Die Polizei hat bei einem sogenannten Aschura-Marsch in Berlin am Samstag die Beteiligung von Kindern an einer szenischen Darstellung unterbunden. Wie die Polizei mitteilte, waren die Kinder bei Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius in eine Nachstellung der historischen Verschleppung von Frauen und Kindern eingebunden und mit Seilen aneinander gebunden worden.
Der Polizeiführer habe die Darstellung in einem Kooperationsgespräch mit der Versammlungsleitung unverzüglich untersagt, hieß es. Die Versammlungsleiterin habe daraufhin das Theaterstück beendet. „Die Kinder verließen aufgrund der Hitze den Aufzug selbstständig nach einigen Metern“, teilte die Polizei mit.
Innensenatorin Spranger kritisiert Instrumentalisierung
Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) äußerte deutliche Kritik. „Wir schützen in unserem Rechtsstaat die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Absolut inakzeptabel ist aber die Funktionalisierung und Instrumentalisierung von Kindern auf Versammlungen wie am gestrigen Samstag, um durch emotionale Bilder politische Botschaften zu senden“, erklärte Spranger laut einer Mitteilung. Kinder bei extremer Hitze auf Demonstrationen vorzuführen habe nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun, sondern mit einer Gefährdung des Kindeswohls.
Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) veröffentlichte einen Videozusammenschnitt der Versammlung. Darin seien mindestens drei Kinder in langer, grüner Kleidung mit Seilen zwischen sich zu sehen, die einem komplett gelb gekleideten Mann folgen. Das JFDA bezeichnete die Demonstration als islamistisch und erklärte, Teilnehmer hätten sich zu Ikonen des islamischen Terrorismus bekannt. Das Fest werde seit Jahrzehnten von der iranischen Führung politisch instrumentalisiert.
Hintergrund des Trauerfests
Aschura gilt als Trauerfest im schiitischen Islam. Gläubige erinnern dabei an den Märtyrertod des Imams Hussein, eines Enkels des Propheten Mohammed. Für einen Großteil der Schiiten hat das Fest auch rein gesellschaftlichen Charakter und ist Anlass für Treffen mit Familie und Freunden.
Nach Angaben der Polizei nahmen rund 600 Menschen an der Versammlung teil, die unter dem Titel Solidarität mit unterdrückten Menschen weltweit angemeldet war. Mehrere Teilnehmende mussten wegen Kreislaufbeschwerden medizinisch versorgt werden. Eine geplante Zwischenkundgebung entfiel, der Aufzug wurde für eine Trinkpause im Schatten unterbrochen. Eingesetzte Dolmetscher stellten nach Polizeiangaben keine strafbaren Inhalte bei Redebeiträgen, Transparenten oder Fahnen fest. Die Versammlung verlief demnach insgesamt friedlich. (mit dpa)
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