Die Bundeswehr hat ihr Abwehrsystem gegen ballistische Raketen um einen weiteren Standort erweitert. Kernstück des Systems ist der bereits aktive Stützpunkt auf dem Truppenübungsplatz Annaburger Heide an der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt und Brandenburg, den die Luftwaffe im vergangenen Dezember als ersten von drei geplanten Arrow-Standorten in Deutschland in Betrieb genommen hat. Als zweiter Standort kommt nun Kaufbeuren in Bayern hinzu. Ein dritter Stützpunkt ist nach Angaben des US-Fachmagazins Defense News in Schleswig-Holstein vorgesehen.
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Erster Standort schließt zentrale Fähigkeitslücke
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte bei einem Besuch im Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe in Kaufbeuren, das System schließe „eine zentrale Fähigkeitslücke bei der Abwehr“. Es handele sich um ein hochmodernes Raketenabwehrsystem.
Generalleutnant Holger Neumann sprach von einer Entscheidung von strategischer Bedeutung. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe gezeigt, dass militärische Bedrohungen wieder Realität geworden seien. „Der Krieg ist zurück in Europa“, sagte Neumann. Weltweit sei zudem eine zunehmende Verbreitung und Weiterentwicklung ballistischer Raketen zu beobachten. Das System ermögliche eine frühzeitige Warnung und sei rein defensiv ausgerichtet.
Ausbau bis Ende des Jahrzehnts
Am zweiten Standort in Kaufbeuren soll die Radaranlage entstehen, die Abfangraketen sind auf dem nahegelegenen Fliegerhorst Lagerlechfeld vorgesehen. Die bauliche Fertigstellung ist für 2028 geplant. Den vollständigen operativen Ausbau des Arrow-Systems an mehreren Stützpunkten erwartet Berlin laut Defense News bis zum Ende des Jahrzehnts.
Das gemeinsam von Israel und den USA entwickelte Arrow-3-System soll feindliche Raketen in einer Höhe von mehr als 100 Kilometern zerstören können – eine Fähigkeit, über die die Bundeswehr bislang nicht verfügt. In Israel ist Arrow 3 seit 2024 im Einsatz. Nach Angaben von Defense News unterzeichneten Deutschland und Israel im Dezember einen Folgevertrag über 3,1 Milliarden US-Dollar zur Aufstockung der Abfangraketen- und Startgerätebestände. Damit übersteigen die deutschen Gesamtbestellungen für das System 6,5 Milliarden US-Dollar. (mit dpa)
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