Der europäische Fluglinienverband Airlines for Europe (A4E) warnt erneut vor langen Warteschlangen bei Grenzkontrollen an Flughäfen im Schengen-Raum. In einem Brief an die Financial Times schrieb A4E-Chefin Ourania Georgoutsakou am Dienstag, dass Kontrollen im Entry-Exit-System (EES) viermal so lange dauerten wie frühere Grenzkontrollen. Sie machte nationale Behörden für zu wenig Personal und zu wenige Geräte in der Hauptreisezeit verantwortlich.
Das EES erfasst Ein- und Ausreisen von Reisenden aus Drittstaaten an den Außengrenzen des Schengen-Raums. Bei der ersten Einreise müssen unter anderem Fingerabdrücke und Gesichtsbilder aufgenommen werden. Das soll die Grenzkontrolle digitalisieren, verlängert nach Angaben von Flughäfen und Airlines aber die Abfertigung.
Rom warnt vor Chaos im Sommer
Nach einem Bericht des britischen Guardian drohen besonders an den Flughäfen in Rom lange Wartezeiten. Marco Troncone, Chef des Betreibers Aeroporti di Roma, sagte demnach, Fiumicino und Ciampino müssten das System im Sommer zeitweise aussetzen können, um Chaos in der Hauptreisezeit zu vermeiden. Das Verfahren sei mit den erwarteten Passagierzahlen nicht vereinbar.
Der Guardian berichtete auch von längeren Wartezeiten in anderen Ländern. Britische Reisende hätten in einigen Staaten erhebliche Verzögerungen erlebt. Französische Grenzpolizisten hätten zusätzliche Kontrollen am Hafen von Dover im Mai zeitweise ausgesetzt. Griechenland wiederum habe eine frühere Zusage zurückgenommen, britische Reisende bis September von biometrischen Kontrollen auszunehmen.
Verbände sehen Personal- und Technikprobleme
Die Branchenverbände hatten bereits vor dem vollständigen EES-Betrieb gewarnt. Airlines for Europe und ACI Europe erklärten Ende März, Wartezeiten an Flughäfen erreichten in Spitzenzeiten regelmäßig bis zu zwei Stunden, an einzelnen Flughäfen auch mehr. Sie forderten die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten auf, vollständige oder teilweise Aussetzungen des Systems während der Sommersaison weiter zu ermöglichen.
Nach Darstellung der Verbände liegen die Probleme nicht nur bei der Technik. Sie verwiesen auf zu wenig Grenzpersonal, Störungen an Registrierungsterminals, die begrenzte Nutzung automatisierter Grenzschleusen und offene Fragen zur Zuverlässigkeit des zentralen IT-Systems.
Das EES wurde nach mehreren Verzögerungen im Oktober gestartet und bis Mitte April vollständig eingeführt. An den Außengrenzen der 29 teilnehmenden Staaten erfasst das EES Aufenthalte von bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen. Der bisherige Passstempel entfällt.
Seit dem vollständigen Start kann das System bei langen Warteschlangen nicht mehr komplett ausgesetzt werden. Für Flughäfen und Airlines wird die Reisewelle im Sommer damit zum ersten großen Belastungstest.
EU gegen deutsche Grenzkontrollen: Kommission verlangt schrittweisen Abbau
„Brutalo-Lobbying“ gegen Berlin und Emirates: Warum der Flughafen BER im Abseits bleiben soll
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]