Die geplante internationale Schutztruppe für die Ukraine soll in den kommenden Monaten erstmals Militärmanöver in Nachbarstaaten des Landes abhalten. Das kündigte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach Beratungen westlicher Unterstützerstaaten am Montag in Paris an. „Wir haben heute entschieden, dass in den kommenden Monaten Militärübungen stattfinden sollen“, sagte Macron. Damit wolle das Bündnis demonstrieren, „dass wir bereit, entschlossen und glaubwürdig sind, zu Land, in der Luft und zur See“.
Die Truppe soll nach einem möglichen Waffenstillstand die Ukraine absichern, Russland von einem erneuten Angriff abschrecken und die ukrainischen Streitkräfte unterstützen. Eine Stationierung westlicher Soldaten in der Ukraine ist während der laufenden Kämpfe nicht vorgesehen. In welchen Nachbarstaaten die Übungen stattfinden und welche Länder sich daran beteiligen werden, sagte Macron zunächst nicht.
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Russland lehnt westliche Schutztruppe ab
Russland lehnt die Stationierung westlicher Soldaten in der Ukraine entschieden ab. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete die Koalition der Willigen am Montag als „Koalition der Kriegstreiber“. Deren Mitglieder seien von der Vorstellung geleitet, Russland eine strategische Niederlage zufügen zu können.
Am Dienstag soll das Bündnis auch bei der französischen Militärparade zum Nationalfeiertag sichtbar werden. Rund 500 Soldaten aus den Mitgliedstaaten der Koalition der Willigen werden nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums die Parade auf den Champs-Élysées eröffnen. Darunter sind auch ukrainische Soldaten.
Zehn Länder planen Abwehrschirm für Europa
Die Entscheidung fiel bei einem Treffen der sogenannten Koalition der Willigen im Pariser Hôtel national des Invalides. Vertreter von mehr als 35 Unterstützerstaaten berieten dort über weitere Militärhilfen und Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Zu den Teilnehmern gehörten der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, Bundeskanzler Friedrich Merz, Macron und der scheidende britische Premierminister Keir Starmer.
Bei den Beratungen wurde zudem eine kleinere Allianz zur Abwehr ballistischer Raketen gegründet. Die Ukraine und neun weitere europäische Staaten wollen ihre Technik, militärische Erfahrung und industrielle Produktion bündeln, um einen gemeinsamen Schutzschirm für Europa aufzubauen. Beteiligt sind neben der Ukraine und Deutschland auch Dänemark, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden und Großbritannien. Weitere Staaten können sich der Initiative anschließen.
Selenskyj stellt ukrainisches Raketenprogramm vor
Selenskyj stellte den Staats- und Regierungschefs, Sicherheitsberatern und Vertretern von Rüstungsunternehmen ein ukrainisches Programm zur Abwehr ballistischer Raketen vor. Die Treffen könnten der Ukraine „deutlich größere Möglichkeiten zur Stärkung ihrer Verteidigung“ eröffnen, erklärte Selenskyj vor Beginn der Beratungen. Die Abwehr ballistischer Raketen habe oberste Priorität.
Nach Angaben des Élysée-Palasts sollen die Mitgliedstaaten ihre militärischen Fähigkeiten, technologischen Kenntnisse und Produktionskapazitäten zusammenführen. Dabei soll die Ukraine ihre Erfahrungen aus der Abwehr russischer Raketenangriffe einbringen.
Russland setzt im Krieg gegen die Ukraine regelmäßig ballistische Raketen ein. Wegen ihrer hohen Geschwindigkeit und steilen Flugbahn sind sie schwerer abzufangen als Marschflugkörper oder Drohnen. Systeme wie das amerikanische Patriot und das französisch-italienische SAMP/T können bestimmte ballistische Raketen bekämpfen, stehen aber nur in begrenzter Zahl zur Verfügung.
Emmanuel Macron, Keir Starmer und Wolodymyr Selenskyj mit weiteren Teilnehmern des Pariser Ukraine-Gipfels.
© Blondet Eliot/imago
Trump stellt Ukraine Patriot-Lizenz in Aussicht
Neue Möglichkeiten könnten sich auch aus einer Ankündigung von US-Präsident Donald Trump ergeben. Er hatte Selenskyj in der vergangenen Woche zugesagt, der Ukraine eine Lizenz zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen zu erteilen. Selenskyj erklärte anschließend, eine entsprechende Vereinbarung sei auf politischer Ebene getroffen worden. Ungeklärt ist bislang, ob die Ukraine vollständige Abfangraketen oder zunächst nur einzelne Bauteile herstellen darf.
Der Aufbau einer eigenen Produktion dürfte Jahre dauern. Dafür wären technische Unterlagen, Anlagen, Fachkräfte und die Zusammenarbeit mit den US-Herstellern Lockheed Martin und RTX notwendig. Nach Einschätzung von Fachleuten könnte allein der Aufbau einer ersten Fertigungslinie mindestens 18 bis 24 Monate beanspruchen.
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