Kommentar

Berlin-Blackout: Neuer Bericht entlarvt schwere Krisenfehler – jetzt gerät Kai Wegner wieder unter Druck

Berlin versagt im Blackout-Chaos. Experten fordern 150 Reformen. Doch warum verschleiert Wegner seine Vorgehen? Ein Kommentar.

3 Min
Berlins Bürgermeister Kai Wegner.

Berlins Bürgermeister Kai Wegner.

© Hannes P Albert

Es sind zwei Sätze, die man sich merken sollte. Der erste stammt von einer unabhängigen Expertenkommission und lautet sinngemäß: Berlin war am 3. Januar 2026 nicht auf der Höhe der Lage. Die Experten haben gestern im Roten Rathaus ihre Empfehlungen vorgestellt – hier ein ausführlicher Bericht dazu.

Der zweite stammt von Kai Wegner und lautet, er habe an jenem Morgen ab 8:08 Uhr telefoniert – mit allen, die Rang und Namen haben, vom Bundeskanzleramt bis zum Innenminister. Zwischen diesen beiden Sätzen liegt die eigentliche politische Geschichte des Berliner Blackouts.

Vier Tage ohne Strom und Heizung, 100.000 betroffene Menschen, mitten im Winter, ausgelöst durch einen mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag: Das war die Ausgangslage. Der heute im Roten Rathaus vorgestellte Bericht liefert 150 Reformvorschläge – von einem Chief Resilience Officer über ein ständiges Krisenzentrum bis zu „Kiezboxen“ im Quartier.

Die Kommission verzichtet höflich auf Schuldzuweisungen. Doch wer so viele neue Strukturen fordert, sagt damit unmissverständlich: Die alten haben nicht getragen. Gesteuert wurde nicht, es wurde improvisiert.

Und dann ist da noch Wegners eigene Erzählung. Sie zerbröselt gerade Schriftliche Anfrage für Schriftliche Anfrage. Das Kanzleramt-Telefonat? Fand am Abend statt, nicht am Vormittag. Der große Krisen-Reigen vor dem Tennisplatz? Reduziert sich auf ein paar Messenger-Nachrichten und ein kurzes Gespräch mit der Wirtschaftssenatorin „gegen 12.45 Uhr“. Selbst das Bundeskanzleramt hat inzwischen öffentlich klargestellt, was nicht stattgefunden hat.

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Dazu die Kommunikationsstrategie der Senatskanzlei: Auf konkrete Fragen kommen weiche Formeln wie „im Austausch gewesen“. Telefonlisten? Würden „grundsätzlich nicht veröffentlicht“, das könne die „Funktionsfähigkeit der Regierung“ gefährden. Rechtlich mag das halten. Politisch ist es eine Bankrotterklärung – erst recht, wenn Redaktionen inzwischen vor Gericht ziehen müssen, um zu erfahren, was der Regierende Bürgermeister an einem Krisensamstag tatsächlich getan hat.

Die Kommission fordert für die Zukunft radikale Transparenz. Wegner müsste sie zuerst bei sich selbst anwenden – und zwar rückwirkend, für den 3. Januar 2026. Alles andere wäre die Bestätigung des Verdachts, den der Bericht so diplomatisch umschifft: dass in Berlin nicht nur die Krisenarchitektur reformbedürftig ist, sondern auch der Umgang ihres Chefs mit unbequemen Fakten.

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