Am Donnerstag wurde es ernst: 186,2 Kilometer von Pau hinauf nach Gavarnie-Gèdre, über den Col d'Aspin und den berüchtigten Col du Tourmalet – die erste Hochgebirgsetappe dieser Tour. Für Max Kanter vom Team XDS Astana hieß das: durchkommen. Der gebürtige Cottbuser übersteht den Tag als 146. im großen Gruppetto, jener Gruppe der Sprinter und Nicht-Kletterer, die sich gemeinsam über die Berge rettet. Mit 42:08 Minuten Rückstand rollte er ins Ziel – heil, kontrolliert und rund neun Minuten vor dem Zeitlimit.
Für einen Sprinter ist ein Tag wie dieser reine Überlebensarbeit. „Der Tourmalet ist ein Monster. Für uns Schnelle geht es da nur darum, clever zu rollen und keine Körner zu verschenken“, sagt Kanter der OAZ. Die Devise lautet: nicht überziehen und gemeinsam das Zeitlimit sicher erreichen. Dass er dabei Kräfte spart, zahlt sich aus. Obwohl am Berg für ihn nichts zu holen ist, verbessert sich Kanter in der Punktewertung von Rang drei auf Rang zwei. Mit 93 Punkten liegt er hinter Mads Pedersen (168), aber vor Biniam Girmay (91) und Jasper Philipsen (86).
Mythos seit mehr als einem Jahrhundert
Signature Move: Tadej Pogačar feiert seinen Etappensiege mit bekannter Pose.
© Bastien Arberet/imago
Der Tourmalet zählt zu den größten Mythen der Tour de France. Der 2.115 Meter hohe Pass steht 1910 erstmals im Streckenplan. Damals überquert ihn der spätere Toursieger Octave Lapize als Erster und beschimpft die Organisatoren nach der Etappe als „Assassins!“ – „Mörder!“. Seitdem gehört der Anstieg zu den berühmtesten Prüfsteinen des Radsports.
Sportlich setzt UAE Team Emirates-XRG am Tourmalet die entscheidenden Akzente. Isaac del Toro verschärft das Tempo, ehe Tadej Pogačar attackiert und sich mit einer beeindruckenden Solofahrt absetzt. Nach 4:32:07 Stunden gewinnt der Slowene die Etappe mit 2:38 Minuten Vorsprung vor Jonas Vingegaard, Teamkollege del Toro folgt weitere 19 Sekunden später. Der bisherige Träger des Gelben Trikots, Torstein Træen, verliert nach einem Sturz und einem Einbruch mehr als 22 Minuten – Pogačar übernimmt damit wieder die Gesamtführung.
Aus deutscher Sicht bestätigt Florian Lipowitz seine starke Form. Er erreicht mit der Gruppe um Isaac del Toro das Ziel und behauptet als Gesamt-Siebter seine Position als bester Deutscher. Das deutsche WorldTour-Team Red Bull-Bora-hansgrohe stellt mit Lipowitz und dem Gesamtvierten Remco Evenepoel gleich zwei Fahrer unter den besten Zehn – ein Luxus, den sich sonst nur UAE Team Emirates-XRG und Lidl-Trek leisten.
Max Kanter auf Tour – Et. 5: In der Weltspitze angekommen
Max Kanter erzielt beim Tour-de-France-Debüt starken zweiten Platz in Pau
Für Kanter bietet sich schon am Freitag die nächste Chance. „Morgen in Bordeaux will ich wieder ganz vorn dabei sein“, sagt er mit Blick auf die flache Sprintetappe. Auch das kupierte Finale in Bergerac am Samstag dürfte wieder den schnellen Fahrern liegen, ehe das Profil am Sonntag auf der neunten Etappe, der letzten vor dem ersten Ruhetag, erneut deutlich anspruchsvoller wird.
Die OAZ begleitet Max Kanter bei der Tour de France über alle 21 Etappen.
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