Wegen stark gestiegener Kosten ist der geplante Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz–Leipzig abgespeckt worden. Nach einer neuen Machbarkeitsstudie ist im Nordabschnitt Leipzig–Geithain nur noch auf rund 24 von 44 Kilometern ein zweites Gleis vorgesehen. Das teilten die Deutsche Bahn AG und das sächsische Infrastrukturministerium mit. Die Elektrifizierung soll komplett in ein anderes Finanzierungsprogramm ausgelagert werden. Das Land müsste sich daran mit einem Eigenanteil von mindestens 15 Millionen Euro beteiligen.
Die Strecke ist infolge von Reparationen nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch eingleisig und hat keine Oberleitung. Deswegen kann sie nicht für den Fernverkehr genutzt werden und stößt an Kapazitätsgrenzen. Den Angaben zufolge ist sie aktuell zu 140 Prozent ausgelastet. Vereinzelte Störungen haben so regelmäßig größere Auswirkungen. Die Strecke wird nicht nur von vielen Pendlern genutzt, sondern ist für die Industrieregion Chemnitz auch die Verbindung zum Bahnknotenpunkt Leipzig samt Fernverkehr.
Nordabschnitt auf über 1,3 Mrd. Euro geklettert
In einer aktuellen Prognose ist von rund 1,32 Milliarden Euro die Rede – allein für den Nordabschnitt. Zur Verfügung stehen dort aber nur knapp 500 Millionen Euro an Bundesmitteln für den Strukturwandel in Kohleregionen. Begründet wird der Kostenanstieg vor allem mit Zeitverzug und Preissteigerungen infolge der Corona-Pandemie und des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine.
Ausgangspunkt der neuen Studie im Auftrag der Deutschen Bahn war den Angaben zufolge die angestrebte Zahl von 75 Zügen am Tag: 72 im Nahverkehr und drei im Fernverkehr. Aktuell seien es etwa 60 Züge. Ziel ist vor allem ein Halbstundentakt in den Hauptverkehrszeiten.
Kraushaar fordert weiteres Geld vom Bund
Um Geld zu sparen, soll nun nur noch dort zweigleisig ausgebaut werden, wo es zwingend erforderlich ist. Doch selbst das überschreitet mit rund 531 Millionen Euro das bisherige Budget. Sachsens Verkehrsministerin Regina Kraushaar (CDU) baut auf einen weiteren Zuschuss des Bundes – entweder aus dem Sondervermögen oder aus noch verfügbaren Mitteln für den Kohle-Strukturwandel. Hinzu kommen 149 Millionen Euro für die Elektrifizierung des Abschnitts, die über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz gefördert werden soll. Hier hoffe sie auf den höchstmöglichen Fördersatz von 90 Prozent, sagte Kraushaar.
Trotz der Abstriche gebe es mit diesem Plan eine deutliche Verbesserung zum jetzigen Zustand, betonte der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD). Die Fahrtzeit zwischen beiden Großstädten würde sich um etwa zehn Minuten verkürzen. Hinzu kämen mehr Pünktlichkeit und Verlässlichkeit.
Südabschnitt von Studie nicht betroffen
Die Planungen für den Südabschnitt Chemnitz–Geithain sind schon weiter vorangeschritten und von der neuen Machbarkeitsstudie nicht direkt betroffen. Er wird nach bisherigen Angaben 306 Millionen Euro kosten, aus Geldern von Bund und Land finanziert und zwischen 2032 und 2035 umgesetzt. Bis auf zwei kleinere Abschnitte an Brücken soll der 37 Kilometer lange Streckenteil komplett zweigleisig und elektrifiziert werden.
Ziel sei, dass der komplette Ausbau der Strecke Leipzig–Chemnitz mit Nord- und Südabschnitt im Laufe der 2030er Jahre umgesetzt werde, sagte Kraushaar. Bahnreisende müssen sich während der Bauarbeiten auf erhebliche Behinderungen einstellen. Vorgesehen ist eine Totalsperrung, damit die Arbeiten schneller vorankommen. Für Reisende heißt das: Bus statt Zug. (mit dpa)
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