Mobilität

Tödliche Unfälle in Berlin: Neue Zahlen zeigen den gefährlichen E-Scooter-Trend

E-Scooter-Unfälle verursachen in Deutschland immer mehr Verletzungen und Todesfälle. Auch Berlin ist davon stark betroffen, wie jüngste Fälle verdeutlichen.

4 Min
Erst in der Nacht zum Mittwoch kam es zu einem tödlichen E-Scooter-Unfall in Berlin-Kreuzberg.

Erst in der Nacht zum Mittwoch kam es zu einem tödlichen E-Scooter-Unfall in Berlin-Kreuzberg.

© Olaf Wagner

Die Zahlen, die das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat, lassen aufhorchen: Im Jahr 2025 registrierte die Polizei deutschlandweit 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden – 38,1 Prozent mehr als im Vorjahr. 38 Menschen starben, elf mehr als 2024. Fast 1900 wurden schwer verletzt. Seit der Zulassung der Elektrokleinstfahrzeuge 2019 steigen die Unfallzahlen Jahr für Jahr. Der Trend ist ungebrochen.

Für Berlin sind das keine abstrakten Zahlen. Fast jeder zweite E-Scooter-Unfall in Deutschland ereignet sich in einer Großstadt – die Hauptstadt mit ihrer dichten Infrastruktur und einer der größten Leihflotten Europas ist regelmäßig Schauplatz solcher Vorfälle. Erst in der Nacht zu Mittwoch starb in Kreuzberg ein 50-Jähriger, nachdem er mit seinem E-Scooter an der Kreuzung Blücherstraße/Urbanstraße mit einem Auto kollidiert war. Er hatte den Gehweg benutzt und war beim Einbiegen auf die Fahrbahn erfasst worden. Die Ermittlungen dauern an. Der Fall steht exemplarisch für eines der häufigsten Unfallmuster.

Junge Menschen überproportional betroffen

Besonders auffällig ist die Altersverteilung der Verunglückten: 53,6 Prozent waren jünger als 25 Jahre. Bei Fahrradunfällen liegt dieser Anteil bei nur 21,4 Prozent. E-Scooter werden überdurchschnittlich oft von Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt – und genau diese Gruppe verunglückt am häufigsten.

Das spiegelt sich in den Berliner Polizeimeldungen der vergangenen Wochen wider. Anfang Juli kollidierten in Spandau ein 14- und ein 13-Jähriger, die gemeinsam einen Scooter nutzten, mit einem Auto – beide kamen mit Kopfverletzungen stationär ins Krankenhaus. Wenige Tage danach fuhr ein 16-Jähriger in Mariendorf mit einer 15-jährigen Mitfahrerin auf die Britzer Straße und wurde von einem Auto erfasst. Das Mädchen prallte gegen die Windschutzscheibe und blieb stationär im Krankenhaus.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Mitfahren ist auf E-Scootern ausdrücklich verboten – doch die Regelung ist offenbar wenig bekannt oder wird ignoriert. Bundesweit stieg der Anteil von Mitfahrern unter den Verunglückten 2025 auf 5,5 Prozent, nach 4,7 Prozent im Vorjahr. Im April kam in Neukölln ein 14-jähriges Mädchen ums Leben, das mit einer Freundin auf einem E-Scooter bei Rot eine Kreuzung überquerte und von einem alkoholisierten Autofahrer erfasst wurde. Auch hier: zwei Personen auf einem Gerät, das nur für eine ausgelegt ist.

Falsche Nutzung als Hauptursache

Die häufigste polizeilich erfasste Unfallursache ist laut Destatis die falsche Straßenbenutzung – also das Fahren auf Gehwegen, das Ignorieren vorhandener Radwege oder das unvermittelte Wechseln auf die Fahrbahn. Genau diese Muster tauchen in den Berliner Unfallberichten immer wieder auf.

Hinzu kommt Alkohol: Bei 10,9 Prozent der E-Scooter-Unfälle war Trunkenheit im Spiel – ein höherer Anteil als bei Fahrrad- oder Mofafahrern. Das Gerät erfordert keinen Führerschein und wirkt dadurch für Einige unkritisch. Dabei gilt auch für E-Scooter die 0,5-Promille-Grenze, für unter 21-Jährige sogar die Null-Promille-Regel.

Unterschätzte Physik und kein Schutz

Was im Alltag leicht vergessen wird: E-Scooter erreichen bis zu 20 km/h. Bei einem Sturz oder einer Kollision fehlt jede Knautschzone, ein Helm ist nicht vorgeschrieben. Die Verletzungsbilder können entsprechend schwer ausfallen. Bemerkenswert ist, dass fast die Hälfte der getöteten E-Scooter-Fahrenden bei Alleinunfällen ums Leben kam – also ohne Beteiligung anderer Fahrzeuge. Ein Schlagloch, eine nasse Oberfläche oder ein Moment der Unachtsamkeit können ausreichen.

E-Scooter sind ein legitimes Verkehrsmittel, das sinnvoll zur Mobilität in der Stadt beitragen kann. Das Problem liegt nicht im Gerät selbst, sondern in der Lücke zwischen der gefühlten Harmlosigkeit und den tatsächlichen Risiken. Diese Lücke wird durch die aktuellen Zahlen deutlich sichtbar – und sie betrifft vor allem jene, die noch am wenigsten Erfahrung im Straßenverkehr haben.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner