abgeschlossen“. Er zeigte sich optimistisch - und erklärte mit Blick auf die Blockade des Öltransports durch die Straße von Hormus: „Schiffe dieser Welt, startet eure Motoren! Lasst das Öl fließen!“ Der pakistanische Ministerpräsident Shehbaz Sharif, dessen Regierung nach eigenen Angaben als Vermittler beteiligt war, sprach von einer Einigung über ein Ende der militärischen Operationen „an allen Fronten, einschließlich des Libanon“.

Die iranische Regierung bestätigte die Grundsatzeinigung. Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi erklärte im Staatsfernsehen, das Memorandum solle am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden. Der vollständige Vertragstext wurde jedoch bislang nicht veröffentlicht. Mehrere zentrale Fragen, darunter die Zukunft des iranischen Atomprogramms, sollen erst in weiteren Verhandlungen geklärt werden.

Straße von Hormus soll wieder geöffnet werden

Trump verteidigte die Vereinbarung in einem Interview mit der New York Times als strategischen Erfolg der USA. Er behauptete, das Abkommen werde dauerhaft einen freien Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus gewährleisten und erklärte zugleich, er habe Israel „vor nuklearer Vernichtung bewahrt“.

Zentraler Bestandteil der Vereinbarung ist übereinstimmenden Berichten zufolge die Wiederöffnung der Straße von Hormus. Die strategisch wichtige Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman gilt als eine der wichtigsten Transportrouten für Öl und Flüssiggas weltweit. Trump kündigte an, die von den USA verhängte Seeblockade iranischer Häfen aufzuheben. Die Meerenge solle nach der Unterzeichnung des Abkommens am Freitag wieder für den Schiffsverkehr geöffnet werden.

Die Märkte reagierten unmittelbar. Die Nordseesorte Brent verlor im frühen Handel rund vier Prozent, die US-Sorte WTI zeitweise mehr als 4,5 Prozent. Der japanische Leitindex Nikkei stieg laut CNN um mehr als fünf Prozent auf ein Rekordhoch.

Iran pocht auf Souveränität über die Meerenge

Im Laufe des Vormittags wurden weitere Details der geplanten Vereinbarung bekannt. Die iranische Staatsagentur Fars berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, dass der Entwurf des Abkommens in letzter Minute um eine Klausel zur Straße von Hormus ergänzt worden sei. Ziel sei es gewesen, die iranisch-omanische Souveränität über die strategisch wichtige Meerenge ausdrücklich hervorzuheben. Nach Angaben der Agentur wurden zudem Regelungen zu Gebühren für die Durchfahrt aufgenommen. Einzelheiten nannte Fars zunächst nicht. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Von US-Seite gab es dazu keine Bestätigung.

Die Berichte werfen neue Fragen zur Ausgestaltung des Abkommens auf. Trump hatte erklärt, die Straße von Hormus solle künftig dauerhaft und gebührenfrei für den internationalen Schiffsverkehr offenstehen. Ob dies mit möglichen Durchfahrtsgebühren vereinbar ist, blieb zunächst offen.

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Streit um Atomprogramm vertagt

Offen bleibt allerdings die Zukunft des iranischen Atomprogramms. Nach Angaben iranischer und amerikanischer Vertreter soll darüber während einer zunächst auf 60 Tage angelegten Verhandlungsphase gesprochen werden. Dabei gibt es bereits unterschiedliche Darstellungen beider Seiten. Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi erklärte laut iranischem Staatsfernsehen, zunächst müssten Sanktionen aufgehoben und eingefrorene iranische Vermögenswerte freigegeben werden. Ein US-Regierungsvertreter wies diese Darstellung gegenüber CNN zurück. Die Freigabe von Geldern werde nur erfolgen, wenn Teheran seine Verpflichtungen erfülle.

Nach Angaben von Reuters hatte ein iranischer Vertreter zuvor erklärt, die USA könnten im Rahmen des Entwurfs rund 25 Milliarden US-Dollar an eingefrorenen iranischen Geldern freigeben. Washington bestätigte dies bislang nicht.

Israel äußert sich zunächst nicht

Eine unmittelbare Reaktion der israelischen Regierung blieb zunächst aus. Israel war gemeinsam mit den USA am 28. Februar in den Krieg gegen den Iran eingetreten und hatte zuletzt seine Angriffe gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah im Libanon fortgesetzt. Gerade die Kämpfe im Libanon galten als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer Einigung. Noch am Sonntag hatte Israel Ziele in den südlichen Vororten von Beirut bombardiert.

Trump machte in einem Interview mit der New York Times deutlich, dass es auch Spannungen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gegeben habe. Dabei verwies er auf Meinungsverschiedenheiten mit Netanjahu. Er bezeichnete Netanjahu als „einen sehr schwierigen Mann“.

Tausende Tote seit Kriegsbeginn

Der Krieg hatte nach Angaben von Reuters seit Ende Februar mehrere tausend Menschen das Leben gekostet, vor allem im Iran und im Libanon. Der Iran griff wiederholt Israel sowie Staaten am Persischen Golf an, in denen US-Stützpunkte stationiert sind. Die zeitweise faktische Schließung der Straße von Hormus löste weltweit Sorgen um die Energieversorgung aus.

Mehrere westliche Staaten begrüßten die nun angekündigte Einigung. Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien erklärten laut Reuters, sie seien bereit, bei überprüfbaren Schritten zur Begrenzung des iranischen Atomprogramms auch über Sanktionserleichterungen zu sprechen.

Sinkende Energiepreise könnten Verbraucher entlasten

Ein Ende des Kriegs dürfte nach Einschätzung von Ökonomen zunächst vor allem über sinkende Energiepreise wirken. „Ein Kriegsende hätte positive Auswirkungen auf die Konjunktur“, sagte Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung am Münchner Ifo-Institut, der Deutschen Presse-Agentur. Niedrigere Preise für Rohöl und Erdgas könnten die Inflation dämpfen und die Kaufkraft der Verbraucher stärken. Allerdings werde dieser Effekt nicht sofort eintreten, da Produktionsanlagen in der Region beschädigt seien und die Förderung erst schrittweise wieder hochgefahren werden könne.

Auch Autofahrer dürften nicht unmittelbar mit deutlich günstigeren Preisen an den Tankstellen rechnen. Ein Sprecher des ADAC sagte der dpa, ein freier Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus könne den Ölpreis zwar schrittweise sinken lassen. Bis Lieferketten und Transportwege wieder stabil funktionierten, werde jedoch noch Zeit vergehen.

Rückkehr zum Normalbetrieb dürfte Monate dauern

Wann die Schifffahrt in der Straße von Hormus wieder vollständig anlaufen kann, ist ebenfalls offen. Experten gehen davon aus, dass zunächst mögliche Minen geräumt und die Sicherheit der Route gewährleistet werden muss. Zudem sitzen nach mehr als vier Monaten Krieg zahlreiche Schiffe noch im Persischen Golf fest oder wurden auf andere Routen umgeleitet.

Auch die globalen Lieferketten dürften sich nur langsam erholen. Der dänische Schifffahrtsexperte Lars Jensen verwies gegenüber der dpa darauf, dass neben der Lage in der Straße von Hormus weiterhin die Angriffe der Huthi-Miliz im Roten Meer den Welthandel belasten. Eine Entspannung im Konflikt mit dem Iran könnte nach seiner Einschätzung aber auch die Lage auf dieser wichtigen Handelsroute verbessern und damit den internationalen Warenverkehr insgesamt erleichtern.

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