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Ukraine-Krieg

Russischer Großangriff auf Kiew: UNESCO-Welterbe brennt, mindestens elf Tote

Russland hat die Ukraine mit hunderten Drohnen und Raketen angegriffen. In Kiew wurde die berühmte Lawra-Kathedrale beschädigt, landesweit starben mindestens elf Menschen.

5 Min
Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale der Kiewer Höhlenkloster-Lawra brennt nach einem russischen Angriff.

Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale der Kiewer Höhlenkloster-Lawra brennt nach einem russischen Angriff.

© Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Bei massiven russischen Luftangriffen auf mehrere Städte in der Ukraine sind Behördenangaben zufolge mindestens elf Menschen getötet worden. In Kiew wurde dabei die zum UNESCO-Welterbe gehörende Mariä-Entschlafens-Kathedrale des berühmten Höhlenklosters beschädigt. Das Dach des Gotteshauses geriet in Brand. Russland bestritt einen Angriff auf die historische Anlage.

Allein in der ukrainischen Hauptstadt wurden nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko fünf Menschen getötet und mindestens 25 weitere verletzt, darunter zwei Kinder. Raketen und Drohnen trafen mehrere Wohngebäude und andere zivile Einrichtungen. Rund 140.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom.

Bei einem massiven russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist nach ukrainischen Angaben eines der bedeutendsten religiösen und historischen Bauwerke des Landes beschädigt worden. Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale auf dem Gelände des Kiewer Höhlenklosters geriet in Brand. Bei den nächtlichen Angriffen wurden landesweit mindestens zehn Menschen getötet, darunter fünf in Kiew. Die zum UNESCO-Welterbe gehörende Klosteranlage gilt als eines der wichtigsten Zentren des orthodoxen Christentums in Osteuropa.

Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert getroffen

Der Leiter der Militärverwaltung von Kiew, Tymur Tkatschenko, sprach von einem direkten Treffer auf dem Gelände der Lawra. AFP-Reporter berichteten von einem großen Loch in der Außenwand der Kathedrale. Aus dem Dach mit den goldenen Kuppeln schlugen Flammen, während dutzende Feuerwehrfahrzeuge versuchten, den Brand unter Kontrolle zu bringen.

Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale gehört zum Kiewer Höhlenkloster, das 1051 gegründet wurde und zu den ältesten christlichen Heiligtümern Osteuropas zählt. Die Anlage beherbergt zahlreiche Reliquien und gilt als eines der wichtigsten Symbole ukrainischer Kultur, Geschichte und religiöser Identität.

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte später, das Feuer sei gelöscht worden. Die Beschädigung der Kathedrale sei „eines der bislang schwersten Verbrechen Russlands gegen die christliche Kultur“, schrieb er. Nach Angaben ukrainischer Kirchenvertreter wurden während des Angriffs historische Ikonen, Kunstwerke und weitere religiöse Gegenstände in Sicherheit gebracht. Das genaue Ausmaß der Schäden war zunächst unklar.

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Rettungskräfte löschen nach einem russischen Angriff auf Kiew einen Brand in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale der Kiewer Höhlenkloster.

Rettungskräfte löschen nach einem russischen Angriff auf Kiew einen Brand in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale der Kiewer Höhlenkloster.

© Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Europa reagiert mit scharfer Kritik

Die Beschädigung der Klosteranlage löste auch international scharfe Reaktionen aus. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot erklärte laut Reuters, der Angriff auf die Kiewer Höhlenkloster-Lawra komme für Frankreich einer Bombardierung der Kathedrale Notre-Dame in Paris gleich. Präsident Emmanuel Macron verurteilte den Angriff ebenfalls. „Nichts kann diesen Angriff auf unser gemeinsames universelles Erbe rechtfertigen“, schrieb er in sozialen Netzwerken. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von einem möglichen Kriegsverbrechen.

Das russische Verteidigungsministerium bestritt einen Angriff auf die Kathedrale. Nach russischer Darstellung sei die Anlage von einer Rakete eines US-Flugabwehrsystems vom Typ Patriot getroffen worden. Als mögliche Ursache nannte Moskau angeblich abgelaufene Raketenbestände. Belege dafür legte Russland nicht vor.

Hunderte Drohnen und Raketen eingesetzt

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland in der Nacht 70 Raketen und 611 Drohnen ein. Die meisten Angriffe richteten sich demnach gegen Kiew. Nach offiziellen Angaben konnten 50 Raketen und 582 Drohnen abgefangen werden.

Dennoch wurden zahlreiche Ziele getroffen. Die ukrainische Luftwaffe sprach von Einschlägen an 42 Orten im Land. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Auch Filmstudio und Museum beschädigt

Neben dem Kloster wurden nach ukrainischen Angaben mehr als 50 Orte in Kiew getroffen. Beschädigt wurden Wohnhäuser, Lagerhallen, Geschäftsgebäude, Stromleitungen und ein Markt. Auch das Oleksandr-Dowschenko-Filmstudio wurde getroffen. Die ukrainische Vize-Regierungschefin Tetjana Bereschna erklärte, dabei sei die größte und älteste Kostümsammlung des Landes zerstört worden. In den Beständen hätten sich rund 100.000 historische Kostüme befunden. Zudem wurde nach Angaben der Rettungsdienste ein Gebäude des Nationalen Kunst- und Museumskomplexes in Kiew beschädigt.

Auch in anderen Regionen der Ukraine wurden Opfer gemeldet. In Charkiw kamen nach Angaben von Innenminister Ihor Klymenko fünf Einsatzkräfte ums Leben. Die Rettungskräfte seien bei Löscharbeiten von einem weiteren russischen Angriff getroffen worden. In der Region Cherson wurde ein Mensch getötet. In Sumy wurden drei Menschen verletzt, darunter ein Kind. In Dnipro meldeten die Behörden zwei Verletzte.

Selenskyj fordert Reaktion des G7-Gipfels

Die Angriffe erfolgten vor dem Hintergrund stockender Bemühungen um eine Waffenruhe. Selenskyj hatte zuletzt erneut direkte Gespräche mit Kremlchef Wladimir Putin vorgeschlagen. Der Kreml zeigte sich bislang nicht bereit dazu. Der ukrainische Präsident könne aber gerne für ein Treffen nach Moskau reisen, betonte Putin mehrfach.

Mit Blick auf den am Montag begonnenen G7-Gipfel in Frankreich forderte Selenskyj eine „entschlossene und substanzielle“ Reaktion der Verbündeten. Nötig seien mehr Druck auf Russland sowie zusätzliche Unterstützung für die ukrainische Luftverteidigung, insbesondere gegen ballistische Raketen.

Auch Russland meldete in der Nacht Angriffe. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Tula wurden bei einem ukrainischen Drohnenangriff drei Menschen getötet und drei weitere verletzt, darunter ein Kleinkind. Die Angaben beider Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

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