Nahost

Südlibanon: Mindestens 16 Tote bei israelischen Luftangriffen trotz neuer Waffenruhe

Die Feuerpause sollte den Weg für Gespräche zwischen den USA und dem Iran öffnen. Die Angriffe im Libanon stellen sie schon kurz nach Beginn infrage.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Rauch steigt nach einem israelischen Luftangriff im Süden des Libanon auf.

Rauch steigt nach einem israelischen Luftangriff im Süden des Libanon auf.

© Marwan Naamani/imago

In der Nacht zum Samstag haben israelische Luftangriffe im Südlibanon und in der Bekaa-Ebene nach Angaben libanesischer Behörden mindestens 16 Menschen getötet – nur wenige Stunden nach Beginn einer neuen Waffenruhe zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz. Das berichtete Al Jazeera unter Berufung auf den libanesischen Zivilschutz. Die Feuerpause war nach Angaben eines US-Vertreters am Freitag um 16.00 Uhr Ortszeit in Kraft getreten.

Einer der folgenschwersten Angriffe traf nach Angaben eines örtlichen Verantwortlichen ein dreistöckiges Wohnhaus im Ort Barisch im Distrikt Tyros. Dabei seien ein Vater, eine Mutter und ihre zwei Kinder ums Leben gekommen, meldete Reuters. Die libanesische Armee teilte mit, ein weiterer Luftangriff auf der Straße zwischen Kfar Rumman und Nabatieh habe einen Soldaten getötet. Sie warf Israel vor, Bemühungen zur Stabilisierung des Landes zu untergraben.

Israel verweist auf Raketenbeschuss der Hisbollah

Ein israelischer Militärvertreter sagte laut Reuters, die Hisbollah habe in der Nacht mehr als 50 Geschosse auf israelische Stellungen im Südlibanon abgefeuert. Daraufhin habe die Armee Ziele der Miliz angegriffen. Die Hisbollah bekannte sich zunächst nicht zu dem Beschuss. Ein hochrangiger Vertreter der Miliz erklärte gegenüber Reuters jedoch, man werde Israel keine Bewegungsfreiheit auf libanesischem Gebiet zugestehen, solange dort israelische Truppen stationiert seien.

Eine Sprecherin der israelischen Armee erklärte laut Reuters, eine Waffenruhe sei möglich, wenn die Hisbollah ihre Angriffe einstelle. Die israelische Präsenz in einer Sicherheitszone ziele auf Hisbollah-Strukturen, nicht auf Zivilisten.

Geplante US-iranische Gespräche in der Schweiz verzögert

Die Kämpfe gefährden laut Al Jazeera ein vorläufiges Abkommen zwischen den USA und dem Iran, das eine Einstellung aller Militäroperationen auch im Libanon vorsieht. Geplante Gespräche in der Schweiz wurden verschoben. US-Sondergesandter Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner seien auf dem Weg dorthin, berichteten CNN und Axios. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi mache nach Angaben aus Vermittlerkreisen eine Waffenruhe im Libanon zur Bedingung für seine Anreise.

Laut libanesischem Gesundheitsministerium sind seit dem 2. März 3.912 Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden. Israel beziffert die Zahl der eigenen Toten auf mindestens 32 Soldaten und vier Zivilisten.

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