Russlands Präsident Wladimir Putin hat angesichts verstärkter ukrainischer Luftangriffe auf russisches Staatsgebiet zugesagt, die Sicherheit seines Landes zu gewährleisten. „Wir werden sicherlich die Sicherheit sowohl des Landes als auch unserer Bürger gewährleisten, wie auch die Unverletzlichkeit von Russlands Grenzen“, sagte Putin am Sonntag auf einem Parteitag der Partei Geeintes Russland in Moskau. Sein Land verfüge über ausreichende Stärke, Ressourcen und politischen Willen, um jedem Druck standzuhalten.
Putin räumte nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax Probleme ein: „Wir erkennen sie an, wir reagieren darauf, aber wir werden mit Sicherheit die Sicherheit des Landes und unserer Bürger sowie die Unverletzlichkeit der Grenzen Russlands auf lange historische Sicht gewährleisten“, so Putin.
Kremlchef Wladimir Putin spricht beim Parteitag der Partei Geeintes Russland.
© Ekaterina Shtukina/imago
Die ukrainischen Angriffe bezeichnete er als „Terroranschläge auf unser Territorium und unsere Infrastruktur“. Die ukrainischen Streitkräfte zögen sich derzeit entlang der gesamten Frontlinie zurück und griffen deshalb zu „offen terroristischen Aktionen“, sagte er.
Den westlichen Staaten warf er vor, Kiew als „Rammbock im Kampf gegen Russland“ zu missbrauchen. Er merkte außerdem laut Interfax an, Russland sei einem beispiellosen und starken Druck aus dem Westen ausgesetzt.
Putin räumt Treibstoffengpässe ein
Bei einem separaten Treffen zur Lage auf dem Kraftstoffmarkt räumte Putin am Sonntag zudem Versorgungsprobleme in russischen Regionen ein. „Sie wissen genau, dass die Probleme für Autofahrer und Unternehmen weiter bestehen“, sagte er nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. „Leider gibt es immer noch Schlangen an den Tankstellen.“ Die Auswirkungen ukrainischer Drohnenangriffe auf Ölanlagen müssten auf ein Minimum reduziert werden.
Laut der Nachrichtenagentur Interfax forderte Putin systemische Maßnahmen, um den Markt zu stabilisieren – darunter eine Erhöhung der Produktion und die Aufrechterhaltung wirtschaftlich gerechtfertigter Preise. Die Kapazitäten der größten russischen Raffinerien seien derzeit maximal ausgelastet, planmäßige Wartungsarbeiten verschoben worden.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, sagte Putin, die Benzinreserven lägen bei 1,7 Millionen Tonnen, die Produktion im Juli solle über dem Juni-Niveau liegen. Ein vollständiges Verbot von Dieselexporten werde geprüft. Eine von der Regierung eingerichtete Sondereinheit arbeite rund um die Uhr an der Sicherung der Versorgung, insbesondere für die Landwirtschaft während der Erntezeit.
Verletzte bei Raketenangriff auf Kiew, Angriffe auf russische Raffinerien
Derweil halten die gegenseitigen Angriffe an. In der Nacht zum Sonntag waren bei einem russischen Raketenangriff auf Kiew nach Angaben der Stadtmilitärverwaltung mindestens zwei Menschen verletzt worden. Im Stadtteil Darnyzja brachen mehrere Brände aus, wie deren Leiter Tymur Tkatschenko auf Telegram mitteilte. Laut der ukrainischen Luftwaffe griff Russland die Hauptstadt mit ballistischen Raketen aus nördlicher Richtung an. Explosionen wurden auch aus Sumy und Charkiw gemeldet.
Nahezu zeitgleich griffen ukrainische Drohnen nach Angaben russischer Behörden Ölanlagen in mehreren russischen Regionen an. In der Raffinerie im südrussischen Slawjansk am Kuban in der Region Krasnodar brach ein Feuer aus, das laut dem regionalen Krisenstab durch herabstürzende Drohnentrümmer ausgelöst wurde. Eine Person wurde verletzt, vier Häuser im Ort Trudobeliki beschädigt.
Die Flughäfen von Sotschi und Krasnodar setzten den Flugbetrieb zeitweise aus, wie die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija mitteilte. Auch über einer Raffinerie in Jaroslawl nordöstlich von Moskau stieg dem Onlinemedium The Kyiv Independent zufolge Rauch auf.
Die Ukraine greift seit Längerem systematisch russische Raffinerien und Öl-Exportanlagen an. Die Anlage in Slawjansk gilt als wichtiger Treibstofflieferant für die von Russland kontrollierte Halbinsel Krim. Nach einem Bericht des Mediums haben mehr als 20 russische Regionen bereits Beschränkungen für den Kraftstoffverkauf verhängt.
Die ukrainische Führung um Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuletzt eine 40-tägige Kampagne gegen russische Ziele angekündigt, um Moskau zu Friedensverhandlungen zu drängen.
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