Ukraine-Krieg

Selenskyj warnt vor einem russischen Großangriff und erneuert Vorwürfe gegen Belarus

Der ukrainische Präsident ruft die Bevölkerung auf, Luftalarme besonders ernst zu nehmen. Belarus soll russische Drohnenangriffe mit Technik an der Grenze unterstützt haben.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Rettungskräfte beim Einsatz nach einem russischen Drohnenangriff auf eine Logistikanlage in Saporischschja

Rettungskräfte beim Einsatz nach einem russischen Drohnenangriff auf eine Logistikanlage in Saporischschja

© Dmytro Smolienko/imago

Bei einem russischen Luftangriff auf die südukrainische Stadt Saporischschja sind am Samstag mindestens fünf Menschen getötet und zehn weitere verletzt worden. Die russische Armee habe nach vorläufigen Erkenntnissen neun Gleitbomben gegen die Stadt eingesetzt, teilte Gouverneur Iwan Fedorow auf Telegram mit. Die Leiche einer Frau sei aus den Trümmern eines zerstörten Hauses geborgen worden. Fedorow veröffentlichte Bilder beschädigter Wohnhäuser und warnte am Abend zugleich vor möglichen weiteren Raketenangriffen.

Saporischschja, vor dem russischen Einmarsch 2022 Heimat von rund 710.000 Menschen, liegt 40–50 Kilometer von der Front entfernt und wird regelmäßig beschossen. Gleitbomben sind Fliegerbomben mit Lenksystem, die aus großer Entfernung abgeworfen werden und wegen ihrer Geschwindigkeit kaum abgefangen werden können.

Warnung vor neuer Angriffswelle

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte die Bevölkerung am Samstagabend vor einem bevorstehenden russischen Großangriff. „Heute Nacht und in den kommenden Stunden muss man besonders auf Luftalarme achten, die Russen haben sich auf einen neuen massiven Angriff vorbereitet“, sagte er in seiner Videoansprache. Er rief die Menschen auf, Luftalarme besonders ernst zu nehmen.

Bereits tagsüber waren nach Selenskyjs Angaben mehr als 200 Drohnen vom Typ Schahed über der Ukraine im Einsatz. Ein Großteil sei abgefangen worden, es habe aber auch Einschläge in den Gebieten Donezk, Sumy, Charkiw und Dnipropetrowsk gegeben.

Scharfe Vorwürfe gegen Belarus

In seiner Ansprache wandte sich Selenskyj erneut an das Nachbarland Belarus. Entlang der gemeinsamen Grenze sei auf belarussischem Gebiet Technik installiert, die russischen Streitkräften bei Drohnenangriffen auf die Ukraine helfe. Die Ukraine wisse von vier solchen Relaisstationen in den Gebieten Gomel und Brest. Über diese seien Angriffe auf die Regionen Schytomyr, Riwne und Wolyn sowie auf Energieanlagen und Bahnlinien gesteuert worden. Belarus habe noch Zeit, die Anlagen abzubauen, sagte Selenskyj. Bereits am Vortag hatte er Minsk laut Kyiv Independent eine Frist von einer Woche gesetzt.

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Selenskyj kritisierte außerdem die belarussischen Treibstofflieferungen nach Russland. Von Januar bis Mai sei die Benzinausfuhr nach Russland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um das 13-Fache gestiegen, die Lieferung von Diesel habe sich verdreifacht.

Aus Minsk kam scharfe Zurückweisung. Der Vizevorsitzende des Außenausschusses im belarussischen Unterhaus, Oleg Gaidukewitsch, sagte laut der russischen Nachrichtenagentur Tass, an der Grenze stehe lediglich Technik zum Schutz von Belarus. Selenskyj versuche, Belarus und ganz Europa in einen militärischen Konflikt zu ziehen.

Ukrainische Drohnenangriffe in Sibirien und auf der Krim

Selenskyj erklärte zudem, ukrainische Drohnen hätten Ziele im russischen Gebiet Tjumen getroffen – mehr als 2.000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Nach Angaben von Serhij Sternenko, einem Berater des Verteidigungsministers, wurde am Samstag die dortige Erdölraffinerie angegriffen. Der russische Gouverneur Alexander Moor teilte mit, der Angriff sei durch die Flugabwehr abgewehrt worden.

Auf der von Russland annektierten Krim trafen ukrainische Drohnen nach Angaben des Kommandeurs der ukrainischen Drohnentruppe, Robert Browdi, vier Gaskompressoren sowie eine Brücke zur besetzten Region Cherson. Die Operation hatte demnach bereits am Freitagabend mit Angriffen auf einen unterirdischen Gasspeicher und ein Heizkraftwerk begonnen.

Der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, bestätigte den Abschuss von mindestens fünf Drohnen über der Hafenstadt.

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