Der US-Ölunternehmer Bill Armstrong hat nach einem Bericht der britischen Zeitung Financial Times vom Samstag mit venezolanischen Behörden einen Entwurf für einen Explorationsvertrag ausgehandelt und seismische Vermessungsdaten gekauft.
Bei zwei Reisen nach Caracas soll Armstrong dem Bericht zufolge auch mit Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez zusammengetroffen sein. Fördergebiet, Vertragsbedingungen und behördliche Genehmigungen sind bislang nicht öffentlich bekannt.
Armstrong, Geologe und Gründer von Armstrong Oil and Gas, gilt als einer der unabhängigen US-Ölunternehmer, die nach dem politischen Umbruch in Venezuela früh geschäftlich einsteigen wollen. Bislang war öffentlich vor allem bekannt, dass Armstrong Anfang Januar an einem Treffen im Weißen Haus teilgenommen hatte, bei dem US-Präsident Donald Trump Vertreter der Ölindustrie zu Investitionen in Venezuela aufrief. Mit dem nun bekannt gewordenen Vertragsentwurf und dem Kauf seismischer Daten geht Armstrong über bloße Absichtserklärungen hinaus.
Nachdem die USA im Januar den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro entführt hatten, lockerte Washington die Sanktionen gegen den Energiesektor des Landes. Laut Reuters erteilten die US-Behörden Generallizenzen, die ausgewählten Unternehmen den Betrieb von Öl- und Gasprojekten erlauben und anderen Firmen vorbereitende Tätigkeiten oder Vertragsverhandlungen ermöglichen. Zudem erteilte das US-Finanzministerium nach Angaben der Financial Times eine Lizenz, die Finanzinstituten Geschäfte mit Venezuelas Zentralbank erlaubt.
Unabhängige Ölförderer preschen vor
Damit zeichnet sich ab, dass risikofreudige Unternehmer die Öffnung des venezolanischen Marktes schneller nutzen als die großen Öl-Konzerne. Bryan Sheffield, Mitgründer der US-Investmentgesellschaft Formentera Partners, reiste im April mit weiteren potenziellen Investoren nach Venezuela und traf Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez. Im Juni erklärte er, sein Unternehmen interessiere sich für Erdgasfelder im Land, mache einen Einstieg aber von vorherigen Wahlen abhängig. Bereits im Januar hatte er Interesse an den Feldern La Luna im Bundesstaat Zulia und Querecual im Osten des Landes signalisiert.
Eine Erholung der venezolanischen Ölförderung kommt indessen nur langsam voran. Nach Angaben der venezolanischen Zentralbank stiegen die Ölexporte im ersten Quartal dieses Jahres wieder auf einen Umfang von 5,5 Milliarden US-Dollar, liegen damit aber weiterhin deutlich unter früheren Höchstwerten. Venezuela verfügt über die größten bekannten Erdölreserven der Welt, die Förderung war unter Nicolás Maduro infolge von Misswirtschaft, fehlenden Investitionen und westlichen Sanktionen jedoch stark eingebrochen.
Erweiterung des rechtlichen Rahmens
Die venezolanische Nationalversammlung hatte Ende Januar eine Teilreform des Erdölgesetzes verabschiedet. Nach Einschätzung von Fachleuten, die das Portal Efecto Cocuyo zitiert, sind die Änderungen zwar ein Schritt in Richtung mehr Rechtssicherheit, reichen aber nicht aus, um größere Investitionen anzuziehen. Bei gemischten Unternehmen muss der Staat weiterhin mehr als 50 Prozent des Kapitals halten. Neu ist die Möglichkeit, Streitigkeiten über unabhängige Schiedsverfahren statt vor ordentlichen Gerichten beizulegen.
Parallel arbeitet die Übergangsregierung unter Delcy Rodríguez laut einem weiteren Bericht der Financial Times an einer umfassenden Umschuldung. Das Land will demnach in den kommenden Wochen Verbindlichkeiten von rund 240 Milliarden US-Dollar offenlegen und noch in diesem Jahr eine Einigung mit den Gläubigern erzielen. Beraten wird Caracas dabei von der US-Investmentbank Centerview Partners.
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