Nach landesweiten Protesten gegen Zuwanderung in Südafrika hat die Polizei mehr als 900 Menschen festgenommen. Das teilte die stellvertretende Polizeichefin Tebello Mosikili am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit, wie die Nachrichtenagentur Reuters und der südafrikanische Sender EWN berichteten. Von den 120 Märschen am Vortag seien 108 friedlich verlaufen, in zwölf Fällen habe die Polizei wegen Ausschreitungen eingreifen müssen.
Unter den Festgenommenen seien sowohl irreguläre Migranten als auch Demonstranten, denen die Polizei Gewalttaten und Plünderungen vorwerfe, hieß es laut EWN. In den Provinzen Westkap, Ostkap, Freistaat und KwaZulu-Natal seien jeweils mehr als 100 Menschen in Gewahrsam genommen worden. Allein in der Provinz Ostkap zählte die Polizei nach einem weiteren EWN-Bericht bei 28 Märschen über 200 Festnahmen.
Militär unterstützt Polizei in Johannesburg
In fünf der neun südafrikanischen Provinzen habe die Polizei über Nacht Verstärkung zusammengezogen, um auf einzelne Plünderungen und weitere Straftaten zu reagieren, meldete Reuters. In das Stadtviertel Hillbrow in Johannesburg seien zusätzlich Soldaten entsandt worden, um die Sicherheitskräfte zu unterstützen.
Laut EWN verteidigte die Polizei das Vorgehen der Einsatzkräfte. Diese seien nicht nur präsent, sondern auch vorbereitet und wirksam gewesen. Wer die Demonstrationen für kriminelle Zwecke ausgenutzt habe, sei identifiziert und zur Rechenschaft gezogen worden.
Frist einer Anti-Migranten-Bewegung als Auslöser
Anlass der Märsche am Dienstag war nach Angaben von Reuters eine Frist, die eine Anti-Migranten-Bewegung Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere für die Ausreise gesetzt hatte. Vorausgegangen seien monatelange Unruhen, bei denen Ausländer aus ihren Wohnungen vertrieben sowie deren Geschäfte und Eigentum beschädigt worden seien. Seit Beginn der Proteste im April wurden nach Reuters-Angaben mindestens vier Menschen gewaltsam getötet, Tausende wurden aus ihren Wohnungen vertrieben.
Die Gruppe March and March, die hinter den jüngsten Protesten steht, weist nach Reuters-Angaben zurück, Gewalt zu fördern. Gründerin Jacinta Ngobese sagte Reuters in einem früheren Interview, die Gruppe versuche, Wut auf die Regierung zu lenken, könne aber nicht in jeder Gemeinde sein und den Menschen sagen, wie sie sich zu verhalten hätten.
Nachbarstaaten holen Bürger zurück
Präsident Cyril Ramaphosa erklärte am Montag, die Sorgen vieler Südafrikaner über illegale Einwanderung seien real und müssten gehört werden. Zugleich warnte er, das Recht auf Protest erlaube weder Gewalt noch Drohungen. Die Afrikanische Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker, ein Organ der Afrikanischen Union, hat Südafrika dazu aufgerufen, Organisatoren und Beteiligte an Ausschreitungen gegen Ausländer strafrechtlich zu verfolgen.
Mehrere Herkunftsstaaten holen wegen der angespannten Lage Migranten zurück. Nach Angaben des ugandischen Außenministeriums hatten sich bis Sonntag rund 750 Ugander für eine freiwillige Ausreise registriert. Auch Nigeria, Ghana, Malawi, Kenia und Mosambik haben Rückholungen organisiert, Sambia unterstützt ausreisewillige Bürger.
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