Wer dieser Tage am Año Nuevo State Park in Kalifornien vorbeischaut, sieht das Übliche: gewaltige Nördliche See-Elefanten, die sich grau und träge im Sand wälzen.
Einer fällt aus der Reihe. Statt schiefergrau schimmert er auberginefarben. Ein lilafarbener Klops zwischen lauter grauen Artgenossen.
Die Parkmitarbeiterin Irene Reti fotografierte das Tier am 23. Juni. Seitdem macht das Bild in sozialen Netzwerken die Runde, und die Theorien überschlagen sich.
Gendefekt oder falsche Ernährung?
Manche tippten auf eine Laune der Natur, wie sie Tiere sonst schneeweiß oder pechschwarz färbt. Andere vermuteten den Speiseplan.
Letzteres ist nicht abwegig. Bei Seeottern können sich sogar die Knochen violett verfärben, wenn die Tiere große Mengen lila Seeigel fressen. Deren Farbstoff wandert über das Blut bis ins Skelett.
Nur: Das Fell bleibt davon unberührt. Als Erklärung für den lila See-Elefanten fällt die Ernährung also weg.
Die Lösung liegt im Sand
Den entscheidenden Hinweis lieferte Patrick Robinson, der das Reservat für die University of California in Santa Cruz leitet.
Im späten Frühjahr und frühen Sommer häuten sich die meisten See-Elefanten. Gleichzeitig spült das Meer Unmengen Algen an den Strand.
„Diese Algen können das Fell der Robben vorübergehend einfärben“, erklärt Robinson gegenüber dem Magazin IFLScience. Wer lange genug darin döst, wird kräftiger getönt.
Verantwortlich sind verschiedene Rotalgen, deren Wirkung laut Robinson „besonders auffällig“ ausfällt.
Der See-Elefant hat sich also schlicht in die falsche Algenschicht gelegt. Für die Schaulustigen am Strand war es die goldrichtige. Mit der Zeit wäscht sich die Farbe wieder heraus.
Flamingos kennen den Trick längst
Dass Pigmente Tiere umfärben, ist keine Seltenheit. Das bekannteste Beispiel watet auf rosa Beinen durch flache Gewässer.
Flamingos kommen grau zur Welt. Ihr berühmtes Pink stammt aus winzigen Krebsen und Algen, die sie fressen.
Darin stecken Carotinoide, also jene Farbstoffe, die auch Karotten und Paprika ihre Töne geben. Über die Nahrung wandern sie ins Gefieder, und der Vogel wird rosa.
Beim See-Elefanten in Kalifornien ging es deutlich schneller und unblutiger. Ein Nickerchen in der richtigen Alge hat gereicht.
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