Ein internationales Forschungsteam hat laut einer am Montag im Fachjournal Palaeontologia Electronica veröffentlichten Studie wiederentdeckte Wirbel des ausgestorbenen Riesenhais Otodus megalodon untersucht und damit die bislang höchste Schätzung zur Körperlänge des Tieres untermauert. Demnach könnte der Riesenhai eine Gesamtlänge von bis zu 24,3 Metern erreicht haben.
Die Wirbel stammen aus der Gram-Formation, einer rund 10,8 Millionen Jahre alten Gesteinsschicht aus dem späten Miozän, im dänischen Gram und wurden bereits 1978 in einer Tongrube für Ziegeleien geborgen. Sie galten lange als verloren, nachdem die Sammlung 1989 beim Umzug im damaligen Geologischen Museum Kopenhagen stark beschädigt worden war.
Ein Mitarbeiter der Sammlung des heutigen Naturhistorischen Museums von Dänemark fand einen Teil des Fundes wieder, der nun unter der Nummer NHMD 157890 katalogisiert ist.
Größter bekannter Haifischwirbel
Laut Studienleiter Kenshu Shimada, Paläobiologe an der DePaul University in Chicago, bestätigen die Wirbel den in der älteren Literatur angegebenen Wirbeldurchmesser von 23 Zentimetern. Das Exemplar sei nach Kenntnis der Autoren nicht nur der größte bekannte Haifischwirbel, sondern auch der größte jemals dokumentierte Fischwirbel überhaupt.
Die geschätzte Länge des Hais von 24,3 Metern beruht auf einem Vergleich mit einer weitgehend vollständigen Wirbelsäule aus Belgien, deren maximaler Wirbeldurchmesser von 15,5 Zentimetern einem rund 16,4 Meter langen Tier zugeordnet wird.
Mette Elstrup, Leiterin der naturhistorischen Abteilung am Museum Sønderjylland, betonte die Bedeutung für das Verständnis von Biologie, ökologischer Rolle und geografischer Verbreitung des Tieres. Die Tongrube von Gram sei zugleich der nördlichste wissenschaftlich abgesicherte Megalodon-Fundort weltweit.
Henrik Lauridsen von der Universität Aarhus, der die Wirbel mit hochauflösender Mikro-Computertomografie durchleuchtete, sprach von einer technischen Herausforderung. Dabei seien mehr als 100 Gigabyte an Bilddaten entstanden.
Erstmals Hinweise auf Mageninhalt
Zusammen mit den Wirbeln fanden sich Überreste eines Riesenhais der Familie Cetorhinidae. Koautor Mikael Siversson vom Western Australian Museum interpretiert diese Funde als Mageninhalt des Megalodon. Es wäre der erste dokumentierte Beleg für einen Mageninhalt in den fossilen Funden dieser Art.
Die Autoren betonen, dass ihre Berechnungen zum Wachstum ein theoretisch noch etwas größeres Tier zulassen, das Modell aber als vorläufig zu betrachten sei. Für weitergehende Aussagen zur Maximalgröße sei ein vollständigeres Skelett nötig, idealerweise mit zugehörigen Zähnen.
Vollständige Megalodon-Skelette sind bislang nicht bekannt; die Art ist überwiegend durch ihre stark mineralisierten Zähne überliefert.
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