Vor den tödlichen Schüssen in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade mit sechs Toten soll die mutmaßliche Fahrerin des Fluchtwagens ein 20-seitiges Dokument an mehrere Medien verschickt haben. Das berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ). Bei der 65-Jährigen soll es sich nach Recherchen der Zeitung um die Patentante der wenige Monate alten Tochter des 45 Jahre alten Tatverdächtigen Fatih Khan G. handeln.
Waffe eine Woche vor der Tat gekauft
Der Tatverdächtige soll die Tatwaffe nach NDR-Informationen bereits eine Woche vor der Tat in Berlin erworben haben. Bei der Waffe handelt es sich demnach um eine Beretta Modell 70. Der 45-Jährige habe sie am Kurfürstendamm gekauft und für die Waffe sowie 21 Schuss Munition rund 4000 Euro bezahlt.
Das Schreiben soll den Titel „Chronologie eines Albtraums – Der Fall B.“ tragen und laut HAZ auffällig juristisch versiert formuliert sein. Nach Recherchen der Zeitung arbeitet die Frau für eine Lobbyorganisation, die binationale Ehepaare berät. Versandt worden sei das Dokument am 26. Juni, um den Fall öffentlich zu machen.
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Sorgerechtsstreit als Hintergrund
In dem Dokument schildert die Patentante dem Bericht zufolge den Konflikt der Eltern mit Ärzten, Behörden und dem Jugendamt aus Sicht der Familie. Ausgelöst worden sei der Streit durch eine schwere Kopfverletzung des Kindes. Ärzte hätten eine Hirnblutung festgestellt und vermutet, der Vater habe das Kind geschüttelt. Der Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit habe dies bestritten und von einem „unbeabsichtigten Vorfall“ gesprochen. Die HAZ weist darauf hin, dass die Vorwürfe nicht unabhängig überprüfbar seien, weil sich die betroffenen Stellen wegen Datenschutz und Schweigepflicht nicht äußerten.
Die Patentante beschreibt den Vater dem Bericht zufolge als „ruhigen, besonnenen und kooperativen Mann“ und wendet sich gegen die Darstellung von Ärzten und Behörden, die ihn als „aggressiven, unberechenbaren Mann“ gezeichnet hätten. Das Dokument endet laut HAZ Ende Mai, nachdem ein Gericht entschieden hatte, dass die 34-jährige Mutter zu ihrer Tochter in die Jugendhilfeeinrichtung ziehen darf.
Fluchtwagen mit Schüssen gestoppt
Nach den Schüssen flüchtete der 45-Jährige nach Angaben der Ermittler in einem Mercedes, an dessen Steuer die 65-Jährige saß. Die Polizei stoppte das Fahrzeug später mit Schüssen auf die Reifen und nahm die Fahrerin vorläufig fest. Gegen den Tatverdächtigen wurde Haftbefehl erlassen, eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen.
Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten wegen der Mordmerkmale Heimtücke und niederer Beweggründe als sechsfachen Mord. Unter den Toten sind drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover und drei Beschäftigte der Jugendhilfeeinrichtung. Die 34-jährige Mutter und ihr Baby sind nach Angaben des niedersächsischen Sozialministeriums nach der Schließung der Wohngruppe anderweitig untergebracht worden. (mit dpa)
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