Der US-Pharmakonzern Moderna hat Interesse an Werken in Deutschland angemeldet, die der Konkurrent Biontech schließen will. „Wenn wir die richtige Partnerschaft mit der deutschen Bundesregierung finden würden, wären diese Anlagen eine interessante Option – im Vergleich zu einem Neubau“, sagte Moderna-Chef Stéphane Bancel dem Handelsblatt. Auf die Frage, ob Moderna Beschäftigte von Biontech übernehmen würde, sagte Bancel: „Wenn wir in ein Werk investieren würden – ganz sicher.“
Bessere Rahmenbedingungen gefordert
Vor einem Investitionsbeschluss müsse Deutschland aber bessere Rahmenbedingungen für Pharmafirmen schaffen und eine klare Richtung vorgeben, sagte der Moderna-Chef weiter. „Wir führen derzeit Gespräche mit der Regierung über eine langfristige Partnerschaft, wie wir sie im Vereinigten Königreich und in Kanada eingegangen sind." Sollte Berlin nicht mitziehen, will Bancel nach eigenen Angaben Alternativen in Europa prüfen.
Bancel warnte zudem vor einem Verlust an Produktionskapazitäten in Europa. „Dass es bald keine mRNA-Produktionskapazitäten mehr in Deutschland und Europa geben wird, ist ein massives Souveränitätsproblem." In China würden gerade mindestens fünf mRNA-Unternehmen aufgebaut.
Biontech zieht sich von drei Standorten zurück
Biontech hatte Anfang Mai mitgeteilt, dass es drei seiner Standorte in Deutschland schließen wolle. Davon betroffen sein könnten den Angaben zufolge bis zu rund 1860 Stellen.
Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und seine Frau Özlem Türeci hatten im März angekündigt, sich aus dem Unternehmen zurückziehen und eine neue Firma gründen zu wollen. Diese soll sich Innovationen im Bereich mRNA widmen und weiterhin Verbindungen zu Biontech haben. Biontech selbst soll sich auf die Entwicklung und Vermarktung seiner Medikamente konzentrieren, insbesondere im Bereich der Onkologie. (mit AFP)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]