Nach einem iranischen Angriff auf ein Containerschiff in der Straße von Hormus hat das US-Militär neue Luftschläge gegen Ziele im Iran geflogen. Teheran erklärte die für den Welthandel wichtige Meerenge für gesperrt und griff US-Stützpunkte in mehreren Golfstaaten an.
Das US-Regionalkommando Centcom teilte auf der Plattform X mit, US-Streitkräfte hätten in der Nacht zum Sonntag rund 140 militärische Ziele im Iran angegriffen. Dazu zählten demnach Raketen- und Drohnenstellungen, Munitionsdepots, Kommunikationsnetze, Marineeinrichtungen sowie Anlagen zur Küstenüberwachung.
In drei Angriffsnächten dieser Woche seien insgesamt mehr als 300 Ziele attackiert worden, um die iranischen Fähigkeiten zu Angriffen auf zivile Seeleute und Handelsschiffe in der Meerenge zu schwächen, so Centcom. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb in einem Beitrag in sozialen Medien: „Iran hat eine schlechte Wahl getroffen. Jetzt zahlt es den Preis.“
Angriff auf Containerschiff als Auslöser
Auslöser der jüngsten Eskalation war laut Centcom ein Angriff der iranischen Revolutionsgarden auf ein unter zyprischer Flagge fahrendes Containerschiff. Ein Besatzungsmitglied der „M/V GFS Galaxy“ werde vermisst, das Schiff sei schwer beschädigt und könne seine Reise nicht fortsetzen. Die britische Behörde UK Maritime Trade Operations meldete, die Besatzung eines beschädigten Frachters in der Nähe der Meerenge habe das Schiff verlassen müssen.
Die Revolutionsgarden erklärten laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, sie hätten Warnschüsse auf ein Schiff abgefeuert, das eine „nicht genehmigte Route“ befahren habe. Später berichteten sie, ein zweites Schiff in der Meerenge angegriffen zu haben.
Die Straße von Hormus bleibe geschlossen, bis die „Einmischung der USA in der Region“ ende, hieß es weiter. Über die Meerenge wurden vor Kriegsbeginn nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgas-Lieferungen abgewickelt. Centcom erklärte hingegen, Handelsschiffe passierten die Wasserstraße weiterhin.
Die von der Nasa erstellte Satellitenaufnahme zeigt die Straße von Hormus, die den Golf von Oman (l) mit dem Persischen Golf (r) verbindet.
© Nasa
Iranische Vergeltungsschläge in mehreren Golfstaaten
Nach den US-Angriffen meldete der Iran Vergeltungsschläge auf US-Militäranlagen in der Region. Die Revolutionsgarden erklärten laut Irna, sie hätten mit mehreren ballistischen Raketen die Prinz-Hassan-Luftwaffenbasis in Jordanien angegriffen und dort ein Kommandozentrum sowie Drohnenhangars zerstört. Die halboffizielle Agentur Fars berichtete zudem über Angriffe auf den US-Stützpunkt Al-Udeid in Katar.
Iranische Staatsmedien meldeten außerdem Drohnenangriffe auf eine Patriot-Raketenstellung, ein Munitionsdepot und einen Radarstandort in Kuwait, auf US-Kommunikations- und Radaranlagen in Bahrain sowie auf Versorgungsplattformen für Flugzeugträger im omanischen Hafen Duqm.
Katars Verteidigungsministerium teilte auf X mit, ein Raketenangriff sei abgefangen worden. Die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten, ihre Luftabwehr habe Raketen und Drohnen aus dem Iran bekämpft. In Bahrain heulten Sirenen, in Doha waren Explosionen zu hören. Kuwaits Streitkräfte teilten laut X mit, „feindliche Luftziele“ über dem eigenen Territorium abgefangen zu haben.
Iranische Staatsmedien berichteten derweil über Explosionen an mehreren Orten entlang der Südküste des Landes, darunter in den Energiedrehkreuzen Bushehr und Asalouyeh sowie in den Hafenstädten Bandar Abbas und Bandar-e Dayyer.
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Verhandlungen über Waffenstillstand: Diplomatie stockt
Irans Außenminister Abbas Araghchi hatte sich am Samstag in Oman mit seinem Amtskollegen Badr Albusaidi getroffen, um über eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu beraten. Nach Angaben aus Muscat sollen die Gespräche auf technischer und politischer Ebene fortgesetzt werden. Ranghohe US-Vertreter waren nach Informationen von Bloomberg nicht beteiligt. Der iranische Chefunterhändler Mohammad Baqer Ghalibaf schrieb auf X: „Die Ära einseitiger Abkommen ist vorbei.“
US-Präsident Donald Trump hatte die zuvor vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA, Israel und Iran in dieser Woche für beendet erklärt, ließ aber weitere Verhandlungen offen. Nach Einschätzung von Reuters ist der Anstieg der Energiepreise infolge der faktischen Blockade der Meerenge für Trump mit Blick auf die Kongresswahlen im November innenpolitisch heikel.
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