Volker Türk warnt vor einer neuen Welle schwerer Übergriffe gegen Zivilisten in der sudanesischen Stadt El Obeid. Vor dem Menschenrechtsrat in Genf sprach der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte am Freitag von einem „roten Alarm". Dieser müsse auf den Schreibtischen der Staats- und Regierungschefs weltweit landen. Die Anzeichen aus El Obeid seien eindeutig: Es bahne sich eine weitere Menschenrechtskrise im Sudan an.
El Obeid ist die Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Kordofan und beherbergt nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) rund eine halbe Million Menschen, darunter mehr als 83.000 Binnenvertriebene.
Um die Stadt kämpfen die sudanesischen Streitkräfte und die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) seit rund anderthalb Jahren. Die Zivilbevölkerung lebe unter belagerungsähnlichen Bedingungen und leide unter Wasserknappheit sowie anhaltenden Drohnenangriffen, sagte Türk.
Dutzende Tote durch Drohnenangriffe
Das UN-Menschenrechtsbüro dokumentierte zwischen dem 6. und 28. Juni nach eigenen Angaben 15 Drohnenangriffe in El Obeid und Umgebung. Dabei seien mindestens 45 Zivilisten getötet und 41 verletzt worden. Die tatsächliche Zahl liege vermutlich höher.
In der weiteren Region Kordofan seien wiederholt Märkte, Schulen, Tankstellen, Wasserinfrastruktur und zivile Fahrzeuge getroffen worden. Allein in El Obeid und Al Rahad seien mindestens 13 Tankstellen durch RSF-Drohnen beschädigt worden.
Türk verwies auf die Erfahrungen aus El Faschir in Nord-Darfur. Dort seien Ende Oktober bei der Einnahme der Stadt durch die RSF innerhalb von drei Tagen mindestens 6000 Menschen getötet worden. Sein Büro habe Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit festgestellt, darunter Massentötungen, Hinrichtungen ohne Verfahren, sexualisierte Gewalt und Folter. Eine Wiederholung dürfe die Staatengemeinschaft nicht zulassen.
Resolution im Menschenrechtsrat
Der Menschenrechtsrat beriet auf Initiative Großbritanniens über einen Resolutionsentwurf, den auch Deutschland, Irland, die Niederlande und Norwegen einbrachten. Er verurteilt nach Angaben der Nachrichtenagentur AP die Gewalt der RSF und ihrer Verbündeten und wendet sich gegen jede Form äußerer Einmischung in den Krieg. Die britische Außenministerin Yvette Cooper erklärte, die Weltgemeinschaft müsse verhindern, dass El Obeid zur nächsten Tragödie werde.
Die IOM warnte, ein umfassender Angriff auf die Stadt könne erneut Hunderttausende Zivilisten vertreiben. Seit Februar sei die Zahl neu Vertriebener in der Region Kordofan um fast zwei Drittel auf mehr als 219.000 Menschen gestiegen. Die RSF erklärte laut Reuters, ihre Einsätze bei El Obeid seien militärischer Natur, Zivilisten würden nicht gezielt angegriffen.
Der Außenminister der armeenahen sudanesischen Regierung, Mohieldin Salim Ahmed Ibrahim, forderte den Rat auf, den Zufluss moderner Waffen an die RSF zu stoppen. Türk verlangte zudem eine humanitäre Feuerpause und rief dazu auf, das bislang nur für Darfur geltende Waffenembargo auf das ganze Land auszuweiten.
Im April 2023 war der der Machtkampf zwischen der Armee und der RSF-Miliz in der Hauptstadt Khartum und anderen Teilen des Landes zu einem offenen Krieg eskaliert. Der andauernde Konflikt hat nach AP-Angaben mindestens 59.000 Menschen das Leben gekostet und rund 13 Millionen Menschen in die Flucht getrieben.
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