Nato-Gipfel

Ohne die USA: Europäische Nato-Staaten und Kanada planen Marinemission im Norden

Insgesamt zwölf Nato-Staaten wollen gemeinsam militärische Präsenz im Nordatlantik und in der Arktis zeigen. Der Vorstoß fällt in eine Phase neuer Spannungen um Grönland.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Das spanische Docklandungsschiff ESPS „Castilla“ bei einem Nato-Manöver

Das spanische Docklandungsschiff ESPS „Castilla“ bei einem Nato-Manöver

© Marcus Brandt/dpa

Elf europäische Nato-Staaten und Kanada bereiten eine neue Marinemission zur Sicherung des Nordatlantiks und der Arktis vor. Wie die spanische Zeitung El País unter Berufung auf Bündnisquellen berichtet, sollen US-Streitkräfte an dem Einsatz nicht beteiligt sein. Die Initiative könne bereits an diesem Mittwoch am Rande des Nato-Gipfels im türkischen Ankara besiegelt werden.

An der Mission sollen dem Bericht zufolge die Niederlande, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die nordischen Länder, Kanada, Portugal und Spanien teilnehmen. Vorgesehen seien militärische Präsenz, Manöver und Patrouillenfahrten in einem Gebiet, das die Nato als durchgehende Verteidigungslinie vom arktischen Eis bis zum offenen Meer betrachte.

Der Vorstoß sei Teil einer Reihe von Vorhaben, mit denen die europäischen Verbündeten und Kanada Lücken schließen wollen, die durch die angekündigte Reduzierung der militärischen Beiträge Washingtons in Europa entstehen.

Streit um Grönland überschattet Gipfel

Der Zeitpunkt fällt mit neuen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zusammen. Bei seiner Ankunft in Ankara sagte Trump laut Reuters, Grönland solle „von den USA und nicht von Dänemark kontrolliert" werden. Die zu Dänemark gehörende Insel sei von chinesischen und russischen Schiffen umringt.

Trump warf den europäischen Verbündeten zudem mangelnde Unterstützung im Krieg gegen den Iran vor und drohte nach Angaben des britischen Guardian mit einem Abzug aller US-Soldaten aus Europa.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wies die Forderungen in Ankara zurück. Grönland stehe nicht zum Verkauf, sagte sie laut Reuters. Sie erwarte, dass die Bündnispartner die Souveränität des Königreichs Dänemark respektierten. Grönlands Außenminister Mute Egede erklärte auf Facebook, über die Zukunft der Insel entscheide deren Bevölkerung. „So war es immer. Und so wird es immer sein", schrieb er. Die enge Zusammenarbeit mit den Verbündeten werde fortgesetzt.

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Nach Angaben von El País hat Washington den europäischen Verbündeten zudem angekündigt, seine für die Nato bereitgestellten militärischen Mittel deutlich zu verringern. Betroffen seien unter anderem Kampfflugzeuge, strategische Bomber, Zerstörer, U-Boote, Tankflugzeuge und bewaffnete Drohnen. Das Pentagon habe eine sechsmonatige Überprüfung seiner Präsenz in Europa eingeleitet. Zudem seien 5000 US-Soldaten aus Deutschland abgezogen und das Programm zur Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland eingefroren worden.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete die jüngsten US-Angriffe auf den Iran gegenüber Reportern als „absolut notwendig". Trumps Kritik an einzelnen Verbündeten spielte er als Einzelfälle herunter.

Die Botschafter der 32 Nato-Staaten haben nach Reuters-Angaben bereits eine Gipfelerklärung gebilligt, die ein „unerschütterliches Bekenntnis" zur kollektiven Verteidigung bekräftigt. Sie soll erst nach der Zustimmung der Staats- und Regierungschefs veröffentlicht werden.

Gegenüber Gastgeber Recep Tayyip Erdoğan äußerte sich Trump betont freundlich und stellte eine mögliche Wiederaufnahme der Türkei in das US-Programm für den Kampfjet F-35 in Aussicht. Ankaras Zugang war 2019 nach dem Kauf des russischen Luftabwehrsystems S-400 ausgesetzt worden.

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