Erstmals seit Beginn des aktuellen Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo ist in Europa ein Infektionsfall registriert worden. Wie das französische Gesundheitsministerium mitteilte, wurde ein aus dem Kongo zurückgekehrter Arzt positiv auf Ebola getestet. Darüber berichten unter anderem die Nachrichtenagenturen AFP und dpa.
Der Mann war demnach mit einem Linienflug von Kinshasa nach Paris gereist. Nach seiner Ankunft wurde er isoliert und in ein spezialisiertes Krankenhaus gebracht. Sein Zustand ist nach Angaben der Behörden stabil.
Ebola im Kongo: Mehr als 1000 Fälle bestätigt
Ebola-Ansteckung: Kontakte werden ermittelt
Die französischen Gesundheitsbehörden haben damit begonnen, mögliche Kontaktpersonen zu identifizieren. Diese sollen vorsorglich für 21 Tage unter Beobachtung bleiben beziehungsweise in häusliche Quarantäne gehen.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums hatte der Arzt beim Abflug kaum Symptome gezeigt. Während des Fluges habe sich sein Gesundheitszustand leicht verschlechtert. Bei dem Betroffenen handelt es sich laut der Hilfsorganisation Alima um einen ihrer Ärzte.
„Kein Grund zur Panik“: WHO sieht geringes Risiko
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonte, dass das Risiko für die Bevölkerung in Europa weiterhin gering sei. „Es besteht kein Grund zur Panik“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. Seit dem ersten bekannten Ebola-Ausbruch vor rund 50 Jahren habe es zwar Zehntausende Fälle in Afrika gegeben, außerhalb des Kontinents seien jedoch weniger als 30 Erkrankungen registriert worden.
Tedros verwies zugleich auf die Gefahren für medizinische Helfer. Seit Beginn des aktuellen Ausbruchs hätten sich bereits fast 80 Beschäftigte im Gesundheitswesen infiziert.
Medikamententests im Kongo stehen bevor
Ab nächster Woche sollen im Kongo zwei mögliche Medikamente zur Behandlung von Erkrankungen durch den Ebola-Erreger vom Typ Bundibugyo getestet werden, wie die WHO mitteilte. Dabei handelt es sich um das experimentelle Ebola-Präparat MBP134 sowie das antivirale Medikament Remdesivir. Rund 1000 positiv getestete Patienten sollen an den Tests teilnehmen. Für Bundibugyo gibt es bislang weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie.
Mehr als 1000 Infektionen im Kongo
Der aktuelle Ausbruch wurde Mitte Mai in der Demokratischen Republik Kongo gemeldet. Inzwischen wurden dort nach offiziellen Angaben mehr als 1000 Infektionen bestätigt. Mehr als 250 Menschen starben. Besonders problematisch ist, dass die derzeit kursierende Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus bislang weder über einen zugelassenen Impfstoff noch über eine spezifische Therapie verfügt. Die WHO kündigte an, in der kommenden Woche mit Tests möglicher Medikamente im Kongo zu beginnen.
Fast alle Erkrankungen wurden bislang aus der nordöstlichen Provinz Ituri gemeldet, wo bewaffnete Konflikte die Eindämmung des Virus erschweren.
Bereits ein Ebola-Patient in Berlin behandelt
Im Mai war bereits ein mit Ebola infizierter US-Arzt aus dem Kongo zur Behandlung in die Berliner Charité gebracht worden. Der Mediziner war gezielt nach Deutschland ausgeflogen worden und konnte Anfang Juni geheilt entlassen werden.
Der aktuelle Fall in Frankreich gilt nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) dagegen als erster im Zusammenhang mit dem laufenden Ausbruch nach Europa eingeschleppter Ebola-Fall.
Ebola-Patient an der Charité: Das sollten Sie jetzt über das Virus wissen?
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