Energie

Nach Öl-Stopp: Reiche sucht in Kasachstan Lösungen für Schwedt

Nach dem Stopp kasachischer Öllieferungen über Russland wirbt die Wirtschaftsministerin in Astana für eine engere Partnerschaft. Für die PCK Schwedt und Ostdeutschland steht viel auf dem Spiel.

4 Min
PCK Schwedt im Fokus: Reiche wirbt in Kasachstan um neue Energiepartnerschaft.

PCK Schwedt im Fokus: Reiche wirbt in Kasachstan um neue Energiepartnerschaft.

© Thomas Trutschel/imago

Der Lieferstopp für kasachisches Rohöl über die russische Druschba-Pipeline war ein schwerer Schlag für die PCK-Raffinerie in Schwedt. Während Russland seit Mai die Durchleitung des kasachischen Öls blockiert, reiste Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in dieser Woche nach in die kasachische Hauptstadt Astana, um die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem zentralasiatischen Land auszubauen. Besonders für Ostdeutschland geht es dabei um weit mehr als nur Diplomatie. Die Gespräche könnten entscheidend dafür sein, wie stabil die Rohstoffversorgung der Raffinerie in Schwedt künftig gesichert werden kann.

Die Bundesregierung bezeichnet Kasachstan inzwischen als strategischen Partner. „Kasachstan war 2025 unser viertgrößter Öllieferant mit 10,4 Millionen Tonnen“, erklärte Reiche vor ihrer Reise. „Eine zukunftsfähige Industrie in Deutschland benötigt Rohstoffe, welche in Kasachstan abgebaut werden. Kasachstan braucht deutsches Kapital und deutsche Technologie, um mehr Wertschöpfung im eigenen Land zu schaffen.“ Es gehe nicht um einseitige Abnahmeverträge, sondern um eine langfristige Partnerschaft mit klarem Gewinn für beide Seiten, so die Wirtschaftsministerin.

„Deutschland einer der größten Partner“

Allen voran für die PCK-Raffinerie ist die Reise von besonderer Bedeutung. Bis zum Lieferstopp stammten rund 20 Prozent des in Schwedt verarbeiteten Rohöls aus Kasachstan. Dieses Öl erreichte Brandenburg allerdings über russisches Territorium – genau diese Route wurde im Mai unterbrochen. Zwar lag die Auslastung der Raffinerie zuletzt noch bei rund 82 Prozent, langfristig gilt eine verlässliche Versorgung jedoch als entscheidend für den Standort und Tausende Arbeitsplätze in der Uckermark sowie in den angeschlossenen Chemie- und Logistikunternehmen Ostdeutschlands.

In Astana machte währenddessen Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew deutlich, dass sein Land die Beziehungen zu Deutschland weiter vertiefen wolle. „Deutschland ist einer der größten Handels- und Investitionspartner Kasachstans“, sagte Tokajew. Zugleich bekräftigte der kasachische Präsident laut Tengri News die Bereitschaft seines Landes, „alle notwendigen Bedingungen für eine stärkere Präsenz deutscher Unternehmen auf unserem Markt zu schaffen“. Nach offiziellen Angaben flossen seit 2005 mehr als acht Milliarden US-Dollar deutscher Direktinvestitionen nach Kasachstan; inzwischen sind dort über 1000 Unternehmen mit deutscher Beteiligung tätig.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Auch Reiche hob bei ihrem Treffen mit Tokajew die Bedeutung des zentralasiatischen Landes hervor. Kasachstan sei „Deutschlands wichtigster Handels- und Wirtschaftspartner in Zentralasien“ und verfüge über „ein enormes Potenzial für den Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit“, erklärte sie nach Angaben der kasachischen Präsidialverwaltung.

Bundeswirtschaftsministerin Reiche trifft den Leiter des Astana International Financial Centre, Renat Bekturow, in Astana. Im Mittelpunkt standen Investitionen und die deutsch-kasachische Wirtschaftskooperation.

Bundeswirtschaftsministerin Reiche trifft den Leiter des Astana International Financial Centre, Renat Bekturow, in Astana. Im Mittelpunkt standen Investitionen und die deutsch-kasachische Wirtschaftskooperation.

© Thomas Trutschel/imago

Neben der Ölversorgung standen weitere Zukunftsthemen auf der Agenda. Diskutiert wurden Investitionen in Industrie und Digitalisierung, der Ausbau der Transportkorridore zwischen Europa und Asien sowie die Förderung und Verarbeitung Seltener Erden und anderer kritischer Rohstoffe. Außerdem vereinbarten beide Seiten, die Zusammenarbeit bei Wasserstoffprojekten und moderner Energietechnik auszubauen. Nach Angaben des kasachischen Energieministeriums wurde auch über die Fortsetzung der Öllieferungen nach Deutschland gesprochen. Beide Seiten hätten Möglichkeiten erörtert, „stabile Exportlieferungen unter den sich verändernden weltwirtschaftlichen Bedingungen aufrechtzuerhalten“. Zudem solle die Exportlogistik flexibel an neue Rahmenbedingungen angepasst werden.

Für Ostdeutschland könnte diese engere Partnerschaft erheblich an Bedeutung gewinnen. Sollte es gelingen, die Lieferketten für kasachisches Öl dauerhaft abzusichern oder alternative Transportwege zu etablieren, würde dies die Versorgung der PCK-Raffinerie stabilisieren und die Abhängigkeit von russischen Entscheidungen verringern. Ob die Gespräche bereits kurzfristig zu einer Lösung für Schwedt führen, blieb zunächst offen. Die Reise macht jedoch deutlich, dass das politische Berlin die Energieversorgung Ostdeutschlands zunehmend als Teil einer langfristigen Rohstoff- und Industriepartnerschaft mit Kasachstan versteht.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner