Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des Berliner Einzelhandels sowie des Großhandels in Berlin und Brandenburg für diesen Freitag zu einem Warnstreik aufgerufen. Im Großhandel läuft der Ausstand bereits seit Donnerstag. Parallel weitet Verdi die Warnstreiks auch bundesweit aus: In mehr als der Hälfte der deutschen Ikea-Filialen soll am Freitag die Arbeit ruhen. Wie groß die Auswirkungen in Berlin sind, ist noch unklar. Schließungen von Geschäften waren in der Vergangenheit auch im Streikfall selten.
Ziel sei es, bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 23. Juni ein verhandlungsfähiges Angebot zu erreichen, teilte Verdi mit. Im Brandenburger Einzelhandel gilt nach Gewerkschaftsangaben noch bis zum 30. Juni die Friedenspflicht. Höhepunkt des Streiktages in Berlin ist nach Verdi-Angaben eine Kundgebung um 11.00 Uhr am Wittenbergplatz. Dort soll die Liedermacherin Bernadette La Hengst gemeinsam mit den Streikenden den Song „Dance your Demands“ aufführen, den sie zusammen entwickelt hätten.
Streik bei Ikea am Freitag – Gewerkschaft kritisiert Entlassungen in Rostock scharf
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Zentrale Rolle im Tarifstreit – Ikea wird bundesweit bestreikt
Beim Möbelkonzern Ikea soll nach Verdi-Angaben am Freitag in mehr als der Hälfte der deutschen Einrichtungshäuser die Arbeit ruhen. Ikea führe im Saarland die Verhandlungen für die Arbeitgeberseite und spiele in der Tarifrunde eine zentrale Rolle, teilte die Gewerkschaft mit. Zuletzt hatten 280 Entlassungen wegen der Schließung eines Kundenservice-Centers in Rostock für Kritik gesorgt.
Den Tarifkommissionen liege seit Mai dasselbe Angebot von Ikea mit Nullmonaten vor, kritisierte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer. „Hier wird offenbar auf Zeit gespielt“, sagte Zimmer. Ikea habe 2024 in Deutschland einen Gesamtumsatz von 6,1 Milliarden Euro erzielt.
Verdi will mehr Geld für Einzelhandel-Angestellte
Verdi fordert für den Einzelhandel eine Entgelterhöhung um sieben Prozent, mindestens aber 222 Euro im Monat, dazu einen Mindeststundenlohn von 14,90 Euro, eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 150 Euro sowie eine Laufzeit von zwölf Monaten. Für den Großhandel verlangt die Gewerkschaft 220 Euro mehr pro Monat, 200 Euro mehr für Auszubildende und ebenfalls eine zwölfmonatige Laufzeit.
Die Arbeitgeber bieten laut Verdi im Einzelhandel ab Dezember 2026 zwei Prozent und ab September 2027 weitere 1,5 Prozent mehr Geld. Im Großhandel liegt das Angebot bei 1,8 Prozent ab dem Folgemonat des Abschlusses sowie 1,6 Prozent ab Mai 2027. Nach Berechnungen der Gewerkschaft läge der niedrigste Stundenlohn im Einzelhandel auch nach der zweiten Stufe mit 14,39 Euro unter dem dann geltenden gesetzlichen Mindestlohn von 14,60 Euro.
Gewerkschaft verweist auf niedrige Renten
Verdi-Verhandlungsführerin Conny Weißbach warf den großen Handelsketten vor, die Beschäftigten mit Angeboten abzuspeisen, die angesichts steigender Mieten, Energie- und Lebensmittelpreise real an Wert verlören. Unternehmen wie Kaufland, Lidl, Rewe, Edeka oder Ikea erzielten Jahr für Jahr Milliardengewinne, sagte sie. „Die Menschen, die täglich in den Filialen und Lagern dafür sorgen, dass die Geschäfte laufen, dürfen nicht die Rechnung für die Gewinnsteigerungen der Konzerne bezahlen.“
Nach Verdi-Angaben erreichen rund 70 Prozent der Fachkräfte im Einzelhandel selbst nach 45 Versicherungsjahren keine monatliche Rente von 1400 Euro. Die großen Handelsunternehmen hätten in Berlin 2025 ihren Umsatz um rund vier Prozent gesteigert und bundesweit 2024 Gewinne von rund 83 Milliarden Euro erzielt.
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