Der Buckelwal Hartwin ist am vergangenen Wochenende in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze gesichtet worden. Die Tierschutzorganisation „Stranded No More", die den Weg des Tieres seit Monaten dokumentiert, meldete in den sozialen Medien zwei neue Beobachtungen: Am Samstag, dem 4. Juli, sei Hartwin an einer Klappbrücke in Sønderborg in Dänemark gesehen worden, einen Tag später bei Egernsundbroen.
Nach Angaben der Organisation befand sich der Wal dort nur fünf bis sechs Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. „Er befindet sich höchstwahrscheinlich bereits in deutschen Gewässern", heißt es in der Mitteilung. „Und niemand ist auf ihn vorbereitet. Eine weitere Tragödie bahnt sich an."
Die Bedingungen im Sichtungsgebiet gelten für einen Buckelwal als problematisch. Die Wassertemperatur liege bei rund 19,5 Grad Celsius, die Wassertiefe betrage lediglich fünf bis zwölf Meter. Beides sei für die Meeressäuger, die kaltes und tiefes Wasser bevorzugen, ungünstig.
Monatelange Wanderung durch Europas Gewässer
Hartwin wurde erstmals am 18. Januar bei Bloemendaal in den Niederlanden dokumentiert. Anschließend registrierten Beobachter das Tier unter anderem bei den Lofoten in Norwegen, in der schottischen Bucht Moray Firth, vor South Shields in England sowie in der Nähe von Kruiningen in den Niederlanden. Seit Mitte Juni hält sich der Wal in Gewässern rund um Dänemark auf.
Die Tierschützer von „Stranded No More" hatten in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, Briefe an dänische Behörden zu schreiben, um Hilfsmaßnahmen einzufordern. „Hartwin verdient es, geholfen zu werden", schrieb die Organisation. „Er ist kein alter, kranker Wal, er ist ein Wal in Not, ein Kämpfer." Die Situation sei mit dem Fall des Wals Timmy Hope vergleichbar, der mehrfach an der Ostseeküste gestrandet und später im Rahmen einer Rettungsaktion an die Ostsee gebracht worden war. Seit sechs Monaten sei Hartwin trotz Sichtungen in zahlreichen Ländern nicht geholfen worden. „Es muss ein System für Wale wie Hartwin geben. Diese Fälle werden nur zunehmen, und das nicht, weil die Population wächst."
Experte hält Überleben für ausgeschlossen
Nach Einschätzung des Fachmanns Buch-Illing bewegt sich Hartwin auffällig langsam und dürfte bereits stark geschwächt sein. Zudem weise der Wal eine ungewöhnlich helle Hautoberfläche auf – normalerweise ist die Haut von Buckelwalen dunkel. Möglicherweise sei das Tier von Parasiten befallen.
Buch-Illing vermutet, dass Hartwin gezielt in flachere Gewässer schwimme, um sich auszuruhen. Dass er dies rechtzeitig erreiche, hält er jedoch für unwahrscheinlich: „Da gibt's keine Chance. Er wird sterben", sagte der Fachmann.
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